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Ostholstein Ein kleines Tierheim mit großem Herz
Lokales Ostholstein Ein kleines Tierheim mit großem Herz
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18:00 04.03.2019
Das Tierheim in Lübbersdorf mit dem Vorsitzenden des Tierschutzvereins Oldenburg und Umgebung Claus-Peter Matthiensen, der Tierheimleiterin Christina Mann und der Tierpflegerin Jolina Tschessnick (vorne) stellt sich vor. Quelle: Beke Zill
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Lübbersdorf

 Brav gibt Schäferhund-Mix „Susi“ ihrer Pflegerin Lynn Kitzinger die Pfote. Die Auszubildende lobt die Hündin. „Brav“, sagt sie und gibt ihr ein Leckerli. Um „Susi“ machen sich die Mitarbeiter des Tierheims in Lübbersdorf derzeit besonders Sorgen. Auf der Homepage des Heimes wird sie als „Notfall“ bezeichnet. Leiterin Christina Mann kennt den Vierbeiner bereits seit knapp drei Jahren und hofft sehr auf ein neues Zuhause für ihren etwa elf Jahre alten Schützling.

Aber die halb blinde „Susi“ ist nicht das einzige Tier, das sehnsüchtig auf neue Besitzer wartet. Derzeit leben etwa 55 Hunde und Katzen sowie acht Kleintiere in den Zwingern im Norden Ostholsteins. Vier Tierpfleger und vier Auszubildende sowie zahlreiche Ehrenamtliche kümmern sich sieben Tage die Woche um die herrenlosen Tiere und versuchen, ihnen ein schönes Zuhause auf Zeit zu bieten sowie passende Herrchen zu suchen. Und das gelingt gut wie die Zahlen der Tierheim-Auszüge zeigen.

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Hohe Besucherzahlen in Lübbersdorf

„Die Verweildauer ist relativ gering und die Vermittlungsquote relativ hoch“, sagt Claus-Peter Matthiensen, Vorsitzender des Tierschutzvereins Oldenburg und Umgebung von 1965. Christina Mann macht es an der positiven Einstellung der potenziellen Tierhalter zu Vierbeinern aus Tierheimen fest. „Wir haben sehr guten Besucherzulauf. Viele Menschen sind bereit, Tiere aus Tierheime zu adoptieren“, sagt die 34-Jährige. Dabei sei es generell egal, welche Rasse, Farbe oder welches Alter. Selbst alte und kranke Tiere würden vermittelt.

Das Tierheim, das 1980 erbaut wurde, hat Kapazitäten für 30 Hunde, 70 Katzen und 20 Kleintiere wie Kaninchen und Meerschweinchen. Auch Pensionstiere nimmt der Verein auf. Im Jahr 2017 betreute er insgesamt 472 Tiere, darunter 134 Abgabe-, 203 Fund- und 135 Pensionstiere auf dem Gelände in Lübbersdorf. Von denen, die abgegeben wurde, konnten 125 wieder an neue Besitzer vermittelt werden. Von den Fundtieren gingen 29 zurück ins alte Zuhause und 153 in ein neues Heim. Auch im vergangenen Jahr lag die Zahl bei etwa 500 Vierbeinern, die das Heim aufnahm.

„Ein großer Teil der Fundtiere sind Katzen“, erklärt Mann. Besonders im Mai, wenn der Nachwuchs kommt, werde es voll im Katzenhaus. „Immer mal wieder gibt es Aufnahmestopps“, sagt Mann. 2018 sei es aber relativ ruhig geblieben. Die Zahl der Katzen habe sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. „Wir merken, dass die Kastrationsprojekte des Landes Früchte tragen“, sagt die Heimchefin.

Tierheim dankbar für freiwilliges Engagement und Spenden

Auch aktuell haben die knapp 30 Katzen in ihrem vorübergehenden Zuhause im 2018 renovierten Katzenhaus viel Platz. Als Christina Mann den Zwinger von „Layla“ betritt, kommt die etwa zehn Jahre alte schwarz-weiße Fundkatze aus ihrem Versteck gekrochen und schmiegt sich an die Leiterin. „Sie ist eine Persönlichkeit“, sagt die Tierpflegerin und wünscht sich für die Katze ein Zuhause mit Freigang.

Etwa 20 ehrenamtliche Spaziergänger sorgen dafür, dass die Hunde genug Auslauf bekommen. „Wir haben auch Kümmerer für die Katzen und Unterstützung bei der Arbeit“, sagt Mann erfreut. Zudem erhält das Tierheim regelmäßig Spenden. Allein von den Mitgliedsbeiträgen und Pauschalbeträgen der Gemeinde für die Betreuung von Fundtieren könnten die Riesenkosten nicht gedeckt werden, betont Matthiensen. „Wenn das alles nicht wäre, würde es das Tierheim nicht geben. Für die Hilfe und die ehrenamtliche Bereitschaft sind wir außerordentlich dankbar“, sagt Christina Mann, die sich über jeden weiteren Ehrenamtlichen freut.

Jeder Arbeitstag ist anders

Die hauptamtlichen Helfer beginnen bereits um 6.30 Uhr mit ihrer Arbeit. Zunächst steht das Füttern auf dem Plan. Danach kommen die Freiwilligen und gehen mit ihren Schützlingen spazieren. Einige Tiere dürfen sich in den Ausläufen austoben. Nach der Teambesprechung liegt das an, was die Tätigkeit eines Tierpflegers hauptsächlich ausmacht. „Der Beruf beinhaltet ganz viel Saubermachen“, sagt Mann schmunzelnd. Sie sitzt oft im Büro und überwacht zusammen mit ihrem Team das Telefon, nimmt Notfälle an und kümmert sich um Besucher. Dabei gleicht kein Tag dem anderen. „Es ist nicht vorhersehbar, was passiert.“

Einige Katzen, Hunde und Kleintiere warten besonders sehnsüchtig auf neue Besitzer.

Am Nachmittag wird noch einmal gefüttert, zudem trainieren ausgebildete Fachkräfte die Hunde mit Verhaltensauffälligkeiten. Auch das Pflegen der Internetseite des Tierheimes gehört zum Arbeitsalltag, der im Tierheim um 17 Uhr endet. „Die Präsentation der Tiere ist in der heutigen Zeit ganz wichtig“, sagt Christina Mann. Ganz groß wird dort derzeit Schäferhund-Mix „Susi“ präsentiert. Seit drei Jahren hält die alte Dame tapfer nach neuen Besitzern Ausschau. „Irgendwo muss der Mensch sein, der auf sie wartet“, sagt Mann, die jeden ihrer Schützlinge sofort in ihr Herz schließt. „Für jedes Tier gibt es einen passenden Deckel. Der Mensch muss nur zu uns kommen.“

Beke Zill