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Ostholstein Statt Straßenausbaubeiträgen: Solarstrom als Einnahmequelle für Gemeinden
Lokales Ostholstein Statt Straßenausbaubeiträgen: Solarstrom als Einnahmequelle für Gemeinden
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17:30 20.02.2019
Solarenergie soll der Gemeinde Süsel Geld in die Kasse bringen und den Bürgern Straßenausbaubeiträge ersparen. Mit dieser Idee rannten Wolfgang Schümann, Dieter und Alexander Illing (v. l.) bei Bürgermeister Adrianus Boonekamp offene Türen ein. Quelle: Ulrike Benthien
Süsel

Die Freie Wählergemeinschaft Süsel (FWS) ist mit einem Vorschlag zur Gegenfinanzierung von Straßenausbaubeiträgen vorgeprescht: Durch die Gewinnung von Solarenergie wollen sie der Gemeinde Einnahmen verschaffen, mit denen künftig die Sanierung von Straßen bezahlt werden kann. Gleichzeitig soll so ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Mit diesem Modell wäre Süsel in Schleswig-Holstein Vorreiter, sagten die FWS-Vertreter.

Die Gemeindevertretung von Süsel hat die Straßenausbaubeiträge im vergangenen Dezember mit den Stimmen von CDU und FWS abgeschafft. Gleichwohl sollte die Verwaltung eine Gegenfinanzierung prüfen, beispielsweise über Steuererhöhungen. Die Freien Wähler sind ihr zuvorgekommen. „Mit unserem Konzept können wir die Straßenausbaubeiträge dauerhaft auf Null für die Bürger setzen“, erklärten der Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schümann und seine Parteikollegen Alexander und Dieter Illing bei einem Gespräch im Rathaus mit Bürgermeister Adrianus Boonekamp (CDU). Es sieht vor, auf und an allen gemeindeeigenen Immobilien Photovoltaik-Anlagen zu installieren. Der gewonnene Strom könnte zum einen die Kosten in den Gebäuden senken, zum anderen ins Netz eingespeist und verkauft werden.

Neubauten gleich mit Solarmodulen versehen

Vater und Sohn Illing haben nach Rundfahrten durch die Gemeinde vorerst geeignete Dachflächen erfasst. „Das ist die einfachste Methode. Die Außenfassaden mit Photovoltaik-Anlagen zu bestücken, ist Zukunftsmusik“, sagte Alexander Illing. Infrage kommen beispielsweise das Süseler Rathaus, die Gerätehäuser der Freiwilligen Feuerwehren Süsel und Röbel, die Sporthalle in Süsel und Kindertagesstätten. Geplante Neubauten – Schule, Bauhof, die Kitas in Groß Meinsdorf und Bujendorf – sollten gleich von Anfang an mit Solarmodulen ausgestattet werden, sagte Dieter Illing.

Rund 1200 Quadratmeter Dachfläche haben die FWS-Vertreter vorerst ausgeguckt und dafür Berechnungen angestellt. Darauf könnten Solarmodule mit einer Leistung von insgesamt 300 kWp gesetzt werden. Illing und Schümann rechnen mit einer notwendigen Investition von 300 000 Euro. „Die Dächer sind alle in hervorragendem Zustand. Die Anlagen könnten sofort installiert werden“, hob Dieter Illing hervor.

Die Maßeinheit

kWp bedeutet Kilowatt peak (englisch für Spitze) und meint die Spitzenleistung der Anlage, die diese unter Standardbedingungen erreichen kann. Eine Anlage mit einem Wert von einem kW kann im Jahr circa 1000 Kilowatt Strom erzeugen.

Investition nach spätestens zehn Jahren amortisiert

Strom aus Photovoltaik-Anlagen wird über die Einspeisevergütung gefördert. Der Anlagenbetreiber erhält über einen Zeitraum von 20 Jahren eine garantierte festgelegte Vergütung für eingespeisten Solarstrom. „Die Gemeinde Süsel hätte ihre Investition nach acht bis zehn Jahren getilgt“, prophezeite Dieter Illing. Außerdem werde innerhalb der 20 Jahre ein Überschuss von rund 350 000 Euro erwirtschaftet. Nach Ablauf der 20 Jahre könne auch der komplette Strom von der Gemeinde selbst genutzt werden und beispielsweise für die Straßenbeleuchtung dienen.

„Wir wollen die Bürger entlasten“, sagte Wolfgang Schümann. Und Alexander Illing ergänzte: „Und wir wollen damit ein generationsübergreifendes Projekt anschieben.“ Er berichtete, die Freien Wähler hätten Fördermöglichkeiten gesucht und herausgefunden, dass die Bundesregierung derzeit gute Förderprogramme aufgelegt habe. Die Anlagen wären zudem Gemeindeeigentum, benannte er einen weiteren Vorteil.

Erste Anlagen im Herbst installieren

Den anderen Fraktionen gehen die Unterlagen für das FWS-Projekt gerade zu. Ihnen soll Gelegenheit gegeben werden, sich bis zur Sitzung des Finanzausschusses am 11. März damit auseinanderzusetzen, damit möglichst an dem Abend schon über die Investition abgestimmt werden kann. Sie wird einen Nachtragshaushalt erforderlich machen. Die ersten Solaranlagen könnten dann im Herbst installiert werden, sagte Dieter Illing.

Adrianus Boonekamp zeigte sich optimistisch, dass die anderen Fraktionen der FWS-Idee zustimmen werden. „Alles, was die Gemeindekasse entlastet, ist gut. Wir müssten ja mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn wir das nicht machen. Man kann den Vorschlag eigentlich nur ablehnen, wenn man prinzipiell gegen alles ist.“

Ulrike Benthien

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