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Ostholstein Gefährliches Jakobskreuzkraut breitet sich in Niendorf aus
Lokales Ostholstein Gefährliches Jakobskreuzkraut breitet sich in Niendorf aus
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21:23 22.07.2019
Das gefährliche Jakobskreuzkraut wuchert am Zaun des neuen Spielplatzes in Niendorf. Quelle: Saskia Bücker
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Niendorf/Ostsee

Ulf Hönicke ist besorgt. Erst Mitte Juni ist gegenüber vom Edeka-Parkplatz im Niendorfer Pangani-Weg ein neuer Spielplatz eingeweiht worden. Der Rentner geht dort regelmäßig spazieren und hat etwas entdeckt, das ihm keine Ruhe mehr lässt. „Da wächst das giftige Jakobskreuzkraut“, berichtet der Anwohner.

Bei einem Blick an den Spielplatz-Zaun fallen die gelb leuchtenden Blüten sofort ins Auge. Dahinter befindet sich ein Regen-Auffangbecken, auf der Grünfläche ringsherum wuchern die Pflanzen überall. Auch im Neubaugebiet „Blumenkoppel“ und an der B 76 Richtung Travemünde breiten sich die Korbblütler aus.

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So sieht das Jakobskreuzkraut am Spielplatz in Niendorf gegenüber vom Edeka aus. Gefährlich für Pferde, für Bienen und Hummeln aber nicht giftig. Quelle: Saskia Bücker

Jakobskreuzkraut: Gefährlich für Säugetiere

Das Problem mit dem Gewächs, das unter den Namen Jakobskraut, Jakobskreuzkraut und Jakobgreiskraut bekannt ist: „Es ist mehr oder weniger giftig für Säugetiere und Menschen“, sagt Reinhard Degener vom Landesarbeitskreis Naturschutz vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Harmlos sei es hingegen für Nektar saugende Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Für diese bilde das Jakobskreuzkraut eine wichtige Nektarquelle.

„Für Kinder auf dem Spielplatz wäre es nur gefährlich, wenn sie mehrere der bitteren Pflanzen aufessen würden“, erklärt Degener. Nicht nur deren Verzehr kann gefährlich werden. Heiko Hamer von der Gärtnerei Hamer in Altenkrempe berichtet: „Die Pflanze ist giftig und es kann zu Hautreizungen kommen.“

Wissenswertes zum Jakobskreuzkraut

Das Jakobsgreiskraut beziehungsweise Jakobskreuzkraut ist laut Pflanzen-Ratgeber eine mit giftigen Alkaloid-Stoffen versetzte Staude. Es wächst von Juli bis September und sticht durch seine gelben, mehrblättrigen Zungenblüten hervor. Die Blätter sind kahl oder zerstreut spinnwebig behaart. Das Korbblüten-Gewächs fühlt sich besonders wohl auf Wiesen, Weiden, Halbtrockenrasen, an Böschungen und Waldrändern.

Der Fachdienst Umwelt der Gemeinde Timmendorfer Strand ist bereits informiert. Ab nächster Woche werde man in Kooperation mit einem Gartenbau-Unternehmen rigoros gegen das Jakobskreuzkraut in Niendorf vorgehen, sagte eine Mitarbeiterin. Die Gemeinde vermute, dass sich das Jakobskraut erst durch die Neubau-Maßnahmen am Supermarkt sowie im Neubaugebiet und die dadurch entstandenen Brachflächen so schnell ausbreiten konnte.

Niendorf: Fachdienst entfernt Jakobskraut

Der Fachdienst empfiehlt Eltern, darauf zu achten, dass Kinder sich die Pflanzen nicht in den Mund stecken sollen. Mit großer Sorge betrachtet der Fachdienst zudem die möglichen Auswirkungen auf Rinder und Pferde. Gelangt das Kraut ins Heu, fressen es die Tiere mit. „Die Giftstoffe können sich dauerhaft in der Leber anreichern“, erklärt der Fachdienst. Das könne zu Schäden führen, bis hin zu tödlichen Folgen. Das Gift wirke langsam. Pferde reagierten innerhalb von drei Wochen, Rinder bekämen die Leberschäden nach einem halben Jahr.

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Der Fachdienst empfiehlt deshalb auch Privathaushalten, im Garten auftauchendes Jakobskraut zu entfernen. Die Pflanzen müssten händisch ausgegraben werden. „Mähen bringt da nichts, dann geht das Jakobskraut in Notreife und produziert innerhalb von zwei Tagen reife Samen“, erklärt der Fachdienst. Das Jakobskreuzkraut sei extrem widerstandsfähig, ein restloses Entfernen in der Gemeinde sei quasi unmöglich. Wichtig sei es trotzdem, in den kommenden vier Wochen so weit es geht gegen das Kraut vorzugehen. Danach fliegen die Samen durch die Luft – und geraten so noch einfacher ins Heu auf den Wiesen.

Saskia Bücker