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Ostholstein Tagesförderstätten: So finden behinderte Erwachsene in den Alltag
Lokales Ostholstein Tagesförderstätten: So finden behinderte Erwachsene in den Alltag
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08:00 15.12.2019
Robin kann nicht verbal kommunizieren. Aber seine Mutter Petra Krüger (l.) und Teamkoordinatorin Andrea Gerschefski spüren, dass der junge Mann sich in der Tagesförderstätte wohl fühlt. Quelle: Maike Wegner
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Eutin/Oldenburg

Robins Augen blitzen fröhlich, als seine Mutter Petra Krüger sich zu ihm beugt und ihm sanft über das Haar streicht. Sprechen kann der 29-Jährige nicht. Auch in der Bewegung ist er fast vollständig eingeschränkt. Und trotzdem spürt der junge Mann die Nähe seiner Mutter. „Ganz sicher bekommt er situativ etwas mit“, sagt die 58-Jährige. „Ich rede viel mit ihm und wenn er sich freut dann lacht er manchmal. So richtig mit Geräuschen.“ Robin ist einer von 14 Menschen, die derzeit die Tagesförderstätte von „Die Ostholsteiner“ in Eutin besuchen. Dort wird er an fünf Tagen in der Woche von 7.30 bis 15.45 Uhr individuell gefördert, betreut und gepflegt. Und er kann ein Stück weit am Leben teilhaben. Eine weitere Tagesförderstätte gibt es in Oldenburg, hier finden zwölf Menschen einen Platz. „Ich merke, dass sich Robin hier wohl fühlt“, erzählt seine Mutter. „Manchmal ist es etwas laut, weil Robin sehr schreckhaft ist. Aber das geht eben nicht anders.“

Die Sparkasse Holstein spendet 1000 Euro an „Die Ostholsteiner“ und den gleichen Betrag an die Lebenshilfe. Quelle: hfr

Geregelter Alltag in der Tagesförderstätte

Der Tag der Familie ist klar strukturiert. Um 6 Uhr morgens klingelt der Wecker von Petra Krüger. Dann steht sie auf, weckt kurz danach Robin und macht ihn fertig für den Tag. Um 6.45 Uhr kommt der Busdienst vom DRK, der für die Ostholsteiner die Fahrten ausführt. Während Robins Eltern dann zur Arbeit gehen, wird der 29-Jährige in die Tagesförderstätte gebracht. Dort hat er einen geregelten Alltag. Mit Aufgaben und einem festen Ablauf. Um 8.30 Uhr beispielsweise wird gefrühstückt. Auch wenn Robin mittlerweile über eine Magensonde ernährt wird, ist er mit dabei. „Einige essen zusammen in einem Raum“, erzählt die Teamkoordinatorin Andrea Gerschefski. Andere wiederum essen alleine. Weil sie ihre Mahlzeiten im Stehen zu sich nehmen. Oder weil sie sich sehr konzentrieren müssen und sonst zu sehr abgelenkt wären.

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Der Snoezelen-Raum ist sehr beliebt. Lichtsäulen und -projektionen sorgen für Entspannung. Quelle: Maike Wegner

Insgesamt acht Mitarbeitende betreuen die erwachsenen Menschen mit einem besonders hohen Unterstützungsbedarf. „Wir sind ein tolles Team. Die meisten von uns sind schon sehr lange dabei. Das ist selten in dieser Branche“, sagt Gerschefski. Sie wollen helfen, die Menschen mit Behinderungen in Richtung Arbeit und Beschäftigung zu begleiten. Die Mitarbeiter kommen aus den Bereichen Pädagogik, Therapie und Pflege. Doch spätestens in der Tagesförderstätte ist das ganze Paket gefragt. Denn die Menschen, die dort Begleitung erhalten, können in den meisten Fällen nicht über Sprache kommunizieren. Viele von ihnen sind zudem in der Bewegung stark eingeschränkt. „Manche sind von Geburt an betroffen, andere durch einen Schicksalsschlag wie einen Unfall“, sagt Gerschefski.

So können Sie spenden

Spenden können auf dieses Konto bei der Sparkasse Holstein überwiesen werden:

Inhaber: Die Ostholsteiner

Stichwort: „Hilfe im Advent“ (wichtig!)

IBAN: DE08 2135 2240 0179 2255 52

BIC: NOLADE21HOL

„Ich geb ihn nicht her“

Robin kam bereits mit einem Hirndefekt zur Welt. Er kam in die Frühförderung, besuchte später das Förderzentrum Kastanienhof. Sein Glück: Seine Eltern konnten ihm immer ermöglichen Zuhause zu bleiben. „Ganz sicher ein Grund dafür, dass es ihm so gut geht“, ist sich Andrea Gerschefski sicher. Mutter Petra Krüger ist sich sicher, das Richtige zu tun. „Ich geb ihn nicht her. Wir sind das allerbeste Team“, sagt sie liebevoll. Der Platz in der Tagesförderstätte aber ist eine große Hilfe. „Es ermöglicht uns, arbeiten zu gehen“, sagt die 58-Jährige.

Im Anbau, der vor zwei Jahren gebaut wurde, befindet sich auch ein großes Bällebad. Quelle: Maike Wegner

Ein Ständchen zum Geburtstag

Neben den Mahlzeiten bekommen die Betreuten tagsüber vor allem die Möglichkeit, ihren Rollstuhl zu verlassen. Es gibt Sitzsäcke, ein Bällebad, eine Hängematte und einen Snoezelen-Raum. „Wir versuchen außerdem, wo es geht dabei zu sein. Wir besuchen den Weihnachtsmarkt auf dem Gelände und nehmen an der Weihnachtsfeier teil“, erzählt die Teamkoordinatorin. Der Tag in der Tagesförderstätte soll eine Art Arbeitsalltag widerspiegeln. Die Menschen werden im Bestfall für die Arbeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen vorbereitet. Für einige von ihnen gibt es deshalb richtige Arbeitsaufträge.

Hier sind die Ostholsteiner aktiv

Eine junge Frau beispielsweise ist dienstags und freitags für das Blumengießen im Verwaltungsgebäude verantwortlich. Ein junger Mann sammelt mit einem Bollerwagen das Altpapier im Kopierraum ein und bringt es in die Container. Natürlich alles mit Hilfe – denn der Zusammenhalt wird in der Tagesförderstätte ganz groß geschrieben. Das zeigt sich auch an besonderen Tagen: Wenn einer der Besucher Geburtstag hat, wird gemeinsam zu Gitarrenklängen gesungen und eine Kerze angezündet. Während der Weihnachtszeit darf außerdem jeden Tag jemand ein Kalendertürchen öffnen. „Es ist sehr familiär hier“, sagt Gerschefski.

So berichten die LN über die Ostholsteiner

Bis Weihnachten sammeln die Lübecker Nachrichten Spenden für die Ostholsteiner. Hier finden Sie alle bislang erschienenen Artikel:

Von Maike Wegner