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Ostholstein Stille Fleißarbeit: So sorgen Mäh-Roboter für Top-Rasen in Ostholstein
Lokales Ostholstein Stille Fleißarbeit: So sorgen Mäh-Roboter für Top-Rasen in Ostholstein
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07:00 28.07.2019
In den Gemeinden Ratekau und Timmendorfer Strand sind Mäh-Roboter im Einsatz – hier kümmert sich „Cutcat“ um den Rasen des TSV Pansdorf. Quelle: Sabine Latzel
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Pansdorf/Niendorf

Leise, gründlich, fleißig und anspruchslos sind die Mitarbeiter, die für zwei Kommunen im südlichen Ostholstein ihren Dienst verrichten: Die Gemeinden Ratekau und Timmendorfer Strand setzen auf elektrische Mäh-Roboter zur Pflege zweier Sportplätze. Damit gehören sie zu den Vorreitern an der Ostseeküste.

Die Ratekauer bekamen 5000 Euro Förderung für „Cutcat“

Der neue Kollege in der Gemeinde Ratekau ist schon gut eingearbeitet, kein Wunder, er wurde bereits vor über einem Jahr eingestellt: Das Modell „Cutcat“ – was sich holprig mit „Schneidekatze“ übersetzen ließe – der Firma Eurogreen mäht seit 2018 beim TSV Pansdorf. Weil die Gemeinde Ratekau als eine der Ersten im Land auf den E-Rasenpfleger setzte, gab es 5000 Euro Fördermittel für den 15 000 Euro teuren Roboter, berichtet Alexander Herrberger, Klima-Manager und Mitarbeiter der Bauverwaltung. Und zwar von der EKSH, der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein. Die hat ein Programm namens „Klikom – Mit kleinen Projekten groß rauskommen“, und von dort floss Geld unter anderem für Energieeffizienz.

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Effizient scheint „Cutcat“ in der Tat zu sein, und exakt. Den 8000-Quadratmeter-Platz am Techauer Weg bedeckt dichter, etwa 15 Millimeter kurzer Rasen – ohne Maulwurfshügel, die ja schon so manchen Platzwart in die Verzweiflung getrieben haben sollen. „Seit wir den Mäh-Roboter einsetzen, haben wir diese Probleme nicht mehr“, berichtet Herrberger. Er vermutet, dass die Bodenvibrationen, die „Cutcat“ erzeugt, die unterirdisch grabenden Gesellen verscheuchen. Einzig hinter dem Tor sind ein paar der typischen Erdhaufen zu sehen – aber dort mäht der Roboter auch nicht.

Sensoren melden Hindernisse, Tiere sollen nicht gefährdet sein

Dass das einem Mini-Raumschiff ähnelnde Gerät mit einer Schnittbreite von 1,20 Metern die Maulwürfe dahingemetzelt haben könnte, glaubt Herrberger nicht, und auch Igel sowie anderes Getier würde „Cutcat“ verschonen: „Der Roboter ist mit Sensoren ausgestattet. Stößt er auf Hindernisse, stoppt er und weicht aus. Außerdem ziehen sich dann die Schneidemesser zurück.“ Davon abgesehen kennt der E-Kollege sein Revier genau, denn rund um den Platz hat die Betreiberfirma Draht in den Boden gelegt. „An dieser Linie hält der Mäh-Roboter an und wendet.“

Völlig problemlos sei die Einarbeitung von „Cutcat“ allerdings nicht verlaufen, erklärt der Klima-Manager. „Die zuständige Firma musste mehrfach die Programmierung ändern, bis alles passte.“ So muss der Mäh-Roboter einen bestimmten Bogen fahren, wenn er zur Ladestation fährt, wo er frischen Ökostrom nachtankt. Seine Arbeitszeiten sind nach den Wünschen des TSV Pansdorf programmiert – während des Trainings oder bei den Spielen pausiert „Cutcat“ natürlich. Probleme mit Regen und/oder nassem Rasen hat er nicht. Im Einsatz ist er von März bis Oktober, dann transportieren ihn die Mitarbeiter von Eurogreen ins Winterlager, zwecks Wartung und Software-Update.

Sie sehen aus wie Mini-Raumschiffe: Die Mäh-Roboter „Cutcat“ und „ET“ sorgen in Pansdorf und Niendorf für gleichmäßig kurzen Rasen auf den Sportplätzen und fahren selbständig zu ihren Ladestationen.

Denn „Cutcat“ kann nicht nur mähen und das Schnittgut zu feinem Mulch zerhäkseln, der als Dünger liegen bleibt: Er hat GPS und steht somit in ständigem Kontakt mit seinen Vorgesetzten. „Ich kann mittels einer App sehen, wo er entlanggefahren ist“, sagt Herrberger – wobei der Mäh-Roboter nicht symmetrisch, sondern scheinbar wahllos kreuz und quer über den Sportplatz surrt. Wird er angehoben, erscheint sofort eine Mitteilung auf dem Smartphone seiner menschlichen Kollegen, und bei Diebstahl können die mit GPS ausgestatteten E-Helfer leicht geortet werden. Was beispielsweise im September 2018 der Fall war, als Langfinger einen Mäh-Roboter vom Gelände des Schlosses Warnsdorf mitgehen ließen, woraufhin mehrere Streifenwagen dem Signal folgten.

Der Mäh-Roboter stinkt nicht und macht keinen Lärm

„Bis vor einem Jahr kamen zwei Mitarbeiter des Bauhofes viermal die Woche zum Sportplatz – zweimal zum Mähen, zweimal zum Aufsammeln des Schnittgutes“, zählt der Klima-Manager auf. „Nötig waren drei Maschinen, und neben den Arbeits- und den Maschinenstunden fielen noch die Kosten für den Dieselkraftstoff an.“ Die Wartung des Mäh-Roboters schlage mit jährlich 1200 Euro zu Buche, hinzu kämen Messersätze für etwa 300 Euro. Weitere Vorteil von „Cutcat“: Er stinkt nicht, und er macht keinen Lärm.

In der Gemeinde Timmendorfer Strand ist der Mäh-Roboter „ETm105“, kurz: „ET“, der Firma Etesia erst seit zehn Tagen im Einsatz, und zwar auf dem Niendorfer Sportplatz am Waldweg. Auch dort ist ein Draht als Induktionsschleife in den Boden gelegt worden, berichtet Rüdiger Helm, Leiter des Bauhofes. Der Mäh-Roboter bearbeitet etwa 5500 Quadratmeter und funktioniert ähnlich wie sein Kollege in Pansdorf. „Es gibt noch Optimierungsbedarf“, räumt Helm ein. Das sei aber in Ordnung, „er muss sich an uns und wir müssen uns an ihn gewöhnen“.

Einsparung: Eine Tonne Kohlenstoffdioxid pro Jahr

Vor dem Einsatz von „ET“ habe ein Mitarbeiter einmal wöchentlich für zweieinhalb Stunden auf dem Sportplatz gemäht, berichtet der Bauhof-Leiter, „im Mai und im Juni dann zweimal die Woche“. Auch der Niendorfer E-Kollege tankt Ökostrom. Dadurch, dass er den benzinbetriebenen Rasentraktor ersetzt, werde laut Herstellen eine Tonne CO² pro Jahr gespart, heißt es in einer Mitteilung der Gemeinde.

Derzeit sind in Schleswig-Holstein noch wenige Mäh-Roboter im öffentlichen Dienst tätig. Jeweils ein E-Helfer rollt für die Gemeinden Holtsee (Kreis Rendsburg-Eckernförde), Klixbüll (Nordfriesland) und Schülp (Dithmarschen) übers Grün, und die Stadt Lübeck setzt ein Gerät auf dem Buniamshof ein. Aber es könnten mehr werden – in Timmendorfer Strand wollen sie jedenfalls weitere Geräte anschaffen, sollte „ET“ sich bewähren. Und auch die Pansdorfer schätzen die Arbeit von „Cutcat“ offenbar sehr, berichtet Klima-Manager Herrberger: „Die Fußballer haben gesagt, dass sie noch nie einen so guten Rasen hatten.“

E-Greenkeeper auf dem Golfplatz

Lautlos und fast unbemerkt verrichtet ein Mäh-Roboter auch im Golfclub Curau während der Wachstumsperiode nahezu täglich seinen Dienst. Eine rund 300 Quadratmeter große Rasenfläche des zum Golfplatz gehörenden Übungsgeländes wird mit Hilfe dieses selbstfahrendes Gerätes akkurat kurz und sauber gehalten. „Wir setzen den Mäh-Roboter in einem Bereich ein, in dem relativ wenig Publikumsverkehr herrscht“, sagt Greenkeeper Roman Nickisch.

In jedem Fall übernimmt der Roboter an dieser Stelle ein Stück weit den Job der Greenkeeper, die diesen Rasenbereich auf dem auch einige Bäume stehen, nicht mit ihren großen und schweren Maschinen mähen müssen. Für den Mäh-Roboter sind die Bäume keine Hindernisse – er erkennt sie und fährt einfach drumherum. Nachts wird das Gerät diebstahlsicher geparkt, heißt es. Der Mäh-Roboter ist im Golfclub Curau bereits seit einigen Jahren erfolgreich im Einsatz.

Sabine Latzel

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