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Ostholstein Tag der Küstenwache: Wo Landratten zu Kapitänen werden
Lokales Ostholstein Tag der Küstenwache: Wo Landratten zu Kapitänen werden
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18:42 13.07.2019
Ist das der Beginn einer Karriere bei der Bundespolizei See? Der dreijährige Joris nimmt am Tag der Küstenwache in Neustadt auf dem „Chefsessel“ auf der Brücke der „Bayreuth“ Platz. Quelle: Sabine Latzel
Neustadt

Schiffe gucken: Das macht immer Spaß – aber wenn es dann noch die der Bundespolizei, des Zolls und der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sind, ist die Besichtigung besonders spannend. Das wissen auch die zahlreichen Besucher des Neustädter Hafens zu schätzen, die sich bei den „Tagen der Küstenwache“ von den Beamten sowie den haupt- und ehrenamtlichen Bootsführern nur zu gerne beim „Open Ship“ an Bord bitten lassen. Ein buntes Programm und ein gnädiger Wettergott rundeten das Ganze am Sonnabend ab, und so soll es am Sonntag noch einmal werden.

An Bord des Seenotkreuzers „Hans Hackmack

Die Geschichten von den dramatischen Einsätzen sind am interessantesten, und auf dem 23 Meter langen Seenotkreuzer „Hans Hackmack“ der DGzRS erzählen die hauptamtlichen Berufsseeleute den Gästen gerne einige Anekdoten. Wie die von den beiden Seglern, die in der Lübecker Bucht kenterten und sich viereinhalb Stunden an ihr Boot klammerten, wobei der eine lediglich eine Badehose trug. „Glück gehabt“, lautet das Fazit an Bord – auch, weil die „Hans Hackmack“ eben doch noch rechtzeitig am Ort des Seenotfalls eintraf (mehr dazu lesen Sie hier).

Nebenan, auf dem gut zehn Meter langen Seenotrettungsboot „Henrich Wuppesahl“, stellen die freiwilligen Einsatzkräfte ihre Arbeit vor. 30 bis 50 Einsätze fahren sie im Jahr, schätzt Wachleiter Sven Wittko, retten abgetriebene Surfer, befreien auf Grund gelaufene Jachten, suchen Vermisste in der Ostsee oder stehen als Begleitfahrzeug bereit wie beispielsweise am Dienstagabend, als es vor Travemünde im Maschinenraum der Fähre „Peter Pan“ brannte.

Wer das „Open Ship“ bei den Tagen der Küstenwache in Neustadt voll auskostet, ist über Stunden beschäftigt. Auf den Schiffen von Bundespolizei, Zoll und DGzRS gibt es viel zu sehen.

„Das Boot ist ausgerüstet wie ein Rettungswagen“, erklärt Wittko die Funktionsweise der „Henrich Wuppesahl“. Es gibt einen Patientenraum samt Rettungstragen, die Besatzung ist in Erster Hilfe geschult, und häufig fahren Rettungssanitäter und -assistenten sowie in einigen Fällen auch ein Arzt mit. Das haben viele Besucher nicht gewusst, und auch nicht, dass sich die DGzRS ausschließlich über Spenden und freiwillige Zuwendungen finanziert.

Liebstes Foto-Motiv: der „Chefsessel“ auf der „Bayreuth

Das größte Schiff bei den Tagen der Küstenwache – und erneut ein Besuchermagnet – ist die „Bayreuth“, das 66 Meter lange Patrouillenboot der Bundespolizei. Von der Brücke aus ist der Ausblick aus etwa zwölf Metern Höhe zu empfehlen – sowie die Möglichkeit, sich im „Chefsessel“, dem Platz des Kapitäns, vor einem gigantischen Pult voller Knöpfe und Schalter fotografieren zu lassen. Der dreijährige Joris nutzt die Gelegenheit und gibt mit weißer Kapitänsmütze Anlass für die schönsten Nachwuchs-Hoffnungen. Technik-Fans freuen sich zudem über einen Besuch im Maschinenraum, wo sie einen Blick auf den 7000-PS-Dieselmotor werfen können. 21 Knoten schafft die „Bayreuth“, also knapp 39 km/h.

Das müssen natürlich nur die „Landratten“ umrechnen, wie die Besucher von einigen Seeleuten augenzwinkernd genannt werden – aber gerade für die sind diese Tage ja gedacht. Sowie auch zur Nachwuchsgewinnung, am Kai präsentieren sich Bundespolizei und Zoll offensiv und aufgeschlossen denjenigen, die noch auf der Suche nach einem sinnvollen Beruf sind. Glaubt der Zuhörer den Aussagen auf dem nagelneuen Einsatzschiff „Gelting“, das normalerweise auf der Flensburger Förde unterwegs ist, gibt es jedenfalls nichts Besseres als die Arbeit auf diesem Zollboot: „Das schönste Schiff, das schönste Revier, die schönsten Beamten.“

THW, Feuerwehr und DRK sind ebenfalls vor Ort

„Open Ship“ bieten im Neustädter Hafen außerdem das Küstenstreifenboot „Rhön 2“, der Zollkreuzer „Schleswig-Holstein“ sowie die bekannte „Lisa von Lübeck“, der Nachbau einer Kraweel aus dem 15. Jahrhundert. Für Aufklärung und Abwechslung sorgen zudem die Aktiven vom Technischen Hilfswerk (THW), der Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sowie ein Motorrad-Karussell, Vorführungen auf dem Wasser und Live-Musik. „Ein schönes Leben“, bilanziert eine Besucherin mit Blick auf die Schiffe, „wenn es die Wellen nicht gäbe.“ Aber ohne diese wär’s doch auch langweilig, oder?

Das Programm für Sonntag

Auch am Sonntag, 14. Juli, sind alle Interessierten zum zweiten „Tag der Küstenwache“ in den Neustädter Hafen geladen.

„Open Ship“ wird dann wieder von 10 Uhr an geboten. Um 11 Uhr öffnen die Stände mit Speis und Trank, und ebenfalls um 11 Uhr spielt das Bundespolizei-Orchester.

Die Hundestaffel des Zolls soll um 13 Uhr live im Einsatz sein. Um 14.45 Uhr wird eine Wasser-Rettungsaktion präsentiert, und um 15.30 Uhr spielt die „Combo Zolla“, die Zollkapelle Berlin.

Den Abschluss der Küstenwachen-Tage bildet um 18 Uhr das Auslaufen des Küstenwachen-Konvois aus dem Neustädter Hafen.

Sabine Latzel

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