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Ostholstein Timmendorf bekommt eine Sieben-Millionen-Euro-Brücke
Lokales Ostholstein Timmendorf bekommt eine Sieben-Millionen-Euro-Brücke
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07:00 13.11.2019
43 Jahre alt ist die Timmendorfer Maritim-Seebrücke. Ein Neubau wird seit 2016 geplant. Quelle: S. Latzel
Timmendorfer Strand

Wie die neue Timmendorfer Seebrücke aussehen wird, bleibt für die Öffentlichkeit weiterhin ein Geheimnis – der Kostenrahmen aber zeichnet sich allmählich ab. 7,1 Millionen Euro sollen laut Wirtschaftsplan des Kurbetriebes für das Bauwerk angesetzt werden: 5,9 Millionen Euro Baukosten sowie 1,2 Millionen Euro Planungskosten. Noch vor zwei Jahren war von einer Maximalsumme von 3,2 Millionen Euro die Rede. Beginnen soll der Bau offenbar im Frühjahr 2021.

Die neue Brücke soll mindestens so lang sein wie die jetzige

Die neue Brücke soll die 1976 eingeweihte und mittlerweile marode Maritim-Seebrücke ersetzen. Nach einem gemeinsamen Beschluss der Mitglieder vom Timmendorfer Tourismus- und vom Bauausschuss vom August dieses Jahres ist das Büro „Schlaich Bergermann Partner“ (SBP) mit der Planung „in Anlehnung an die Variante 12“ beauftragt worden. Was die „Variante 12“ ist, ruht zwar vorerst noch im Dunkeln, da laut Verwaltung ein „finaler Entwurf“ noch nicht vorliegt. Offenbar soll die neue Seebrücke aber mindestens so lang wie die jetzige sein und einen ovalen Kopf aufweisen, auf dem ein Rundgang möglich ist.

„Wir wollen nicht kleckern, sondern klotzen“, erklärt der Vorsitzende des Bauausschusses, Christian Freitag (CDU), mit Blick auf die im Vergleich zur Planung 2017 mittlerweile mehr als doppelt so hohen Kosten. „Es gibt mit Sicherheit diverse Fördermöglichkeiten“, sagt Freitag. Vorgemacht hat es die Nachbargemeinde Scharbeutz: Für die neuen Seebrücken in Scharbeutz und Haffkrug, die zusammen acht Millionen Euro kosten sollen, winkt eine Förderung von 60 Prozent. Um überhaupt in den Genuss einer Förderung zu kommen, muss Timmendorfer Strand allerdings Mitglied einer lokalen Tourismusorganisation (LTO) sein. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung zwischen TSNT (Timmendorfer Strand Niendorf Tourismus GmbH) und TALB (Tourismus-Agentur Lübecker Bucht) hat im September von den Timmendorfer Gemeindevertretern grünes Licht bekommen.

68 Büros beteiligten sich am Seebrücken-Wettbewerb 2017

Bis zur Entscheidung für den Entwurf des Büros SBP mit Hauptsitz in Stuttgart war es ein langer Weg. Die ersten Planungen für die neue, „große“ Timmendorfer Brücke begannen 2016. 2017 wurden für einen Wettbewerb 140 000 Euro in den Haushalt gestellt, 68 Büros und Arbeitsgemeinschaften beteiligten sich. Ein Preisgericht kürte im April 2017 fünf Entwürfe, die Wettbewerbsbeiträge wurden anschließend im Timmendorfer Rathaus öffentlich präsentiert.

Darunter befand sich auch ein Beitrag, den SBP zusammen mit dem Landschaftsarchitekturbüro „Atelier Loidl“ eingereicht hatte: „Die elegante Dame“ sollte einen Spaziergang über dem Meer bieten und erreichte einen zweiten Platz. Auf Platz eins landete damals noch die „See-Schleife“ der Arbeitsgemeinschaft „Kai Luetkens Architektur“ (Hamburg) und „r + b landschaftsarchitektur“ (Dresden). Auch der Kostenrahmen für einen Neubau wurde danach noch auf 3,2 Millionen Euro beziffert.

„Die elegante Dame“: Mit diesem Entwurf für eine neue Timmendorfer Seebrücke kam das Büro SBP beim Wettbewerb 2017 auf den zweiten Platz. Quelle: Gemeinde Timmendorfer Strand/SBP (hfr)

2018 verschwand die Seebrücke von den Tagesordnungen

Im Anschluss wurde es ruhig um das Thema, es verschwand weitgehend von den Tagesordnungen der Ausschüsse und tauchte auch im öffentlichen Teil der „Berichte über die Ausführung der Beschlüsse“ nicht auf. Im Januar 2019 stand schließlich im nichtöffentlichen Teil einer Sitzung des Tourismusausschusses offenbar das Thema „Bietergespräche Maritim-Seebrücke“ an, im Protokoll heißt es dazu jedoch: „Der gefasste Empfehlungsbeschluss für die Gemeindevertretung kann nicht veröffentlicht werden, da berechtigte Interessen Einzelner entgegenstehen.“

Nach Angaben des Bauausschuss-Vorsitzenden soll der Planer den endgültigen Entwurf während einer – nichtöffentlichen – Sondersitzung von Tourismus- und Bauausschuss im Dezember präsentieren. Laut Wirtschaftsplan könnte der Abriss der alten Maritim-Seebrücke im Winter 2020 beginnen. Fürs kommende Jahr schlügen in Bezug auf den Neubau erst einmal „nur Planungskosten in Höhe von 600 000 Euro“ zu Buche.

2020 stehen weitere erhebliche Ausgaben an

Angesichts anderer Ausgaben, die 2020 anstehen, ein glücklich anmutender Umstand. Allein für einen Teil der Sanierung des Eissport- und Tenniscentrums sind insgesamt 4,25 Millionen Euro aufgeführt (Planungskosten, erster Bauabschnitt plus neuer Boden in der Tennishalle). Je nach Ausgang des laufenden Rechtsstreits könnten zudem 800 000 Euro für die Erneuerung der Fensteranlage des Teehauses fällig werden. Das braucht außerdem eine neue „Unterschlagsbeleuchtung“ für 130 000 Euro. Die neue Fenster- und Fassadenanlage der Trinkkurhalle kostet insgesamt 250 000 Euro, 150 000 davon fallen in 2020 an. 250 000 Euro teurer wird laut Wirtschaftsplan der Neubau der DLRG-Unterkunft in Niendorf, die jetzt bei insgesamt 1,85 Millionen Euro liegt.

So viel kosten die Seebrücken in Ostholstein

Die neue Seebrücke in Niendorf, im Juni 2014 eingeweiht, hat 1,9 Millionen Euro gekostet, die Hälfte davon waren Fördermittel. 2,4 Millionen Euro hat die Gemeinde Timmendorfer Strand für die Seeschlösschen-Brücke mit Plattform gezahlt, der Bau des Teehauses darauf (eröffnet im Juli 2014) kostete noch einmal 1,9 Millionen Euro, wovon eine Million Euro vom Mäzen Jürgen Hunke kam sowie 900 000 Euro die Gemeinde übernommen hat.

Die Gemeinde Scharbeutz plant den Neubau zweier Seebrücken in Scharbeutz (fünf Millionen Euro) und in Haffkrug (drei Millionen Euro). 60 Prozent der Kosten sollen über Fördermittel gedeckt werden, fertig sein sollen die Bauten 2021/2022.

Auch andere Küstenorte in Ostholstein haben sich ihre neuen Brücken einiges kosten lassen. Für die Heiligenhafener Brücke, 2012 eröffnet, wurden 5,5 Millionen Euro fällig. Bereits 2007 war die Kellenhusener Brücke fertig, die mit 2,25 Millionen Euro zu Buche schlug (die Hälfte davon waren Fördermittel) und in diesem Herbst für weitere 250 000 Euro zur „Lichtbrücke“ aufgewertet wurde. Grömitz bekam vor wenigen Wochen eine Million Euro Fördermittel für die Modernisierung seiner Seebrücke.

Von Sabine Latzel

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