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Ostholstein In Ostholstein fehlen Tausende Wohnungen
Lokales Ostholstein In Ostholstein fehlen Tausende Wohnungen
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09:23 03.03.2019
Viele Ostholsteiner suchen eine Bleibe. Die Zahl der Neubauprojekte reicht nicht aus.
Viele Ostholsteiner suchen eine Bleibe. Die Zahl der Neubauprojekte reicht nicht aus. Quelle: Sebastian Rosenkötter
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Ostholstein

Die Macher der Kleinräumigen Bevölkerungs- und Haushaltsprognose für den Kreis Ostholstein haben ermittelt, dass etwa 6400 neue Wohnungen bis zum Jahr 2030 benötigt werden. Darin enthalten ist ein Ersatzbedarf von 3300 Einheiten. Die LN haben bei zahlreichen Gemeinden, Städten und Ämtern nachgefragt, wie die Situation bei ihnen ist. Fast alle haben geantwortet. Dabei wurde deutlich: Das Problem ist allgegenwärtig, zahlreiche Neubauten werden gebaut und geplant. Ausreichend ist das nicht. Neue Hotels und Restaurants schaffen neue Arbeitsplätze. Die Folge: Angestellte suchen kleine bezahlbare Wohnungen.

Planungen im Norden

Der Bedarf oben im Norden in Heiligenhafen ist groß. Kuno Brandt von der Bauverwaltung erläutert, dass es „einen gewissen Wohnungsbestand gibt, der aufgrund seiner Ausstattung mit Nachtspeicheröfen nicht mehr zeitgemäß und attraktiv ist“. Neubaugebiete seien in Planung. Baureife Grundstücke werde es aber nicht in 2019 geben. Nachverdichtungen könnten vorkommen. Zudem gebe es Projekte privater Investoren.

Etwas weiter südlich im Amt Oldenburg-Land gehen viele Anfragen direkt bei den Bürgermeistern ein. Besonders viele Menschen suchen bezahlbaren Wohnraum. Gleich nebenan in Oldenburg werden Grundstücke für Häuser gesucht. Zudem gebe es – so Bürgermeister Martin Voigt (parteilos) – zu wenig kleine Wohnungen. In Grube indes gilt die Lage als halbwegs entspannt. Dennoch plant die Gemeinde Mehr- und Einfamilienhäuser. „Wir wollen Wohnraum schaffen, um die Küsten zu entlasten“, sagt Bürgermeister Volkert Stoldt (CDU). Sein Lensahner Kollege Klaus Winter (CDU) betont, dass es sicherlich nicht für jeden den gewünschten Wohnraum zu einem erschwinglichen Preis gebe, die Wartezeit aber begrenzt sei. In einem Neubaugebiet entstünden 42 Bauplätze, die Nachfrage sei höher.

Neustadt gehört zu den aktivsten Städten im Kreis. Derzeit werden Wohnungen (sozialer Wohnungsbau und Einfamilienhäuser) geplant. Nebenan in Grömitz ist der Wohnraum seit Jahren besonders knapp und dürfte sich aufgrund eines neuen Hotels und Restaurants verschärfen. Zuletzt gab es für 18 Mietwohnungen 170 Bewerber.

Mitten in Ostholstein ist die Situation brisant. Altenkrempes Bürgermeister Peter Zink (ABA) hätte gerne ein Neubaugebiet. Vorgeschriebene archäologische Untersuchungen verhindern dies. „Die Gemeinde hätte die Kosten für diese Untersuchung bezahlen und auf die Grundstücke umlegen müssen. Die Grundstückspreise wären zu teuer“, erläutert er. Im Nachbarort Kasseedorf mangelt es laut Bürgermeisterin Regina Voß (SPD) vor allem in Dörfern wie Griebel, Vinzier und Sagau an Wohnraum. „In Gesprächen mit Bewohnern wird sehr oft genannt, dass die eigenen Kinder nicht wieder in die Ortschaften zurückkommen können, wo sie einmal aufgewachsen sind“, verdeutlicht Voß. Die Ausweisung eines Baugebietes in Kasseedorf werde angestrebt. Schashagens Bürgermeister Rainer Holtz (CDU) fürchtet die Auswirkungen der von der Gemeinde Grömitz angestrebten Reduzierung von Zweitwohnungen. „Ich prüfe zur Zeit, wie wir es verhindern können, das Wohnraum als Zweitwohnsitz belegt wird“, sagt Holtz.

Ähnlich sieht es in Scharbeutz aus. Laut Bürgermeister Volker Owerien (parteilos) könnten 254 Wohneinheiten in drei Baugebieten (Scharbeutz, Pönitz, Gleschendorf) entstehen. Zudem seien auf dem Gelände der Pro Stiftung in Haffkrug 63 Einheiten geplant. Malentes Bürgermeisterin Tanja Rönck (parteilos) sagt, dass bezahlbarer Wohnraum im Fokus stehe. Für Entlastung sorgen könnte der derzeitige Bau von rund 50 Wohneinheiten in Malente (Sandkuhle) sowie ein Neubaugebiet in Nüchel.

Platz für Senioren benötigt

Elisabeth Lübker von der Stabsstelle Süsel sagt, dass vor allem Seniorenwohnungen im dörflichen Bereich nachgefragt würden. Neubaugebiete seien in Groß Meinsdorf (kurz vor Erschließung), Süsel und Bujendorf geplant. Die Kreisstadt indes möchte wachsen. Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt sagt, dass Einpendler Bleiben suchen würden. Zudem habe ein Wohnungsmarktkonzept ergeben, dass die Zahl der Haushalte bis 2025 steigen werde – trotz sinkender Einwohnerzahl. „In der Konsequenz müssten jährlich knapp 40 Wohnungen gebaut werden“, sagt Stein-Schmidt.

Zurück zur Küste: Für Timmendorfer Strand nennt Hauptamtsleiter Martin Scheel allein für den sozialgeförderten Bereich einen Bedarf von rund 140 Wohnungen. Er bezieht sich dabei auf das von der Gemeinde geführte Wohnungskataster und spricht von einer „gravierenden Unterversorgung“, die insbesondere durch neue Arbeitsplätze verschärft werde. Ein ganz anderes Problem hat Andreas Zimmermann, Bürgermeister von Ahrensbök (parteilos), erkannt: „Allein in dem spezifischen Segment des barrierefreien Wohnraumes stellen wir mangels Angebot zahlreiche Wegzüge in Städte wie Lübeck und Eutin fest.“ Und für Neustadt berichtet Bauamtsleiterin Antje Weise von Azubis, die ihre Lehre nicht antreten konnten, da sie keine Wohnung fanden.

Das Land soll handeln

Ähnlich wie einige seiner Amtskollegen hat auch Peter Zink konkrete Forderungen an das Land, welches Neubauten in Dörfern erschwere. „Das Land sollte die Steuerung der Entwicklungsmöglichkeiten den Kommunen überlassen. Diese werden sorgsam damit umgehen und die örtlichen Belange intensiv im Blick haben“, sagt er mit Verweis auf den im Dezember beschlossenen Landesentwicklungsplan. Volker Owerien ergänzt: „Mietwohnungen sollten aus der Entwicklungsquote herausgenommen werden.“ Ihm gehe es vor allem darum, eruierte Flächen im Binnenland für Geschosswohnungsbau nutzen zu können. Martin Scheel plädiert zudem dafür, die Landesbauordnung auf kostentreibende Hemmnisse zu überprüfen. Und Oldenburgs Verwaltungschef Martin Voigt ärgert sich über die hohen Baukosten, die sozialen Wohnungsbau fast unmöglich machen würden. Die aktuellen Anforderungen an Neubauten würden diese drastisch verteuern.

Sebastian Rosenkötter

03.03.2019
02.03.2019
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