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Ostholstein Sundbrücke: Roboter sind dem Rost auf der Spur
Lokales Ostholstein Sundbrücke: Roboter sind dem Rost auf der Spur
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19:54 13.09.2019
Adam Rosin (l.) und Robert Tertin bereiten den Mal-Roboter – auch „Painter“ genannt – für seine Arbeit in luftiger Höhe über dem Fehmarnsund vor. Quelle: 54° / John Garve
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Fehmarn

An Abenden wie diesen, wenn im Westen die Sonne mit einem Farbenspektakel untergeht und fast gleichzeitig im Osten der Mond aufsteigt, dann sind die Männer oben auf der Fehmarnsundbrücke durchaus um ihren Arbeitsplatz zu beneiden. Was für ein prächtiger Ausblick in 30 Meter Höhe. Aber die Zeit zum Genießen ist knapp: Das Team rund um Prof. Dr. Andreas Boué ist mit seinen Robotern dem Rost an 72 Tragseilen auf der Spur.

„Eigentlich sind es ja genau 80 Tragseile. Die übrigen acht werden im kommenden Jahr aber sowieso ausgetauscht – da muss das Team nicht mehr ran“, erklärt die Projektleiterin der Bahn, Grit Kossiedowski. Sie hat ihre Büros zwar in Neumünster und Kiel, ist aber oft oben auf der Sundbrücke.

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Die Bahn macht die Fehmarnsundbrücke fit für die Zukunft

„Es ist eine Instandhaltung mit modernster Technologie“, erklärt Grit Kossiedowski das Prozedere: Selbstfahrende Roboter kommen in den nächsten Wochen hoch über dem Sund zum Einsatz. Sie tasten die Stahlseile ab, erkennen Schwachstellen mit Rost, bearbeiten diese, tragen dann auch gleich Korrosionsschutz auf und versiegeln die armdicken Trossen – alles in einem Arbeitsgang.

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Das Verfahren hat Boué entwickelt. Er ist nicht nur Chef der Korrosionsschutz-Firma Mavis aus Aachen, sondern auch Professor für Bauphysik, Spezialist für Brückensanierungen im In- und Ausland sowie IHK-Sachverständiger. Ein richtiger „Macher“, einer dieser Firmenchefs, die lieber noch selbst vor Ort sind und anpacken als zu Hause am Schreibtisch zu sitzen.

System in Norwegen und Kalifornien eingesetzt

 „Mit dieser Roboter-Methode haben wir bereits in Hannover, Ludwigshafen und Düsseldorf die Tragseilbrücken wieder ertüchtigt und fit für die Zukunft gemacht“, sagt der 62-Jährige. Auch in Norwegen und in Kalifornien sei sein Roboter-System erfolgreich eingesetzt worden.

Als die Sonne dann doch hinterm Horizont verschwunden ist, wird es schnell dunkel und kälter. Scheinwerfer, mit Stromgeneratoren betrieben, erleuchten jetzt die Baustelle auf der Sundbrücke. „Für die in zwei Blöcken geplante Maßnahme wird in den Nachtstunden eine halbseitige Sperrung mit Ampelschaltung vorgenommen“, erläutert Bahnsprecher Peter Mantik.

Korrosionsschutz-Maßnahme kostet 80 000 Euro

Betroffen war bereits der Zeitraum vom 9. bis 12. September, demnächst geht es vom 21. bis 25. Oktober weiter – jeweils von 20 bis 5 Uhr. Für die Tagarbeiten werde die Verkehrsführung bis zum 27. September über Behelfsstreifen abgewickelt. „Sollten die Verkehrsströme am Tage allerdings zu hoch sein, werden die Arbeiten zeitlich verlegt“, kündigt Mantik an.

Die Kosten für die aktuelle Korrosionsschutz-Maßnahme liegen bei 80 000 Euro. „Das Austauschen der Tragseile ab 2020 ist im Vergleich dazu die wesentlich aufwendigere und auch spektakulärere Maßnahme“, erklärt Projektleiterin Grit Kossiedowski. Dann würden rund 100 000 Euro auf der Kostenseite stehen – pro Seil.

20 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren

Außerdem sind diese Maßnahmen geplant: Die Betonpfeiler, die Fahrbahnübergänge und die Schrammborde (Leitplanken) werden instand gesetzt. Besonders aufwendig: der Korrosionsschutz der kompletten Brücke. Die Bahn rechnet hierfür laut Mantik mit einem Kostenvolumen von 20 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren.

Doch trotz aller optischen und technischen Bemühungen: „Die Sundbrücke, 1963 fertiggestellt, wird den Verkehr der Zukunft, vor allem die Güterzüge, nicht tragen können“, sagt Mantik. Ein aktuelles Gutachten, das auch dem Bundesrechnungshof vorliege besage, dass die statische Tragfähigkeit der Brücke für die zu erwartenden Eisenbahn- und Straßenverkehre nicht ausreichen werde.

Der Fahrplan für die kommenden Monate

Über den Stand der Planungen für eine neue und auf lange Sicht tragfähige Fehmarnsundquerung informiert die Deutsche Bahn die Kommunalpolitiker aus Fehmarn und Großenbrode am Mittwoch, 25. September, in nicht-öffentlicher Sitzung in Burg.

Anschließend soll die Öffentlichkeitüber das weitere Vorgehen informiert und eingebunden werden. Es besteht dann laut Bahnsprecher Peter Mantik die Möglichkeit, sich über die 230 Kriterien und deren Gewichtung im Zuge des Variantenentscheids auszutauschen. Dieser öffentliche Termin befindet sich aber noch in Abstimmung. Ort ist wahrscheinlich die Mensa der Inselschule.

Ende Oktober sollen dann die Hauptvarianten vorgestellt werden.

Bis Ende des Jahres soll die Vorzugsvariante einer neuen Querung am Sund feststehen.

Deshalb gibt es Planungen für eine neue Querung am Sund, die die Bahn den Kommunalpolitikern aus Fehmarn und Großenbrode am 25. September in Burg vorstellen will (siehe oben). Anschließend soll auch die Öffentlichkeit eingebunden werden. Ende Oktober sollen dann die Hauptvarianten vorgestellt werden und bis Ende des Jahres die Vorzugsvariante einer neuen Querung am Sund feststehen.

Von Louis Gäbler

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