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Ostholstein Stromtrasse durch Ostholstein kommt nicht vor 2027
Lokales Ostholstein Stromtrasse durch Ostholstein kommt nicht vor 2027
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18:29 07.06.2019
Eine 380-Kilovolt-Trasse wie hier bei Schwarzenbek soll von Göhl nach Lübeck erst 2027 fertiggestellt werden. Der Kreis Ostholstein ist weiterhin für eine Erdverkabelung. Quelle: LN
Ostholstein

Tennet überarbeitet die Detailplanung in Sachen Ostküstenleitung. Für die umstrittene, 65 Kilometer lange, 380-kV-Freileitung von Göhl nach Pohnsdorf (Gemeinde Stockelsdorf) bedeutet dies, dass sie nicht vor 2027 ans Netz kommen soll. „Leider sind die Planungen in diesem Projekt noch nicht so weit fortgeschritten, wie unsererseits angestrebt“, betont der Minister für Energiewende, Jan Philipp Albrecht (Grüne), in einem Schreiben an die betroffenen Kreise und Gemeinden.

„Dies hat im wesentlichen zwei Gründe“, sagt Tennet-Geschäftsführer Tim Meyerjürgens. Zum einen gelte es, erstmals ein Teilerdverkabelungs-Pilotvorhaben in Drehstromtechnologie auf dem Abschnitt Segeberg-Lübeck zu realisieren. Dafür würden die gesetzlichen Rahmenbedingungen hohe Anforderungen an die Planung stellen.

Zum anderen fordere die jüngste Rechtsprechung eine deutlich genauere Betrachtung des Korridors der Ostküstenleitung im Bereich von Wohnumfeldern, was in den Planfeststellungsunterlagen berücksichtigt werden müsse.

Kreis fordert weiter eine Erdverkabelung

„Die Mitteilung der Verschiebung wirkt sich insofern auf den Kreis Ostholstein aus, als sich die Inbetriebnahme des Abschnitts Lübeck-Göhl dadurch zeitlich deutlich verzögert“, erklärt die Sprecherin des Kreises Ostholstein, Carina Leonhardt. Der Kreis halte den Bau der Leitung aber nach wie vor für erforderlich und unterstütze das Vorhaben. Allerdings bleibe der Kreis bei seiner Forderung, die im vergangenen Jahr angeregte Erdverkabelung weiterhin in die Planung aufzunehmen und umzusetzen.

„Dabei handelt es sich auch nicht um ein Pilotprojekt, wie es bei dem Abschnitt Segeberg–Lübeck der Fall ist, sondern um einen konventionellen, schon häufig angewandten Ausbau. Dieser ist möglich, da aus Ostholstein weniger Strom abgeleitet werden muss, als auf dem Abschnitt Segeberg-Lübeck“, erläutert Leonhardt weiter.

Die Antragsunterlagen für Segeberg-Lübeck sollen voraussichtlich Anfang 2020, für Lübeck-Göhl sogar erst im zweiten Quartal 2021 bei der Genehmigungsbehörde eingereicht, von dieser geprüft und anschließend öffentlich ausgelegt werden.

Die Ostküstenleitung

Die Ostküstenleitung von Vorhabenträger Tennet ist in drei Abschnitten geplant: Kreis Segeberg-Lübeck (55 Kilometer), Göhl-Lübeck (65 Kilometer) und Lübeck-Siems (12 Kilometer).

Lübeck steht dabei für ein neues 380-kV-Umspannwerk in Pohnsdorf in der Gemeinde Stockelsdorf. Tennet beabsichtigt es, in unmittelbarer Nähe des bereits bestehenden Umspannwerks zu errichten.

Das Umspannwerk im Raum Göhl stellt den nördlichen Abschluss der rund 130 Kilometer langen Ostküstenleitung dar. Auch dieses soll neu errichtet werden und in Reichweite zur künftigen Schienenanbindung der festen Fehmarnbeltquerung liegen.

Im Bereich Lübeck-Göhl wurde die technische Planung eingefroren. Die Einreichung der Unterlagen zur Planfeststellung beim Amt für Planfeststellung (AfPE) in Kiel ist für Frühjahr 2021 geplant, die Inbetriebnahme der Leitung 2027.

Im Abschnitt Lübeck-Siems soll Ende 2020 der Antrag auf Planfeststellung eingereicht werden, die Inbetriebnahme ist für 2026 vorgesehen. Das bereits bestehende Umspannwerk Siems bildet den Endpunkt der Ostküstenleitung.

Der Bereich Kreis Segeberg-Lübeck soll 2025 als erstes fertiggestellt sein. Der Antrag auf Planfeststellung soll im ersten Halbjahr 2020 erfolgen. Infos gibt es unter www.tennet.eu.

So käme es zu einem Planfeststellungsbeschluss für die Trasse durch Ostholstein im Jahr 2024, drei Jahre später könnte sie fertiggestellt sein. Nach der ursprünglichen Realisierungsvereinbarung sei dies dann sogar fünf Jahre später, betont Holger Diedrich von der BUG (Gemeinde Riepsdorf), da in den Dialogveranstaltungen aber auch bei den Terminen zur Windkraft-Regionalplanung immer wieder 2022 als Ziel ausgegeben wurde. Diedrich ist scharfer Kritiker der Höchstspannungsfreileitung. Seiner Meinung nach geht es am tatsächlichen Bedarf vorbei.

Weitere Klagen gegen die Trasse erwartet

Von einer Erdkabelvariante in Ostholstein sei bei Tennet und beim Minister aber weiterhin keine Rede, sagt Diedrich. Es sei sicherlich damit zu rechnen, dass gegen die Freileitung juristisch vorgegangen werde. Für die zweite im Kreis geplante Freileitungstrasse als Teil der Ostküstenleitung von Pohnsdorf bis Siems ist dies bereits der Fall. Seit einem halben Jahr liegt die Klage vom Bündnis „Achtung – 380kV“, dem Umweltschutzverein Sereetz und dem BUND-Landesverband Schleswig-Holstein gegen den Netzentwicklungsplan der Bundesnetzagentur auf dem Tisch des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster.

„Es gibt noch keinen neuen Sachstand. Wir erwarten erste Reaktionen vom Gericht in der zweiten Jahreshälfte, sagt Ellen Brümmer, ehemalige Stadtverordnete von Bad Schwartau und Bündnismitglied. Sie und ihre Mitstreiter sehen in der Trasse einen schweren Eingriff in die Natur und eine Gefahr für die Menschen.

Grundsätzlich gebe es keinen Grund für eine altmodische Freileitung in dem Abschnitt, um eine dort schon bestehende Erdverkabelung zu ersetzen. Der Bau diene hier auch nicht dem Abtransport von Leistung aus Windkraftanlagen im Norden Ostholsteins, sondern ausschließlich dem Stromhandel mit Schweden über ein in der Ostsee verlaufendes Seekabel.

„Von einem Grünen-Politiker hätte ich erwartet, dass er sich anders mit der Thematik auseinandersetzt“, sagt Brümmer. Dass die Planungen im besonderen Fokus der Öffentlichkeit stehen, weiß auch Tennet-Geschäftsführer Meyerjürgens und verdeutlicht: „Wir werden den Dialog vor Ort weiterhin intensiv fortführen und die Menschen in der Region selbstverständlich über etwaige Anpassungen der Routenführung rechtzeitig informieren und Fragen beantworten.“ Was das aber für Ostholstein bedeutet, bleibt weiter offen.

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Markus Billhardt

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