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Ostholstein Tag des offenen Denkmals: Drei Kirchen und eine Kate zeigen ihre Schätze
Lokales Ostholstein Tag des offenen Denkmals: Drei Kirchen und eine Kate zeigen ihre Schätze
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10:08 06.09.2019
Ute Kirschmann vom Verein Wilhelm-Wisser-Kate-Braak vor dem 1812 errichteten Fachwerkbau. 1984 wurde die Kate unter Denkmalschutz gestellt. Quelle: Ulrike Benthien
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Ostholstein

Der Sohn des Schuhmachermeisters hat es weit gebracht. Heinrich Wilhelm Wisser, geboren 1843 in Klenzau (gestorben 1935 in Oldenburg), besuchte das Großherzogliche Gymnasium in Eutin und studierte in Kiel und Leipzig Alte Sprachen und Germanistik. Er wurde Gymnasialprofessor und Mundartforscher. Großgezogen wurde er von seiner Großmutter in Braak in der Kate, die heute seinen Namen trägt. Am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, kann sie besichtigt werden. Die Veranstaltung findet bundesweit statt, sie wird koordiniert von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und steht unter dem Motto „Modern(e) – Umbrüche in Kunst und Architektur“.

Vereinsgründung zur Rettung der Kate

„Die Kate ist ein Kulturdenkmal dank Wilhelm Wisser geworden“, sagt Ute Kirschmann, Beisitzerin im Verein Wilhelm-Wisser-Kate-Braak. Er wurde 1986 von 23 Einwohnern Braaks und Menschen aus der Umgebung gegründet, einzig mit dem Ziel, das marode Gebäude vor dem Verfall zu bewahren. „Es war Rettung in letzter Minute“, sagt Ute Kirschmann. Von 1988 bis 1990 wurde saniert, wobei das ganze Dorf mit anpackte. Zum Teil musste die Kate bis auf die Grundmauern abgetragen und neu aufgebaut werden.

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1812 wurde die Kate in der Wilhelm-Wisser-Straße 9 in Braak (Gemeinde Bosau) errichtet. Das Gebäude ist eine sogenannte Zweiständer-Sackdielen-Kate mit Kammerfach, eine typische Fachwerkkonstruktion dieser Zeit. „Sie wurde von zwei Familien bewohnt. Rechts und links des Eingangs lagen die Ställe, dann folgte eine gemeinsame Diele. Auf jeder Seite gab es eine Küche, eine Kammer und eine gute Stube“, erklärt Ute Kirschmann anhand von Zeichnungen.

„Der Märchenprofessor“ aus Braak

Wilhelm Wisser lebte dort von 1845 bis 1861, um in Eutin zur Schule gehen zu können. Schon als Kind sei er Märchen sehr zugetan gewesen, heißt es. Die Großmutter habe sie ihm vorgetragen. Später, als Lehrer, sammelte er zwischen Fehmarn und Lübeck plattdeutsche Märchen, die er sich von älteren Menschen, insbesondere von Tagelöhnern, Kätnern und Handwerkern erzählen ließ. Mit „Wat Grotmoder vertellt“ gab er seinen ersten Sammelband plattdeutscher Kindermärchen heraus. Es folgten weitere Sammelbände mit Märchen für Erwachsene.

Wilhelm Wisser (r.) beim Interview. In unzähligen Gesprächen sammelte er die Märchen und Geschichten der Region. Quelle: Ulrike Benthien

„Eine seiner beliebtesten Quellen ist Stina Schloer aus Griebel gewesen. Sie hat über 45 Geschichten zu seinen Sammlungen beigesteuert“, sagt Ute Kirschmann , die das aus Aufzeichnungen des „Märchenprofessors“ weiß. Wissers Märchen seien auch in die Sammlung „Märchen der Weltliteratur“ aufgenommen worden, berichtet sie.

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Am Denkmaltag öffnet der knapp 60 Mitglieder starke Verein die Wisser-Kate in der Zeit von 11 bis 17 Uhr. Das Programm: Um 12, 14 und 16 Uhr ist Märchenlesung im Katencafé. Im Museumsstübchen sind Familienfotos, Wissers handschriftliche Notizen, Briefe und Gebrauchsgegenstände wie sein Spazierstock und sein Reise-Necessaire ausgestellt. Der Künstler Jens Saffarek aus Eutin wird Holz-Skulpturen zeigen.

Das älteste erhaltene Gebäude in Eutin: die Michaelis-Kirche

Bei der Michaelis-Kirche im Eutiner Zentrum handelt sich um eine Backsteinbasilika aus dem 13. Jahrhundert, später verändert und erweitert. Die Kirche ist das älteste erhaltene Gebäude in der Stadt und der Region. Sie hat einen 68 Meter hohen Turm mit drei Glocken und ein 44 Meter langes Kirchenschiff. Besondere Schätze: Marienleuchter von 1322, Leuchter von 1444.

Die Kirche ist von 12 bis 18 Uhr zur Besichtigung geöffnet. Um 14.30 Uhr gibt es Orgelmusik mit Kantorin Antje Wissemann an der Metzler-Orgel. Von 15 Uhr an wird Einhard Rode Besuchern die Baugeschichte und Kunstschätze erläutern.

Johannis-Kirche in Oldenburg war mal Bischofssitz

Die Oldenburger Johannis-Kirche (Wallstraße 3) wurde im Jahr 1156 errichtet und von 1157 bis 1163 als Bischofssitz genutzt. Die letzte Renovierung der Backsteinkirche erfolgte 1998/99, der Altar wurde von 2000 bis 2004 restauriert.

Am kommenden Sonntag ist das Gotteshaus von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Es werden stündliche Führungen von Kirchenhütern angeboten.

Burger Nikolai-Kirche ist stolz auf ihren Flügelaltar

Die Nikolai-Kirche in Burg auf Fehmarn (Breite Straße 47) ist eine langgestreckte dreischiffige Hallenkirche, mit deren Bau um 1230 begonnen wurde. Sie besitzt eine Bronzetaufe aus dem Jahr 1391, einen Flügelaltar aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und ein Orgelprospekt (eine künstlerisch gestaltete Vorderseite der Orgel) von 1662.

Die Kirche wird von 10 bis 17 Uhr geöffnet sein, um 14 Uhr beginnt eine einstündige Führung.

Auch Altenkremper Kirche und Freie Dorfschule machen mit

Die Kirchengemeinde Altenkrempe ist zwar nicht offiziell gelistet, schließt sich aber dem Tag des offenen Denkmals an: Um 10.15 Uhr ist Gottesdienst mit Pastor Volker Prahl, um 11.30 Uhr Kirchenführung mit Dr. Frank Wilschewski. Raphael Arnault musiziert um 13.30 Uhr auf der Orgel. Auch die Freie Dorfschule Lübeck, Morierstraße 41 L, an der Grenze zu Stockelsdorf macht mit: Um 11 und 15 Uhr gibt es die „Führung historischer Rittersaal“ und Informationsgespräche über das Schulkonzept in den historischen Räumen.

Weitere Infos gibt es hier.

Von ben/LN

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