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Ostholstein Früher war mehr Benzin
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17:59 21.12.2018
Tankstellenbesitzer seit 1987: Andreas und Christiane Schütz schließen zum 1. Januar die Star-Tankstelle in Niendorf. Quelle: Luisa Jacobsen
Niendorf

 Seit 1951 steht am Ortseingang von Niendorf eine Tankstelle. In wenigen Tagen ist es damit vorbei. Zum 1. Januar schließen Andreas Schütz und seine Frau Christiane (beide 62) die Star-Tankstelle an der Travemünder Landstraße. Sie haben genug von einem Geschäft, das heutzutage viel Zeit kostet und im Gegenzug wenig Geld bringt.

Mit einer Tankstelle in Polen fing es 1932 an

In Zukunft möchte Andreas Schütz an Heiligabend vielleicht schon mittags Feierabend machen. „Dann kann ich in Ruhe einen Tannenbaum kaufen“, sagt er. In den letzten 31 Jahren ging das ja nicht. Immer gab es so viel zu tun an dieser Tankstelle, die vor ihm schon sein Vater und vor diesem sein Großvater betrieben hatte.

Angefangen hatte alles 1932 in Polen mit dem Kraftfahrzeug-Meister Arthur Sillke: „Das war mein Opa, der hatte da eine Leuna-Tankstelle“, sagt Andreas Schütz. Nach Kriegsende habe er dieses Geschäft in Deutschland weitergeführt – mit einer Gasolin-Tankstelle auf genau dem Grundstück, wo heute die Star-Tankstelle steht. „1964 wurde mein Vater Eigentümer“, sagt Andreas Schütz. 1987 schließlich übernahmen er und seine Ehefrau Christiane. Das Grundstück mit Kfz-Werkstatt blieb dabei immer im Besitz der Familie, die Mineralölgesellschaften wechselten. Nach Gasolin kam Aral, nach Aral zuletzt Star.

In all dieser Zeit, sagt das Ehepaar, sei das Geschäft anstrengender und weniger lukrativ geworden. „Unsere Kinder habe ich quasi allein großgezogen“, sagt Christiane Schütz. Neben der Arbeit in der Tankstelle. Denn während ihr Mann viele Stunden am Tag in der Kfz-Werkstatt arbeitete, schmiss sie den Zapfsäulen-Betrieb. „Die Kinder kamen immer nach der Schule her“, sagt sie. In einer kleinen Küche mit Essecke bereitete sie das Mittagessen zu. Freizeit am Abend oder an den Wochenenden verschafften ihnen nur die Aushilfen, doch Aushilfen wollen bezahlt werden und die Einnahmen aus dem Sprit-Geschäft sind gering.

Seit 1987 betreibt das Ehepaar Schütz die Tankstelle – in dritter Generation

Der Shop macht das Geschäft – nicht das Benzin

„Das Tankstellen-Geschäft ist familienfeindlich und schlecht bezahlt“, sagt Herbert Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands (TIV). Es fuße im Prinzip auf drei Säulen: Shop, Sprit und einer anderen Einnahmequelle wie Werkstatt oder Waschanlage. Für Pächter oder Eigentümer kämen die Einnahmen im Schnitt zu 60 Prozent aus dem Shop, weitere 20 Prozent stammten aus dem Verkauf des Benzins und noch einmal 20 aus der dritten Quelle. Der Shop ist also zur Haupteinnahmequelle geworden und „große Mineralölgesellschaften bauen dieses Geschäft weiter aus“, sagt Rabl. Sie schließen Kooperationen mit Lebensmittelkonzernen ab, der Benzinverkauf verliere für die Pächter – zumindest in finanzieller Hinsicht – an Bedeutung. Nach Ansicht des Verbands eine fatale Entwicklung. „Im bundesdeutschen Schnitt bekommt ein Pächter oder Eigentümer einen Cent Provision pro verkauftem Liter Treibstoff“, sagt Rabl. Unabhängig vom Benzinpreis. Der TIV fordert mindestens zwei Cent, so dass „mindestens die Hälfte des Umsatzes aus dem Spritgeschäft kommt“.

Andreas und Christiane Schütz haben diese Veränderung miterlebt. Andreas Schütz erinnert sich noch gut an die Zeit, in der es an der Tankstelle in erster Linie um Benzin ging: „Früher gab es umgerechnet mal drei Cent Provision pro Liter“, erzählt er. Inzwischen bekäme er weniger als der bundesdeutsche Durchschnitt. Mit dem Shop laufe es bei ihnen auch nicht gut. „Wenn Supermärkte in der Nähe sind, ist es schwierig, die haben ja heutzutage lange auf“, sagt Andreas Schütz. Dazu kommen die Baustellen in Niendorf, die die Autofahrer umleiten, weg von der Tankstelle. „Der November war unserer schlechtester Monat seit Eröffnung“, sagt seine Frau.

„Ich habe das auch gern gemacht“

Doch so viel Zeit und Nerven das Ehepaar auch in die Tankstelle gesteckt haben mag – das Geschäft hatte auch gute Seiten. „Ich hab das schon auch gern gemacht“, sagt Andreas Schütz. „Man kommt mit Leuten in Kontakt. Ich bin sowieso einer, der gern sabbelt.“ An „gemütliche Zeiten“ erinnere er sich, als man im Sommer lange draußen saß und „den Tag bei einem Bierchen ausklingen ließ“. Ein wenig geduldiger seien die Kunden damals vielleicht gewesen, die Welt im Ganzen etwas langsamer. „Man wird ja auch nicht jünger“, sagt Andreas Schütz. Vielleicht hätten sie früher mehr wegstecken können.

So richtig aufhören wird das Ehepaar Schütz allerdings nicht. „Die Werkstatt läuft gut“, sagt Christiane Schütz. Die werde es weiterhin geben. Was jetzt kommt, so hoffen sie, ist ein Leben mit mehr Zeit für alltägliche Dinge. „Ich möchte mal den Garten schön machen oder in Ruhe bummeln gehen“, sagt Christiane Schütz. Vielleicht sei auch mal eine kurze Reise mit den erwachsenen Kindern drin. „Wir haben ein Leben mit wenig Freizeit gelebt“, sagt sie. Das soll sich ändern – ab dem 1. Januar.

Pächter und Eigentümer

Die Star-Tankstelle in Niendorfist eine von neun im Kreis Ostholstein. Nach der Schließung bleiben noch acht Star-Standorte bestehen. Insgesamt gibt es in Schleswig-Holstein rund 70 Star-Tankstellen und ein Großteil dieser wird von Pächtern geführt.

Dass die Grundstücke, wie im Fall des Ehepaars Schütz, nicht der Mineralölgesellschaft gehören, ist vergleichsweise selten. In Schleswig-Holstein werden nur 20 Prozent der Star-Tankstellen von Eigentümern betrieben.

Luisa Jacobsen

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