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Ostholstein Die Charchulla-Zwillinge werden 80
Lokales Ostholstein Die Charchulla-Zwillinge werden 80
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17:09 29.01.2019
Manfred (l.) und Jürgen Charchulla, die Surf-Twins von Fehmarn. Quelle: Christian Irrgang
Fehmarn.

In Rente zu gehen, kommt für sie nicht infrage. Das haben sie vor einem knappen halben Jahr sogar quietschvergnügt der deutschen Öffentlichkeit in einem Stern-Interview verkündet. Die große Illustrierte widmete den Surf-Zwillingen damals ein ganzseitiges Farbfoto und eine Seite Text. Da waren Manfred und Jürgen Charchulla noch 79 Jahre alt. Schon damals kaum zu glauben. Aber am Mittwoch, 30. Januar, feiern sie nun ihren 80. Geburtstag – immer noch voller Tatendrang, verrückter Ideen und Zukunftspläne. Dazu gehört auch ihr alter Traum, auf Fehmarn dauerhaft ein Surfmuseum einzurichten, mit dem sich die beiden Originale nebenbei ein bleibendes Denkmal errichten würden.

Bunte Klamotten, karibische Musik

Verändert haben sich die beiden zum Verwechseln ähnlich aussehenden Seebären mit ihren Rauschebärten und dem wallenden Haupthaar in den zurückliegenden Jahrzehnten eigentlich kaum, so empfinden es zumindest die Fehmaraner. Geblieben ist auch ihre Vorliebe für grellbunte originelle Kleidung, die sie trotz ihres hohen Alters fast ausschließlich immer noch in doppelter Ausführung kaufen und dann meistens zugleich tragen. Besonders freilich bei Auftritten mit ihrer Steelband „Surftwins Charchulla“, bei der die Zwillinge nach karibischem Vorbild auf ausgeglühten Ölfässern spielen, die sie selbst angefertigt haben.

Musik, Museum und natürlich Surfen: Die Zwillinge haben viele Leidenschaften.

Mehrere CDs haben sie schon aufgenommen, als besonderen Gag intonieren sie auf einem Tonträger sogar den Radetzki-Marsch. Auch in Talkshows sind sie gern gesehene Gäste, sind sie doch nicht auf den Mund gefallen und werfen sich im Gespräch gekonnt die Bälle zu, um möglichst keine Pointe auszulassen. Und es gibt kaum einen Film über die Insel Fehmarn, in dem die Charchullas nicht zu sehen sind.

Überwintern in Panama

1975 sind sie auf der Ostseeinsel sesshaft geworden und betreiben in Burgtiefe am Burger Binnensee eine Kite- und Windsurfschule. Jürgen Charchulla zieht sommertags mit seinen Brettern auch zum Unterrichten der Urlauber über die Campingplätze. Auf die Insel gekommen sind die Zwillingsbrüder mit einem alten ausgedienten Krankenwagen und ein paar Zelten, die sie in Burgtiefe aufschlugen. Längst haben sie eine feste Unterkunft gebaut, die sich in Buntheit und Originalität von der eher nüchternen Bebauung der Nachbarschaft abhebt. In dem Gebäude am Burger Binnensee ist außerdem eine Boutique mit Surfzubehör und -kleidung untergebracht, dazu die „Karibik-Bar“, in der im Sommer heiße Feten mit Livemusik starten, bei denen Manfred zu später Stunde auch gern mal zu seiner selbstgebauten „Chinesischen Geige“ greift und mitmischt. Ukulele, Gitarre und Ziehharmonika sind neben den Steeldrums Instrumente, mit denen die beiden aufgewachsen sind.

Wie es sich für zwei Weltenbummler gehört, feiern die Charchullas mit ihren langjährigen Lebengefährtinnen und Manfreds Sohn Marco ihren Geburtstag im wärmeren Panama, wo es sie seit vielen Jahren hinzieht, wenn in unseren Breiten die kalte Jahreszeit herrscht. Früher war ihr Überwinterungsdomizil eine kleine Insel vor Venezuela, „das Land ist uns aber inzwischen politisch und wirtschaftlich zu unsicher geworden“, berichteten die beiden. Vor ein paar Jahren haben sie sich daher für die kleine Ortschaft Bocas in Panama entschieden, wo Jürgen Charchulla etwas abseits der touristischen Zentren am Strand ein Häuschen erworben hat.

Von Ostpreußen auf die Sonneninsel

Meer und Wind waren schon immer die beherrschenden Elemente für die Zwillinge. 1939 in Kahlberg/Ostpreußen geboren, wuchsen sie an der Ostsee auf der Frischen Nehrung auf. Ende des zweiten Weltkrieges mussten sie wie Millionen Menschen über die zugefrorene Ostsee nach Westen fliehen und landeten zunächst mit ihren Eltern in Verden an der Aller. Am liebsten spielten sie als Jungen Indianer oder Seeräuber und schnell wurde in ihnen das Fernweh geweckt. Als 14-Jährige musterten sie dann in Bremen auf einem Dampfer an, mit dem sie unter anderem die Karibik, Australien und Amerika bereisten – etwa 15 Jahre lang.

Das Gleiten im Wind auf einem Brett übers Wasser, Anfang der 70er Jahre noch in den Kinderschuhen, übte auf die beiden Seebären eine besondere Faszination aus. Zunächst auf Surfbrettern Marke Eigenbau wagten sich die beiden in die Fluten, wobei auch eine Reihe kurioser und origineller Rekorde aufgestellt wurde. Am 25. Mai 1975 überquerten die Charchullas als Erste auf einem Tandembrett den Ärmelkanal. In 14 Stunden surften sie 1977 ohne Beiboot mit dem Tandembrett von Hanstholm/Dänemark nach Mandal/Norwegen durch den Skagerrak. Und erst 2010 als bereits 72-Jährige überquerten sie auf einem XXL-Brett zusammen mit sechs weiteren Sportlern den Fehmarnbelt. „Dabei hätten wir beinahe die Fähre überholt“, berichtete Manfred Charchulla hinterher.

Der Schutz der Meere, insbesondere auch vor Verschmutzung durch Plastikmüll, ist im Alter eines der wichtigsten Anliegen von Manfred und Jürgen Charchulla. „Schließlich haben Wasser und Wind uns ein Leben lang ernährt“, sagen die beiden dankbar zurückblickend.

Michael Kirchner

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