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Ostholstein So lassen Hunde Giftköder links liegen
Lokales Ostholstein So lassen Hunde Giftköder links liegen
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12:52 01.07.2019
„Gerda“ soll lernen, die Kaustange, die Katrin Meier festhält, auf Kommando loszulassen. Dafür gibt es zur Belohnung eine andere Leckerei. Quelle: Ulrike Benthien
Süsel

Es ist ein Instinkt: „Nimm es, solange was da ist.“ Deshalb schlucken und verschlingen Hunde fast alles, was ihnen unter die Nase gerät – obwohl sie ausreichend gefüttert werden. „Das ist genetisch bedingt. Sie wissen ja nicht, dass sie zuverlässig etwas bekommen“, sagt Karin Schwartz (53), Ausbildungswart bei der Hundesportgemeinschaft (HSG) Süsel. Ein Schreckensszenario für jeden Hundebesitzer ist jedoch, dass sein Liebling beim Spazierengehen einen Giftköder fressen könnte. Dass der Hund nicht alles aufnehme, könne man aber trainieren, sagt Karin Schwartz. Deshalb bietet ihr Verein Anti-Giftköder-Workshops an.

Immer wieder kommt es in Ostholstein zu Zwischenfällen mit Giftködern. Großes Aufsehen hatten zuletzt zwei Fälle in Heiligenhafen und Lensahn erregt, bei denen Hunde vergiftete und mit Rasierklingen bestückte Köder geschluckt hatten. Offizielle Zahlen zu Giftköderfunden im Kreis gibt es nicht, da die Polizei keine entsprechende Statistik führt. In den sozialen Medien warnen Nutzer regelmäßig andere Halter vor möglichen Giftköderfunden. In Gruppen wie Giftköder-Radar Lübeck oder Giftköderwarnung Lübeck und weitere Umgebung finden sich auch Posts aus Ostholstein.

Große Nachfrage nach Workshops

Entsprechend groß ist die Nachfrage beim mittlerweile dritten Workshop auf der Anlage der HSG am Bujendorfer Weg in Süsel. Acht Frauen nehmen mit ihren Hunden teil. Marietta Herzog sagt über „Rudi“, ihren bulgarischen Straßenhund: „Ich muss höllisch aufpassen. Er nimmt alles auf, was er auf der Straße entdeckt. Am Strand ist er ganz verrückt auf Fischgräten.“ Auch Aenne Wallawitsch berichtet, dass ihre Schäferhündin „Aska“ keine Kostverächterin sei. Und Marina Heisinger erzählt über Labradorhündin „Tara“, dass sie alles, was sie finde, möglichst schnell herunterschlinge.

„Das Antigiftköder-Training ist ein längerer Prozess“, macht ihnen Karin Schwartz klar. „Man kann aber schon eine Menge erreichen, wenn man den Hund im Auge hat. Man sieht ihm an, wenn er Witterung aufnimmt.“ Die 53-Jährige betreibt seit rund 20 Jahren Hundesport. Zunächst habe man die Antigiftköderworkshops vereinsintern angeboten, berichtet ihr Mann Olaf Schwartz, der Vorsitzender der HSG Süsel ist. Aufgrund des großen Interesses hat der Verein öffentliche Trainingstage angeboten. „Wir haben eine Warteliste. Voraussichtlich im Oktober wird es einen weiteren Workshop geben“, kündigt Olaf Schwartz an. Interessierte können sich per E-Mail an basis@hsg-suesel.de anmelden.

Eine Leckerei gegen die andere eintauschen

Karin Schwartz lässt ihre Teams aufeinander aufbauende Lektionen durchspielen. Grundübung: Die Hunde dürfen auf einer „langweiligen“ Kaustange herumbeißen, die ihre Besitzerinnen festhalten. Auf das Kommando „Aus“ hin sollen die Tiere loslassen – dafür gibt es zur Belohnung ein besseres Leckerli. „Wir wollen ihnen Dinge beibringen, und die Hunde sollen sie mit einem guten Gefühl verbinden. Dabei müsst ihr sie positiv bestätigen: ,Wenn du das liegen lässt, kriegst du was Besseres’“, sagt die Ausbilderin.

Auf die erste Lektion, etwas freizugeben, folgen Übungen, wie „Lass-es-liegen“. Trainiert wird auch das Stoppen vor dem Futter und die Übung „Nur gucken, nicht fressen“. „Unser Ziel ist, dass wenn ein Hund beim Spaziergang ein Stück Pizza im Knick findet, er daneben sitzen bleibt und wartet, ob Herrchen oder Frauchen die Freigabe zum Fressen erteilt“, schildert Karin Schwartz. Hunde sollten auch von Fremden, nicht einmal vom Nachbarn etwas annehmen, es sei denn, ihr Besitzer gebe ihnen das Okay.

Maulkorbtraining mit Leberwurst

Fortgeschrittene Übungen, die die HSG in einer kleinen Broschüre zusammengetragen hat, sind das Maulkorbtraining und das „Maul auf“-Training. „In Bus und Bahn ist es vielfach Pflicht, dass Hunde einen Maulkorb tragen“, sagt Karin Schwartz, „deshalb ist es gut, ihn spielerisch daran zu gewöhnen. Dazu wird der Maulkorb beispielsweise mit Leberwurst präpariert und nach und nach geübt, erst die Nase hineinzustecken, dann kurz die Schnalle zu schließen und den Korb dann immer für immer längere Phasen zu tragen.“

Hunde sollen nicht fressen, was ihnen unter die Nase kommt. Sich erst beim Frauchen rückzuversichern, ob sie ein „Fundstück“ fressen dürfen ist nicht leicht, kann aber trainiert werden.

Noch wichtiger ist das „Maul auf“-Training: „Für den Fall, dass der Hund etwas Unbekanntes, womöglich Gefährliches aufgenommen hat“, sagt Karin Schwartz. Dazu müssen die Hundebesitzer ihr Tier schrittweise daran gewöhnen, dass sie sie erst an der Schnauze, dann an Zahnfleisch, Zähnen und Zunge berühren und schließlich den Kiefer sanft öffnen dürfen. „Das ist auch eine gute Vorbereitung für den Check beim Tierarzt, sagt Karin Schwartz.

Das rät der Tierarzt

Ein präparierter Köder, den der Hund verschlungen hat, bedeutet oberste Alarmstufe. „Am besten so schnell wie möglich zum Tierarzt fahren und so viele Infos über die Substanz wie möglich mitbringen“, rät Veterinär Dr. Guido Spitz aus Eutin.

Mit scharfen Gegenständen versehene Köder, beispielsweise in Wurst oder Hackbällchen versteckte Klingen, Nägel oder Angelhaken, die ein Hund unbemerkt verschluckt hat, könne der Besitzer möglicherweise noch erkennen: „Das Tier schreit eventuell auf oder blutet aus dem Maul“, sagt Guido Spitz. Der Besitzer solle aber nicht versuchen, den Hund zum Erbrechen zu bringen. „Die Gegenstände verursachen auf dem Weg nach unten Verletzungen und würden erneut welche auf dem Weg nach oben hervorrufen.“

Aufgelecktes Schneckenkorn oder unsachgemäß ausgelegtes Rattengift, das der Hund gefressen hat, sind für den Besitzer schwieriger zu identifizieren. „Beim Schneckenkorn führen schon geringe Mengen schnell zu schweren Vergiftungen. Rattengift dagegen kann eine bis zu fünf Tage verzögerte Wirkung haben“, erklärt der Tiermediziner.

Symptome für eine Vergiftung seien Unruhe, Apathie, Kreislaufprobleme, veränderte Temperatur, erweiterte Pupillen, weißes Zahnfleisch, blutiger Auswurf, blutiger Urin, blutiger Durchfall und Krampfanfälle. „Die Reihenfolge der Symptome ist für einen Tierarzt wichtig. Hundebesitzer sollten, wenn möglich, auch Beweise sichern: Kot oder Auswurf in einem Beutel oder gegebenenfalls die Schneckenkornpackung mitbringen. Dann kann man gezielt behandeln und muss nicht lange herumrätseln“, sagt Guido Spitz.

Was einige der Workshop-Teilnehmerinnen nicht wussten: „Auch im Haushalt gibt es viele Dinge, die für Hunde giftig sind – beispielsweise Aspirin, Paracetamol und Ibuprofen. Macadamia-Nüsse können für Hunde tödlich sein. Viele Gartenpflanzen verursachen bei ihnen Durchfall und Erbrechen“, warnt Karin Schwartz. Sie rät, vorsorglich Kohletabletten im Haus zu haben: „Sie binden Giftstoffe im Darm, so kann die Giftwirkung vermindert werden.“

Ihr wichtigster Tipp: Man sollte die Konstitution seines Hundes kennen, sein normales Aussehen, Verhalten, seine Temperatur, den Puls, auch das Aussehen seiner Schleimhäute. „Bei gravierenden Abweichungen ist schnell klar, dass etwas nicht in Ordnung ist. Und dann sollte man lieber einmal mehr als zu wenig zum Tierarzt fahren.“

Ulrike Benthien

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