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Ostholstein Wem gehört die Fasaneninsel?
Lokales Ostholstein Wem gehört die Fasaneninsel?
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17:00 03.03.2019
Der Blick auf den Eutiner See mit der Fasaneninsel.
Der Blick auf den Eutiner See mit der Fasaneninsel. Quelle: Eckard Meier
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Eutin

Sie schlummert im fahlen Winterlicht vor sich hin: die Fasaneninsel im Großen Eutiner See. Seit 2016 wird um die 21 000 Quadratmeter große Insel in Sichtweite des Schlosses vor Gericht gerungen. Die Stadt Eutin pocht auf ihr Vorkaufsrecht - auf der Gegenseite steht eine Familie aus Norddeutschland, die das Eiland Anfang 2016 erworben hat. Gestritten wird um die Angemessenheit des Kaufpreises: Eutin hat 365 000 Euro geboten, die Familie nach LN-Informationen für 610 000 Euro zugegriffen.

Der Traum vom Naturerlebnisraum platzte

In das Verfahren involviert ist auch die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Sie verwaltet treuhänderisch die Karl-Heinz-Schulenburg-Stiftung. Karl-Heinz Schulenburg, ein bekannter, im Juli 2016 gestorbener Trakehnerzüchter aus Griebel, hatte die Insel im April 2014 für 485 000 Euro im Amtsgericht Eutin ersteigert und in seine Stiftung eingebracht. Seine Vision war es, die zuvor Jahrzehnte in Privatbesitz gewesene Fasaneninsel öffentlich zugänglich und zu einem Naturerlebnisraum zu machen. Anhaltende Rechtsstreitigkeiten mit der vorherigen Eigentümerin machten Schulenburg und Vertrauten schon das Betreten der Insel fast unmöglich und verleideten ihm seine Pläne. Das veranlasste ihn als Kuratoriumsvorsitzenden seiner Stiftung und seinen Beirat, die Insel wieder abzustoßen.

Kaufvertrag ist unterschrieben, aber noch nicht wirksam

Anfang 2016 habe die Familie aus dem norddeutschen Raum, die sehr auf Zurückhaltung bedacht sei, die Fasaneninsel gekauft, sagt Dr. Walter Hemmerling, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung Naturschutz. Die Stadt Eutin habe wiederum ihr Vorkaufsrecht geltend gemacht. „Bis heute ist das Verfahren im Schwebezustand. Der Kaufvertrag ist unterschrieben. Er wird aber erst wirksam, wenn die Vorkaufsrechtmöglichkeiten ausgeräumt sind“, so Hemmerling. Er findet die Zeitspanne „nicht zumutbar. Für gewöhnlich zieht sich so etwas nicht so lange hin.“ Die Familie, die zwar zeitweise auf der Fasaneninsel wohnen wolle, habe der Stadt Entgegenkommen signalisiert: „Es soll möglich sein, dass Interessierte die Fasaneninsel besuchen können“, berichtet Walter Hemmerling.

Blick von oben und auf zwei der Gebäude.

Er sagt weiter: „Es ist unstrittig, dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht ausüben kann. Sie muss dann aber 610 000 Euro zahlen. Will sie weniger zahlen, kann man nicht von Angemessenheit sprechen. Das akzeptieren wir nicht.“ Der Vertreter der Naturschutz-Stiftung hofft, dass das Verfahren vor einem Kieler Gericht endlich abgeschlossen wird. Bislang gebe es allerdings nicht einmal einen Anschlusstermin.

Neues Wertgutachten im siebenstelligen Bereich

Dafür liege inzwischen ein neues Wertgutachten für die Fasaneninsel vor, und zwar im siebenstelligen Bereich, sagt Hemmerling. In Auftrag gegeben habe es die Käuferfamilie. Der bisher genannte Verkehrswert in Höhe von 335 000 Euro wurde von einem Gutachter im Vorfeld der Zwangsversteigerung 2014 ermittelt – wobei die Gebäude überwiegend ohne Innenbesichtigung taxiert werden mussten. Nach der Zwangsräumung der Fasaneninsel im April 2018 wurde eine umfangreichere Begehung möglich.

„Utin“ entstand auf der Fasaneninsel

Die Fasaneninsel ist eine der beiden Inseln im Großen Eutiner See. Sie ist rund 2,1 Hektar groß. Ab dem 9. Jahrhundert war sie Standort einer wendischen Burg mit Namen „Utin“. Über eine Brücke war sie mit dem Ufer verbunden, was archäologisch belegt ist. 1138/1139 wurde die Burg zerstört – die nachfolgende Siedlung wurde am Ufer errichtet und entwickelte sich zum heutigen Eutin.

Den Namen Fasaneninsel trägt die Insel, weil dort zur Blütezeit des Hoflebens am Schloss Fasane gehalten wurden.

Für die Stadt hat die Fasaneninsel große kulturhistorische Bedeutung. „Sie stellt die Keimzelle Eutins dar, daher wurde im Rahmen der Vorbereitung auf die Landesgartenschau 2016 beschlossen, das Vorkaufsrecht auszuüben“, sagt Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt. „Ein finales Nutzungskonzept gibt es noch nicht. Das liegt unter anderem daran, dass wir bisher noch kein Zugangsrecht erwirken konnten und uns mit dem aktuellen Gebäudebestand nicht konkret auseinandersetzen konnten.“

Ulrike Benthien

03.03.2019
02.03.2019