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Ostholstein Timmendorf – im Herzen getroffen
Lokales Ostholstein Timmendorf – im Herzen getroffen
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21:15 26.10.2016
Blick vom Alten Rathaus auf das, was vom ehemaligen „Nautic Garden“ noch übriggeblieben ist. Quelle: Fotos: E. Meier/b. Zill/m. Janke-Hansen
Timmendorfer Strand

Als gegen 8 Uhr die Sonne langsam aufging, wurde für da noch etwa 150 Einsatzkräfte der Feuerwehren, von Polizei und Rettungsdienst das ganze Ausmaß des Feuers im Zentrum von Timmendorfer Strand sichtbar: Der Großbrand in dem Gebäudekomplex, der gegen 4.50 Uhr die Wehren alarmierte, hatte bis zum Vormittag das ganze obere Stockwerk zerstört. Auch Stunden nach dem Ausbruch des Feuers entdeckten die Einsatzkräfte immer wieder starken Rauch unter den vielen Dachschichten. Um ein Ausbreiten auf die angrenzenden Geschäfte in dem Komplex zu verhindern, musste gegen 11 Uhr ein Bagger angefordert werden. Das Dach, unter dem das Restaurant „Nautic Garden“ war, musste abgerissen werden. „Bis dahin war es eine kritische Zeit. Wir haben hier alle wie auf Kohlen gesessen, bis der Bagger kam“, sagte Hartmut Junge, Sprecher vom Kreisfeuerwehrverband Ostholstein.

Großfeuer verwüstet Einkaufsmeile im Ortszentrum – Geschäftsleute und Anwohner sind fassungslos.

Gegen Mittag konnten die Feuerwehrleute der Gemeinden Timmendorfer Strand, Scharbeutz, Neustadt, Stockelsdorf, Ratekau sowie die Atemschutzkräfte aus Lensahn das erste Mal Kraft tanken.

„Das Feuer kann sich nicht mehr ausbreiten, soweit ist es unter Kontrolle“, so Junge. Das Obergeschoss konnte jedoch trotz des intensiven Einsatzes mit zwei Drehleitern und einem Gelenkmast nicht mehr gerettet werden. „Das Obergeschoss ist ein Totalschaden.“

Aufgrund der fehlenden Informationen über die Statik des Gebäudes, an dem immer wieder angebaut und Erneuerungen vorgenommen worden waren, durfte es nicht betreten werden. Nur ein Außenangriff sei möglich, so der Feuerwehrsprecher. Der Einsatz werde noch mehrere Stunden gehen, prognostizierte er.

Am Brunnen vor dem Alten Rathaus auf dem Timmendorfer Platz hatten sich inzwischen Beamte der Kriminalpolizei-Dienststelle Bad Schwartau und die Spurensicherung K6 eingefunden. „Die Baustelle wird beschlagnahmt und mit einem Bauzaun abgesperrt“, erklärte Polizeisprecher Dierk Dürbrook. An ein Betreten des Gebäudes war allerdings zu dem gestrigen Zeitpunkt noch nicht zu denken. Zumal gegen 17 Uhr wieder Flammen aus dem Komplex aufstiegen. Zunächst wurden die Schuttberge des zerstörten Daches vom Bagger abgetragen. Man prüfe, ob Brandbeschleuniger im Schutt vorhanden seien, so Dürbrook.

Zwischen Feuerwehrwagen, Polizei und Absperrband schaute Bürgermeisterin Hatice Kara mit Schrecken auf das Bild, das sich ihr an Ort und Stelle bot. „Diese Verwüstung – das kennt man eigentlich nur aus dem Fernsehen“, sagte sie. Kara erinnerte sich an den „Schreckensmoment“, als sie um 7 Uhr benachrichtigt wurde und sofort zur Unglückstelle fuhr. Mit Blick auf den Rauch, der immer noch aus dem Dach aufstieg, sagte die Bürgermeisterin: „Mich schaudert es.“ Der einzige Trost sei, dass es zu keinem Personenschaden gekommen ist. Ihr Dank galt den Feuerwehren aus den Gemeinden und den Helfern an den Verpflegungsstationen für ihren großen Einsatz. „Das zu sehen, beeindruckt“, betonte sie.

Andere waren da zu früher Stunde weniger anerkennend gewesen. Während die Retter gegen die Flammen kämpften, gab es tatsächlich Schaulustige, die sich einfach bei Getränken und Brötchen bedienten, die für die Feuerwehrleute bereitstanden. Mampfend und mit Wasserflaschen in der Hand standen sie am Straßenrand und beobachten den Einsatz. Gemeindewehrführer Stephan Muuss ordnete an, den Verpflegungstisch beim Kommandowagen aufzustellen, „sonst ist nachher alles weg“.

Neben der Bürgermeisterin standen Anwohner fassungslos vor den Absperrungen. Der Ortskern war gestern fast den ganzen Tag über gesperrt. „Das ,Nautic‘ ist ein Stück Geschichte“, sagte Chrysander Wittfoth. Auch Udo Fietz, der beim Spaziergang mit dem Hund Rauch aufsteigen sah, konnte es nicht glauben. „Schrecklich. Das ,Nautic‘ stand doch kurz vor der Eröffnung.“ Juwelier Mike Lindner, dem der Komplex gehört, war sichtlich getroffen. „Es ist ein Déjà-vu. Das hatten wir 1965/66 schon mal. Damals stand ich als Sechsjähriger auch hier.“

• Bildergalerie und Video zu Timmendorf unter ln-online.de/Lokales/Ostholstein/Feuer-im-Nautic-Club

Restaurant im Juli eröffnet – doch der Club blieb zu

After-WorkPartys, ein Gastspiel von DJ Tomekk, eine „White Night“: In den „Nautic Garden“ war nach der Wiedereröffnung im Juli dieses Jahres wieder Leben eingezogen. Das Restaurant mit Außenterrasse lockte mit edlen Speisen und Sonderveranstaltungen gehobenes Publikum – so, wie es der neue „Nautic“-Chef Philipp Klein-Dohse auch angekündigt hatte. Der 29-jährige IT-Unternehmer hatte den Komplex im Herbst 2015 übernommen, im Oktober 2015 wurde eine „Abriss-Party“

gefeiert, dann rückten die Handwerker an.

Klein-Dohse – der gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war – plante nach eigenen Angaben eine Totalsanierung der Edel-Disco, die er zu „alter Exklusivität“

zurückführen wollte. Der 410 Quadratmeter große Club sollte nicht nur umgebaut werden, sondern auch ein „sauberes Image“ erhalten, nachdem es dort vor der Schließung öfter Schlägereien gab. Die Bar sollte als lauschiger Treff auch für Einheimische wieder „Nautic Lounge“ heißen. Klein-Dohse hatte erklärt, einen siebenstelligen Betrag investieren zu wollen.

Die Eröffnung des Clubs wurde allerdings mehrfach verschoben. War zunächst vom Frühjahr 2016 die Rede, wurden dann der Juni und schließlich der Herbst als Termine genannt – doch die Lichter der Disco blieben dunkel. Dabei wurde noch im Februar auf der Berlinale die Werbetrommel gerührt: Das „Nautic“-Team richtete die Party einer Filmproduktionsfirma aus, 1500 geladene Gäste wurden mit Schampus und Wodka versorgt. Auf der Facebook-Seite des Clubs findet sich eine Stellenanzeige vom März dieses Jahres, mit der Mitarbeiter für die Gastronomie gesucht werden – das war’s. Im „Nautic Garden“ sollte jedoch am 12. November wieder gefeiert werden: Für „Timmendorf tanzt“ sollte das Lokal „in einen Club der Extraklasse“ umgewandelt werden, heißt es bei Facebook. Doch jetzt werden wohl auch im „Garden“ die Lichter vorerst aus bleiben. latz

bz/jhw/mec

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