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Ostholstein Bürgerentscheid zum ETC: Wird jetzt wirklich saniert?
Lokales Ostholstein Bürgerentscheid zum ETC: Wird jetzt wirklich saniert?
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16:06 27.05.2019
Ist der Kampf um die Sanierung des Timmendorfer Eissport- und Tenniscentrums (ETC) jetzt beendet – oder geht er in eine neue Runde? Quelle: Sabine Latzel
Timmendorfer Strand

Auch ein nur knapp erreichtes „Ja“ ist ein „Ja“: Mit einer hauchdünnen Mehrheit von 51,7 Prozent der Stimmen votierten die Einwohner der Gemeinde Timmendorfer Strand am Sonntag für eine sofortige Grundsanierung des Eissport- und Tenniscentrums (ETC). Angesichts der bislang dafür veranschlagten Kosten von 9,7 Millionen Euro werden jedoch Befürchtungen laut, Teile der Kommunalpolitik könnten die Umsetzung erneut verzögern – wie nach dem Entscheid von 2017.

„Die Mittel sind in den Haushalt einzustellen“

Nach Bekanntwerden der Ergebnisse setzte auf Facebook eine rege Diskussion ein: „Das ist der dritte (!) Bürgerentscheid pro ETC. Lässt die Gemeinde so lange abstimmen, bis ihr das Ergebnis gefällt, oder respektiert sie jetzt endlich die Entscheidung der Bürger?“ hieß es da. Oder: „Da kommt bestimmt noch ein vierter Bürgerentscheid . . .“ Im Jahr 2004 stimmten 76 Prozent der Timmendorfer für den Fortbestand des ETC, 2017 waren 83 Prozent.

Dagegen nehmen sich die aktuellen 51,7 Prozent nicht überwältigend aus, dennoch freuen sich die Initiatoren des Bürgerentscheids. „Der Auftrag an die Politik ist nun klar“, sagt deren Vertreter Stefan Horstmann. „Die Mittel für die Sanierung sind in den Haushalt einzustellen, es gibt keinen Grund für Verzögerungen.“ Die Initiatoren würden aufpassen, „dass die Aufträge zur Sanierung zügig vergeben werden, damit das Fördergeld abgerufen werden kann“.

Zwei Millionen Euro Fördergeld sollen jetzt abgerufen werden

Damit sind die bis zu zwei Millionen Euro gemeint, die von der Sportstättenförderung des Landes kommen könnten. „Dieses Fördergeld ist bis zum 31. August abrufbar, da sind wir auf der sicheren Seite“, berichtet der Timmendorfer Bürgermeister Robert Wagner (parteilos). Die Verwaltung habe mit dem Entscheid einen eindeutigen Auftrag bekommen, „jetzt bringen wir die Ausschreibungen auf den aktuellen Stand“. Gewiss könnten die Aufträge erst vergeben werden, wenn die Politik zugestimmt habe. „Aber wir werden unsere Arbeit auf jeden Fall ordentlich machen“, sagt Wagner.

Die Ausschreibungen sollen auf den neuesten Stand gebracht werden, kündigt Bürgermeister Robert Wagner an. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Ob es bei den bisher geschätzten 9,7 Millionen Euro Sanierungskosten bleibt, ist nach Ansicht des Bürgermeisters nicht sicher. „Das muss geprüft werden, und dann werden wir sehen, welche Endsumme ans Tageslicht kommt.“ Gewiss stellten sich für die Gemeinde auch Fragen wie „Was realisieren wir wann?“ beziehungsweise „Wofür haben wir noch Geld?“ Doch er sei nicht pessimistisch, meint der Bürgermeister: „Es gibt immer Lösungen.“

Christian Freitag, Ortsvorsitzender der Timmendorfer CDU sagt: „Ich hoffe, dass jetzt alle an einem Strang ziehen.“ Seine Partei hatte für ein „Ja“ beim Bürgerentscheid geworben. Es müsse nun eine ordentliche Finanzierung auf die Beine gestellt werden, etwa durch den Bau eines Hotels neben dem ETC – „allerdings keinesfalls im Alten Kurpark“. Hotelgewerbe im Quartier rund ums ETC stehe jedoch mit dem Ortsentwicklungskonzept im Einklang. Freitag beruhigt zudem alle, die sich eine neue Halle wünschen: „Die Sanierung ist faktisch wie ein Neubau.“

Die Vertreter der Timmendorfer Grünen hatten sich bereits am Wahlabend erfreut über das Ergebnis gezeigt und gefordert, den Bürgerwillen jetzt zügig umzusetzen. So sieht es auch die FDP, deren Gemeindevertreter Sven Partheil in einem Video alle Timmendorfer Parteien dazu auffordert, sich an einen Tisch zu setzen: „Es dürfen nicht wieder zwei Jahre ins Land gehen.“

Neubau-Befürworter will sich an den Beschluss halten

Als fairer Verlierer will sich Michael Strümpell vom Bürgerbündnis „Neue Perspektive“ (BBNP) zeigen, dessen Mitglieder im Vorfeld massiv für ein „Nein“ beim Entscheid geworben hatten. „Das ist ein demokratischer Beschluss, an den wir uns halten werden“, erklärt er. Zwar bedauert er, dass die Mehrheit in der Gemeindevertretung eine Gegenfrage verhindert hatte. „Sonst hätte man auch nach einem Neubau fragen können, und dafür hätten wir bestimmt genügend Stimmen bekommen.“

Jetzt aber sei die Verwaltung am Zug, sagt Strümpell. Dass sich die Machtverhältnisse in der Timmendorfer Gemeindevertretung zugunsten der Sanierungsgegner verschoben haben, werde keine Rolle spielen. Bislang gab es eine Art Patt: Die Sanierungsbefürworter von CDU, Grünen und FDP stellten 14 Abgeordnete – genauso viele wie die Neubau-Fraktion aus WUB, BBNP und SPD. Mittlerweile ist aber die Gemeindevertreterin Anna-Maria Braetsch-Hamkens von der CDU zum BBNP gewechselt, womit es bei einer Abstimmung 15:13 für die Neubau-Befürworter stünde.

Veränderte Mehrheitsverhältnisse sollen nicht ausgenutzt werden

„Es ist nicht unsere Absicht, das auszuspielen“, versichert Strümpell. Die BBNP werde sich künftig vielmehr um die Refinanzierung kümmern, „denn wir werden riesige Summen im Haushalt aufstellen müssen“.

Seine Fraktion werde nicht automatisch zustimmen, hatte hingegen Jörn Eckert von der SPD am Sonntagabend erklärt und bedauert, dass der Ort „gespalten“ sei, wie das knappe Ergebnis zeige. Bei 2201 „Ja“- und 2060 „Nein“-Stimmen gaben lediglich 141 Stimmen den Ausschlag.

Timmendorfer Strand war, ist und bleibt im Umgang mit dem ETC zwiegespalten“, äußert sich auch die Fraktionsvorsitzende der WUB, Kerstin Raber. Das Ergebnis überrasche nicht, „es betrübt“ und zeige, wie schwierig es sei, „dieser komplexen Angelegenheit im Sinne aller Bürger gerecht zu werden.“ Nun bedürfe es laut Raber „erheblichen diplomatischen Geschicks und ein aufeinander Zugehen aller Beteiligten, um das Ergebnis dieser Abstimmung vernünftig und für den Ort verträglich umzusetzen“. Wie genau die WUB mit dem Ergebnis umgehen wird, sollte am Montag beraten werdeb.

Alle ETC-Informationen zum Nachlesen

Sämtliche Berichte zum ETC finden sich hier.

Der Live-Ticker zum Bürgerentscheid vom Sonntagabend ist hier zu finden.

Sabine Latzel

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