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Ostholstein Tierheim wird modernisiert
Lokales Ostholstein Tierheim wird modernisiert
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12:52 23.01.2019
Die Leiterin des Tierheims Eutin, Heike Niemeck, sucht ein neues Zuhause für die lebhafte Mischlingshündin Belly.
Die Leiterin des Tierheims Eutin, Heike Niemeck, sucht ein neues Zuhause für die lebhafte Mischlingshündin Belly. Quelle: Dirk Schneider
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Eutin

 In das Tierheim Eutin ist derzeit wieder etwas Ruhe eingekehrt. Aktuell warten neun Katzen, vier Hunde, neun Kaninchen, zwei Großmäuse und ein Wellensittich auf neue Herrchen und Frauchen. „Vor einem halben Jahr hatten wir ständig über 75 Tiere in unserer Obhut, um die wir uns kümmern mussten“, erinnert sich Barbara Mohr vom Vorstand des Vereins Tierschutz in Eutin und Umgebung an einen heißen Sommer und stürmischen Herbst. Gemeinsam mit dem Vereinsvorsitzenden Dr. Werner Sach und der Einrichtungsleiterin Heike Niemeck blickt Mohr auf ein arbeitsintensives Jahr 2018 zurück.

Hintergrund des stärkeren Aus- und Belastung ist die Auflösung des Vereins Tierhilfe Ostholstein im Frühjahr 2018. Dessen Mitglieder hatten sich bis dahin um Fundtiere in Neustadt und dem Amt Ostholstein-Mitte gekümmert. Die Schließung dieser Einrichtung bescherten dem Eutiner Tierheim zahlreiche zusätzliche sporadische Bewohner.

Neue Quarantänestation für Aufnahmeuntersuchungen

Vor allem die Anzahl der Katzen, die in der Einrichtung aufgenommen, versorgt und vermittelt werden, sei stark gestiegen, rechnet Sach vor. „Im Vergleich zu den Vorjahren verzeichnen wir in diesem relativ kurzen Zeitraum ein Plus von über 40 Katzen.“ Um diese Mehrbelastung leisten zu können, habe man in zwei neuaufgestellten Containern eine zusätzliche Quarantänestation mit zwölf neuen Edelstahlkäfigen geschaffen. Denn bevor die schnurrenden Neuankömmlinge in den Katzentrakt einziehen dürfen, werden die Stubentiger auf Herz und Nieren geprüft. „Wir untersuchen die Tiere auf versteckte Krankheiten, ansteckende Pilzinfektionen und Darmparasiten“, beschreibt Sach die Erstaufnahme.

Nach überstandener Kastration und Impfung würden die Katzen und Kater dann je nach Charakter auf verschiedene Wohngemeinschaften oder Einzelzimmer verteilt. In diesen Räumen, die allesamt auch über eine Art Voliere als Auslauf verfügen, warten die mehr oder weniger geselligen Vierbeiner dann auf einen neuen Besitzer. „Manche Tiere sind dann binnen weniger Stunden vermittelt, andere müssen mehrere Monate warten“, erzählt Sach.

Insgesamt habe sich die Verweildauer der Tiere in der Einrichtung etwas verlängert, was allerdings auch mit einer wachsenden Bürokratie zusammenhänge. Die Zahl der notwendigen Untersuchungen sei größer, die Dauer mancher Behandlungen länger geworden. In dieser ersten Phase entstünden mitunter auch feste Beziehungen innerhalb des Tierheims. „Alle Mitarbeiter und Helfer sind hochgradig mit Hunden und Katzen versorgt“, sagt Sach schmunzelnd. Jüngstes Beispiel ist die 16-jährige Julie. Die sehr schmusebedürftige Katzendame habe mit ihrer ruhigen und dankbaren Art schnell das Herz einer Betreuerin erobert und ein neues Zuhause gefunden.

Anlauf- und Notstation für Mieze, Bello und Co

Fast 60 Prozent der Fundtiere sind Katzen

Mit 226 Durchläufern stellten Katzen 2018 – in den Vorjahren waren es deutlich unter 200 Aufnahmen – wieder das größte Kontingent im Eutiner Tierheim. Die meisten Samtpfötchen kommen im Frühjahr als sogenannte Maikätzchen oder im Spätsommer in die Einrichtung. Ein Großteil dieser Jungtiere stamme aus ländlichen Bereichen, sei in relativer Freiheit geboren und habe keine Besitzer, erläutert Sach. Aufgrund dieses unbekannten Gesundheitsstatus kämen die Tiere zunächst Quarantäne.

Diese gelte auch für die kleinsten Zugänge, die noch mit der Flasche aufgezogen werden müssten. Aus praktischen Gründen – die wenige Tage und Wochen alten Kätzchen müssen im Zweistundenrhythmus gefüttert werden, erfolge hier die Untersuchung möglichst schnell, damit die Pfleger die Säuglinge mit nach Hause nehmen können, was sich übrigens ebenfalls positiv auf die Vermittlungsquote auswirke.

Hunde brauchen Gassigänger

Die Zahl der Hunde lag 2018 im üblichen Bereich bei 65 Tieren. „Hier ist auch keine Mehrbelastung zu erwarten, weil die Hunde aus dem Bereich Neustadt jetzt in Oldenburg aufgefangen werden“, so Sach. Im Gegensatz zu den Katzen stammen die Hunde, die eingeliefert würden, meist aus Privatbesitz. Krankheit, Umzug, Scheidung, Todesfall – oft seien mit der Abgabe traurige Schicksale verbunden, weiß Sach. Aber im Allgemeinen gelinge es dem Team schnell, einen Hund wieder an den Mann oder die Frau zu bringen.

Bis es soweit ist, bekomme der beste Freund des Menschen auch im Tierheim viel Zuspruch. „Jeder Hund darf und muss mindestens zwei Mal pro Tag mit einem Betreuer Gassi gehen, lebhaftere Tiere kommen vier Mal und mehr raus“, berichtet Niemeck. Das gelte auch für die siebenjährige Mischlingshündin „Belly“, während der 14 Jahre alten Huskymischlingsrüde „Skip“ und die 15-jährige Terriermixhündin „Kessy“ als ältere Dauergäste zu den ruhigeren Vertretern zählen.

Herz und Heim für Tiere

Das Tierheim Eutin wurde 1996 eröffnet. In den vergangenen zwölf Jahren kümmerten sich die Mitglieder des Trägervereins Tierschutz Eutin und Umgebung um knapp 10000 Tiere, mehr als die Hälfte davon waren Fundkatzen, knapp 20 Prozent Hunde. Die Einrichtung finanziert sich überwiegend aus Beiträgen der 300 Vereinsmitglieder sowie Spenden. Eine eigene Jugendgruppe unterstützt die meist ehrenamtlichen Helfer bei der Tierpflege. Schulklassen und Kindergartengruppen können die Einrichtung für einen lehrreiche Infostunde besuchen. www.tierheim-eutin.de

Um die vielfältigen Aufgaben zu erfüllen, bedarf es einer großen Zahl an Händen. „Aktuell nutzen wir die etwas ruhigere Phase für kleinere Umbaumaßnahmen, Schönheitsreparaturen und Reinigungsarbeiten“, so Niemeck. Neben sieben fest angestellten Mitarbeitern – davon vier geringfügig Beschäftigte – würden sich auch dabei viele ehrenamtliche Helfer engagieren, um für den nächsten Ansturm gerüstet zu sein.

Dirk Schneider