Stadtwerke Neustadt wollen Hafenwestseite mit Wärme aus Ostsee heizen
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Ostholstein Stadtwerke Neustadt: Wasser aus der Ostsee wärmt die Hafenwestseite
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Stadtwerke Neustadt wollen Hafenwestseite mit Wärme aus Ostsee heizen

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17:00 18.11.2020
In dem rechten roten Speicherturm auf der Hafenwestseite soll die Meerwasser-Wärmepumpe installiert werden. Auf dem ebenso wie die Türme unter Denkmalschutz stehenden Förderband sollen die Leitungen in die Ostsee verlegt werden.
In dem rechten roten Speicherturm auf der Hafenwestseite soll die Meerwasser-Wärmepumpe installiert werden. Auf dem ebenso wie die Türme unter Denkmalschutz stehenden Förderband sollen die Leitungen in die Ostsee verlegt werden. Quelle: Sebastian Rosenkötter
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Neustadt

Die Hafenwestseite von Neustadt soll nicht nur ein maritimes und touristisches Vorzeigequartier werden, sondern auch in puncto Nachhaltigkeit und Klimaschutz überzeugen. Die Stadtwerke Neustadt streben deshalb den Bau einer Meerwasser-Wärmepumpe an. Ziel ist es, in rund zwei Jahren ein geplantes Hostel, das Haus der Manufakturen, die Gogenkroghalle sowie weitere Neubauten und bereits bestehende Einheiten versorgen zu können. Zudem sollen Nahwärmenetze anderer Art beim Küstengymnasium sowie im Neubaugebiet Lübscher Mühlenberg entstehen.

Dem Wasser aus der Ostsee Energie entziehen

Arne Beilfuß, technischer Leiter der Stadtwerke, erläutert, dass die Meerwasser-Wärmepumpe im rechten roten denkmalgeschützten Speicherturm unweit des Hafens installiert werde. Auf dem blauen Förderband, welches ebenfalls nicht abgerissen werden darf, würden die Leitungen in die Ostsee verlegt. „Wir wollen zehn Grad Celsius warmes Wasser ansaugen und es mit acht Grad wieder zurückleiten“, erläutert Beilfuß. Anschließend würde die Temperatur des Wassers mithilfe eines Blockheizkraftwerks (BHKW) weiter angehoben.

Bevor die Bauarbeiten beginnen, müssen noch Gutachten erstellt werden. Werkleiterin Vera Litzka sagt, dass es unter anderem darum gehe, zu prüfen, welche möglichen Folgen das Einleiten des leicht abgekühlten Wassers für Fische und Pflanzen haben könnte. Die Kosten für die Meerwasser-Wärmepumpe beziffert sie mit zwei Millionen Euro, wobei 70 Prozent vom Umweltministerium gefördert werden dürften. Das Netz selbst koste zusätzlich 1,5 Millionen Euro.

Mit Wärmepumpe CO2 einsparen

Laut Litzka würden mit der Anlage rund 300 Tonnen Kohlenstoffdioxid eingespart. „Für uns spielen Wirtschaftlichkeit und CO2-Bilanz eine Rolle. Es geht auch darum, was für den Nutzer bezahlbar ist“, sagt die Werkleiterin. Gebaut werden soll ab Ende 2021. Die Arbeiten selbst sowie die Einrichtung der Wärmepumpe dürften mehrere Monate dauern. Sollten Gebäudeeigentümer schon vorher Wärme benötigen, soll es eine provisorische Lösung geben.

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Die Stadtwerke bauen am Küstengymnasium

Ein weiteres innovatives Projekt der Stadtwerke wird derzeit unter dem zukünftigen Sportplatz des neuen Küstengymnasiums realisiert. Dort setzt das Unternehmen auf Wärme aus dem Erdreich. Wasser soll bis zu 100 Meter tief nach unten gepumpt werden und sich dort erwärmen. „Es wird ein geschlossener Kreislauf sein. In den Gebäuden kommen Wärmepumpen zum Einsatz. 370 Megawattstunden könnten so jährlich produziert werden“, erklärt Litzka.

Nahwärme im Neubaugebiet

Ebenfalls aktiv sind die Stadtwerke im Neubaugebiet Lübscher Mühlenberg. Wo Hunderte weiterer Wohnungen und Häuser entstehen, soll ein Nahwärmenetz aufgebaut werden. Die Einrichtung einer Wärmezentrale, also eines etwa 150 Quadratmeter großen Gebäudes mit Speicher, Netzpumpen und Trafostationen, ist fest eingeplant. Auch dort wird ein Blockheizkraftwerk zum Einsatz kommen. Betrieben werden soll es mit Biomethan anstelle von Erdgas. „Dadurch haben wir eine hohe CO2-Einsparung – etwa 220 Tonnen jährlich“, sagt Litzka. Die Anlage selbst koste ebenfalls circa zwei Millionen Euro, wobei eine Förderung in Höhe von 25 Prozent angestrebt werde.

Langfristig möchte Vera Litzka ganz Neustadt mit Wärme aus innovativen Quellen versorgen. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie soll in Auftrag gegeben werden. „Die Verbindung von Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit ist die Zukunft. Wir wollen zeigen, was geht“, erläutert die Werkleiterin. Der Kommunalpolitiker und Vorsitzende des Stadtwerkeausschusses Albert Geusen-Rühle (CDU) spricht zudem von einem Vermarktungsinstrument, welches die Stadt erhalte. Und Bürgermeister Mirko Spieckermann (parteilos) betont, dass Klimaschutz „uns alle angeht“.

Bürgermeister wirbt mit mehr Service für Kunden

Zugleich weist er auf die Vorteile hin, wenn die Wärme aus der Nähe und nicht aus der Ferne kommt. „Die Kunden werden an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr einen Notdienst direkt vor Ort haben.“ Arne Beilfuß ergänzt: „Die meisten Reparaturen finden außerhalb der eigenen vier Wände statt und es wird kein Schornsteinfeger mehr benötigt.“ Darüber hinaus gelten dezentrale Netze als krisensicherer.

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Von Sebastian Rosenkötter

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