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Ostholstein Timmendorf wird zur Riesenbaustelle
Lokales Ostholstein Timmendorf wird zur Riesenbaustelle
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19:37 16.11.2018
Diese drei Bauarbeiten sind in Timmendorfer Strand vom kommenden Jahr an geplant. Quelle: Planungs- und Ingenieurbüro Benthien/HFR
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Timmendorfer Strand

Von Herbst 2019 an müssen sich die Einwohner von Timmendorfer Strand und die Urlauber auf gleich drei Baustellen und Umleitungen in der Gemeinde einstellen. Experten stellten im Ausschuss für Umwelt, Energie und Verkehr am Donnerstagabend im Timmendorfer Rathaus erste Pläne für den Neubau der Hauptstraße sowie die Brückenersatzbauten über die Bundesstraße 76 an der Bahnhofstraße und über die Landesstraße 181 vor.

Auf der langen Tagesordnung mit 27 Punkten wurde die Vorstellung der Planer mit Spannung erwartet. Arend Schäfer vom Planungs- und Ingenieurbüro Benthien aus Neustadt, das von der Gemeinde für den Ausbau der Hauptstraße beauftragt wurde, konkretisierte seine Ideen der Umsetzung in einer Power-Point-Präsentation. Weil der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV), Niederlassung Lübeck, ebenfalls dringenden Handlungsbedarf bei den maroden Brücken an der Bahnhofstraße sowie an der L 181 sieht, entwickelten die Landesplaner Kati Dolgner, Christian Grubert sowie Arend Schäfer einen gemeinsamen Plan, um alle drei Baumaßnahmen zeitlich zu koordinieren. „Die drei Maßnahmen liegen räumlich eng beieinander“, erklärte Schäfer den Grund für eine enge Absprache. Eigentlich war erst die Ausbesserung der Hauptstraße vorgesehen – doch dann meldete sich der LBV mit seinen Sanierungsplänen. „Wir erneuern nicht die Hauptstraße und lassen uns dann die Straße durch den Umleitungsverkehr wieder kaputt fahren“, erklärte Timmendorfs Bürgermeister Robert Wagner (parteilos).

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Aus dem Ausschuss

Ein Dringlichkeitsantrag der SPD, verkehrsberuhigende Maßnahmen am Unfallschwerpunkt B 76 Abzweigung Höppnerweg zu installieren, wurde im Ausschuss für Umwelt, Energie und Verkehr abgelehnt. Die Verwaltung hatte bereits nach einem erneuten Unfall am Dienstagabend auf der Kreuzung mit einem Schreiben an die zuständige Verkehrsbehörde reagiert, das auf einen dringenden Handlungsbedarf verweist. Das berichtete Bürgermeister Robert Wagner.

Deshalb soll von Herbst 2019 an zunächst ein erster Abschnitt der insgesamt etwa einen Kilometer langen Hauptstraße ab den Bahngleisen bis zur Abzweigung Vogelsang erneuert werden. Die Sperrung erfolgt hinter der Posener Straße. Dieser Teil wird noch als Landesstraße 180 geführt, danach gilt die Hauptstraße als Strecke der Gemeinde. Parallel beginnt der LBV mit dem Abriss der Brücke an der Bahnhofstraße über die B 76. Bis zum Frühjahr 2020 sollen beide Arbeiten abgeschlossen sein.

Weiter geht es im Herbst 2020 bis Frühjahr 2021 mit dem Neubau der Brücke an der L 181 (Lübecker Straße) über die Bundesstraße 76. Damit der zweite Abschnitt der Hauptstraße von der Abzweigung Vogelsang bis zur Kreuzung B 76 als Umleitungsstrecke genutzt werden kann, startet die Gemeinde den weiteren Ausbau der Hauptstraße erst im Herbst 2021. Diverse Leitungen werden erneuert, die Fahrbahn auf sechs Meter Breite vergrößert, neue Fußwege gebaut. Auf die Bucht für die Busse hinter der Abzweigung Vogelsang soll verzichtet werden.

Robert Wagner freute sich insbesondere, dass der LBV die Bauzeiten auf Bitte der Verwaltung außerhalb der Sommersaison legen konnte und bedankte sich für das Entgegenkommen. „Das hätte der Gemeinde sonst das Genick gebrochen“, betonte Wagner mit Blick auf das hohe Verkehrsaufkommen im Sommer.

Umleitung führt durch enge Siedlungsstraßen

Dennoch wird es nervenaufreibend und eng für die Verkehrsteilnehmer während der dreijährigen Bauphase – insbesondere in Klein Timmendorf. Die Umleitungen innerorts für Fußgänger, Rad- und Autofahrer führen mitten durch die Siedlung mit den Straßen Am Bahnhof, Misdroyer Straße, Posener Straße, Klodtstraße, Teichstraße und Mühlenweg sowie die Bergstraße und die Hauptstraße ab Vogelsang. Während der Maßnahmen sollen dort Parkverbotsschilder und Halteverbote aufgestellt werden. Der LBV plant keine Behelfsbrücke – versichert jedoch, dass zumindest die Bundesstraße bis auf eine kurzzeitige Vollsperrung bei Abbruch einspurig befahrbar bleibt. „Der Verkehr auf der B 76 wird aufrechterhalten“, betonte Dolgner. Der Lkw-Verkehr soll weiträumig von Norden her kommend von Scharbeutz über Pansdorf sowie die L 181 und umgekehrt umgeleitet werden.

Ausschussmitglied Michael Strümpell (BBNP) äußerte als Erster Bedenken vor allem an den parallel vorgesehenen Bauarbeiten an der Brücke Bahnhofstraße und im ersten Teil der Hauptstraße. „Die Hauptstraße dürfen wir nicht sperren“, betonte er mit Blick auf die engen Siedlungsstraßen auf der Umleitungsstrecke. Strümpell fragte sich auch, wo die Anwohner dann noch parken können. Das werde ein Verkehrschaos, sagte er voraus. Wolfgang Hargus (BBNP) sah ebenfalls keinen Sinn darin, die beiden Maßnahmen zeitgleich auszuführen. In den Siedlungsstraßen sei kein Durchkommen für Lastwagen, die im Gewerbegebiet an- und abliefern müssen. Weiter müsse geprüft werden, ob die Fahrzeuge des ÖPNV durch die engen Straßen kommen.

Arbeiten an der Hauptstraße können nicht warten

Arend Schäfer verwies auf die Dringlichkeit der Maßnahme Hauptstraße. Die Gemeinde unterläge Zwängen, Leitungen müssen seitens des ZVO verlegt werden, so der Ingenieur. „Wir brauchen vor allem Regenwasserleitungen. Das duldet keinen Aufschub“, betonte Schäfer. Die Arbeiten sollen zudem kompakt ausgeführt werden, um die Belastungen für Anwohner und Verkehrsteilnehmer so gering wie möglich zu halten.

Die Experten arbeiten nun weiter an der Ausführungsplanung mit einer Kostenaufstellung, die im Februar 2019 im Bauausschuss vorgestellt wird. Ob die Planungen so ausgeführt werden, entscheiden dann die politischen Gremien.

Beke Zill