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Ostholstein TSV spielt seit Jahren auf einem Acker
Lokales Ostholstein TSV spielt seit Jahren auf einem Acker
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22:10 06.11.2017
Süsel

Mit einem Schreiben vom 4. Oktober wurden die Beziehungen zwischen Verein und Gemeinde beendet, für die Gemeindevertretersitzung am 14. Dezember und auch den Neujahrsempfang am 21. Januar 2018 steht das Vereinsheim nicht wie geplant zur Verfügung: „Die Gemeinde hat hier Betretungsverbot“, lautet die unmissverständliche Aussage.

Seit zehn Jahren schwelt die Diskussion um eine Rundummaßnahme für den Süseler Sportplatz: Erhard Nawotke (Fußballobmann des TSV), der Vorsitzende Holger Böttcher und der Leiter der Footballsparte Dr. Jan Andresen (v. l.) sehen bei großen Teilen der Süseler Politik keine Bereitschaft zur Förderung des Sports. Quelle: Fotos: Astrid Jabs
Auf den ersten Blick ist es nicht zu erkennen, aber dies war einmal die Laufbahn samt Weitsprunggrube.

Etwas mehr als einen Monat liegt es zurück, dass der Vorsitzende des TSV Süsel, Holger Böttcher, der Gemeinde Süsel die Zusammenarbeit aufkündigte: Das Tischtuch sei zerschnitten, so Böttcher auf der letzten Sitzung der Gemeindevertretung. Hintergrund war der Stillstand in Sachen Sportplatzsanierung: „2018 sollte gebaut werden, passiert ist nichts und ich gehe auch nicht davon aus, dass etwas passieren wird“, erklärte Böttcher damals seinen Unmut.

Die Entwicklung bis zum Zerwürfnis hat Böttcher sorgfältig chronologisch dokumentiert. Danach war die Notwendigkeit einer Sportplatzsanierung bereits 2007 Thema in den Gremien: „Dass das in zehn Jahren nicht besser wird, ist klar“, berichtet der Vorsitzende. Seit drei Jahren habe der Vorstand intensiv daran mitgewirkt, eine Lösung zu finden, habe auf Sitzungen Präsenz gezeigt und auch eine Gesprächsrunde mit einem erfahrenen Lübecker Verwaltungsfachmann initiiert. Hinter der Forderung nach einem Naturrasengroßspielfeld, einem Kunstrasenkleinfeld und einer Leichtathletikbahn mit Sprunggrube stehe auch die Leiterin der anliegenden Grundschule, Swantje Popp-Dreyer. Bei rund 400 000 Euro lägen die geschätzten Kosten, eine Förderung, das hätten Nachfragen beim Innenministerium ergeben, sei möglich. Entsprechende politische Beschlüsse blieben indes aus: „Ich habe den Eindruck, dass der überwiegende Teil der Politik kein Interesse an der Förderung des Sportes in Süsel hat“, meint Erhard Nawotke. Der Fußballobmann wird aufgrund der Bedingungen sein Amt zum 31. Januar niederlegen.

Höchste Priorität für den Platz

Im Sportentwicklungsplan, den die Gemeinde im April dieses Jahres bei der Kieler Christian-Albrechts-Universität in Auftrag gegeben hat, kommen die Autoren um Professor Dr. Jens Flatau zu dem Schluss, die Erneuerung des Großplatzes habe die höchste Priorität. Gleiches gelte für den Rückbau der Leichtathletikanlage. Für beide Maßnahmen zusammen werden Kosten in Höhe von 350000 Euro veranschlagt. Die Einrichtung einer neuen Leichtathletikbahn für den Schulsport, den Aufbau einer Leichtathletiksparte oder die Abnahme des Sportabzeichens werden von den Wissenschaftlern mit dem Hinweis auf zu hohe Kosten als nicht sinnvoll bewertet. Zudem, so heißt es im Gutachten, gebe es in Eutin entsprechende Anlagen. Ein Punkt des Papiers gilt übrigens der „Gewinnung und Bindung von Mitgliedern“ – die Qualität der Sportstätten ist dabei nicht angeführt.

Von Astrid Jabs