Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Bürgerentscheide beschlossen: Eutins Stadtvertretung endgültig zerstritten
Lokales Ostholstein Bürgerentscheide beschlossen: Eutins Stadtvertretung endgültig zerstritten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
11:09 22.03.2019
Der Streitpunkt: die Wilhelm-Wisser-Schule an der Elisabethstraße (Standort Am Berg). Quelle: Ulrike Benthien
Anzeige
Eutin

Schweigend rückten die Eutiner Stadtvertreter der SPD, FWE und Freien Wähler sowie Thorben Junge von der Bürgerinitiative (BI) „Vernunft macht Schule“ ihre Stühle zurück und verließen sehr zum Erstaunen der übrigen Mitglieder und Gäste den erstmals angemieteten Schützensaal. Der Grund: Die Erläuterung der CDU, Grünen und FDP zum konkurrierenden Bürgerentscheid zwei zur Zukunft der Wilhelm-Wisser-Schule Eutin lag den Gegnern bis zu Beginn der Sitzung am Mittwochabend nicht vor. „Wir fühlen uns im Recht der Stadtvertreter ignoriert“, schimpfte Hans-Georg Westphal (SPD). Die Stadtvertretung Eutin – sie ist endgültig zerstritten, wenn es um den zukünftigen Standpunkt der Gemeinschaftsschule geht. Aufgrund der Uneinigkeit kommen auf die Eutiner Bürger am 26. Mai nun zwei Bürgerentscheide und eine Stichfrage zu.

Zwei Entscheide und eine Stichfrage

Wenn es nach dem Bürgerbegehren der BI geht, soll ein Neubau der Gemeinschaftsschule und der Gustav-Peters-Grundschule sowie eine Drei-Feld-Sporthalle am Standort „Kleiner See“ entstehen. Darüber können die Bürger im Entscheid eins abstimmen. Im zweiten Entscheid können die Eutiner ebenfalls ihr Kreuz bei „Ja“ oder „Nein“ setzen. In der Gegenfrage fordern die CDU, Grünen und FDP den Neubau der Grundschule und einer Drei-Feld-Sporthalle Am Kleinen See sowie die Sanierung und Erweiterung der Wisser-Schule am jetzigen Standort inklusive einer Zwei-Feld-Sporthalle. Wenn es zu keiner klaren Entscheidung bezüglich der beiden Abstimmungen kommt, wird eine Stichfrage gestellt. Als es zu den Erläuterungen der beiden Entscheide durch die jeweiligen Befürworter kam, nahm die Stadtvertretung richtig Fahrt auf.

Anzeige

Planung der Stadt zur Wisser-Schule „lieblos und rückständig“

Zunächst vertrat Thorben Junge von der BI seine Meinung und teilte dabei ordentlich aus. Die Ideen der Stadt zur Wisser-Schule seien lieblos, altmodisch und rückständig. „Wir glauben Ihnen nicht, dass Sie es gut meinen mit den Schülern der Gemeinschaftsschule“, sagte Junge. Die Machbarkeitsstudie habe deutlich gezeigt, dass die Renovierung und Erweiterung am Berg exorbitant teuer sei. „Um diesen Eindruck zu verwässern, greifen Sie auf rechnerisch und rhetorische Winkelzüge zurück“, sagte der BI-Sprecher, der auch Stellung zum geforderten Schulcampus am See nahm. Wer sage, dass die großen Schüler nicht neben den kleinen Schülern zur Schule gehen könnten? Ein Konfliktpotenzial sähen die Jugendlichen der Wisser-Schule nicht.

Wehrführer vereidigt

In der Stadtvertretersitzung im Schützensaal hat Eutins Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos) unter den Augen zahlreicher Kameraden den neuen Gemeindewehrführer Marco Wriedt der drei Ortswehren Eutin, Neudorf und Fissau-Sibbersdorf vereidigt. Zuvor fand Bürgervorsteher Dieter Holst lobende Worte für den ehemaligen Wehrführer Heino Kreutzfeld. Auch der neue Ortswehrführer der Eutiner Wehr, Jörg Böckenhauer, wurde als Nachfolger von Dietrich Asbach offiziell in sein Amt eingeführt.

Junge betonte auch noch mal, dass das Gelände am See optimale Bedingungen liefere. „Gemeinsam an einem Ort sind die Schulen noch stärker.“ Er forderte die Politik auf, die Grundschule nicht gegen die Gemeinschaftsschule auszuspielen. „Sie sind rhetorisch nicht gut genug, als dass es nicht auffällt“, wetterte er und plädierte dann in etwas milderem Ton: „Lassen Sie uns heute etwas genauso Historisches wie die Gegenfrage schaffen: Einigkeit – fraktions- und schulübergreifend, verwaltungs- und initiativenübergreifend. Eine ganz starke Truppe, wo jeder seine Stärken in die Zukunftsschule einbringen kann. Seien Sie vernünftig und denken Sie zuerst an die Kinder.“

CDU schimpft über Zynismus und Polemik seitens der BI

Einigkeit? Vernunft? Weit gefehlt. Nachdem Hans-Georg Westphal, Malte Tech (FWE) und Sigrid Jürß (Freie Wähler) noch Unwägbarkeiten aufzählten und sich hinter die BI stellten, standen Mitglieder der Bürgerinitiative sowie die SPD, die FWE und Freien Wähler beim nächsten Redebeitrag von Matthias Rachfahl (CDU) vor der Tür. Grund: Seine Erläuterungen lagen nicht schriftlich vor. Monika Obieray (Grüne): „Ich betrachte das als Dialog-Verweigerung.“

Die übrigen Stadtvertreter und Gäste verfolgten Rachfahls Anmerkungen zur Gegenfrage digital an der Leinwand. „Kleine Kinder, kleine Schule“, sagte Rachfahl mit Blick auf den alleinigen Standort der Grundschule am See. Für Sechs- bis Zehnjährige sei es zwingend notwendig, größtmöglichen Freiraum zu haben. Das sei auch der Wille der Grundschule. Der pädagogische Aspekt werde von der BI heruntergespielt. „Der Schulfrieden soll erhalten bleiben“, betonte der Fraktionsvorsitzende. „Beide Schulen sind wichtig und beide erhalten einen Erweiterungsbau“, sagte er und machte auf die ungeregelte Verkehrssituation Am Kleinen See aufmerksam, wenn ein „Schulklotz“ mit bis zu 1000 Schülern entstehen sollte. „Es kommt zu einer erhöhten Gefährdung der Kinder.“

Schade, dass die BI so auf die eigene Konzeption beharre. „Zynismus, Eigennutz und Polemik sind nicht unser Ding“, betonte Rachfahl. Sie wollten sich inhaltlich auseinandersetzen. Jens-Uwe Dankert (FDP): „Wir meinen es gut und wollen nur das Beste für die Kinder.“

Beke Zill

Anzeige