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Ostholstein Robert Wagner: „Es ist ein harter Job, der viel Freude macht“
Lokales Ostholstein Robert Wagner: „Es ist ein harter Job, der viel Freude macht“
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13:01 30.06.2019
Robert Wagner (41) ist seit einem Jahr Bürgermeister von Timmendorfer Strand. Quelle: Sabine Latzel
Timmendorfer Strand

Robert Wagner hat am 1. Juli 2018 sein Amt als Bürgermeister von Timmendorfer Strand angetreten. Im LN-Interview spricht er über diese Zeit und die Zukunft der Gemeinde.

Herr Wagner, Sie sind seit einem Jahr Bürgermeister von Timmendorfer Strand – haben Sie es schon bereut?

Nein, ich verstehe das immer noch als Berufung. Aber die Frage ist berechtigt, es ist ein harter Job. Die Tage sind lang und die Nächte kurz, wenn man den Anspruch hat, es richtig zu machen.

Haben Sie ein Lieblingsthema?

Das ETC-Thema macht mir Freude, weil dort unheimlich viel Potenzial vorhanden ist und es querbeet alle in der Gesellschaft erreicht, auch überregional.

Wie sieht Ihr Fahrplan für das ETC aus?

Der Bürgerentscheid soll in den zwei Jahren der rechtlichen Bindungsfrist natürlich auch umgesetzt werden, sonst fällt mir das auf die Füße. Das bedeutet: unverzügliche Sanierung im Bestand und überlegen, welchen Mehrwert wir dem Gebäude und dem Grundstück abgewinnen können.

Auch ein neues Hotel?

Ich würde es nicht ausschließen. Wir dürfen die Wirtschaftlichkeit nicht vergessen. Nur mit dem ETC bleibt das Grundstück hinter seinen Möglichkeiten zurück.

„Wir haben ein Problem mit illegaler Ferienvermietung

Bezahlbarer Wohnraum wird regelmäßig gefordert. Wie kommen Sie damit voran?

Auf der Blumenkoppel in Niendorf gibt es zwei voll erschlossene Flurstücke. Wir verhandeln mit einer Entwicklungsgesellschaft, die dort 50 bis 60 Mietwohnungen errichten will. Und ein privater Investor will nahe des Vogelsang bis zu 120 Einheiten bauen.

Was ist mit der illegalen Ferienvermietung im Ort? Wird die Verwaltung dagegen vorgehen?

Wir haben ein Problem mit der illegalen Ferienvermietung, denn das sind Wohnungen, die dem Markt entzogen werden. Das macht – bedingt – eine Gesellschaft kaputt. Wir haben zwar die B-Pläne, die oftmals eine Ferienvermietung ausschließen, man könnte dementsprechend kontrollieren. Aber wo man anfängt, muss die Politik entscheiden.

Fürchten Sie nicht, sich mit einer solchen Maßnahme unbeliebt zu machen?

Auf jeden Fall bräuchten wir Übergangsfristen für ein gutes Miteinander. Diese Vermietung hat ja bei vielen Menschen Tradition, und oftmals hängen davon auch Finanzierungen ab.

„Viele Beschwerden nach dem letzten Silvester“

Wie stehen Sie zu den im Rahmen des Klimaschutzes diskutierten Feuerwerksverboten?

Ich bin dafür. Wir haben in der Gemeinde zahlreiche reetgedeckte Häuser und viel Flora und Fauna. Zudem gab viele Beschwerden nach dem letzten Silvester.

Was heißt das für Silvester 2019?

Die Tourismus GmbH wurde aufgefordert zu überlegen, was zu Silvester an der Maritim-Seebrücke und am Niendorfer Balkon machbar ist, zum Beispiel eine Laser-Show oder Wasserspiele. Und wenn die Politik folgt, würden wir dann Feuerwerk verbieten.

Ist Umweltschutz auch ein Marketing-Faktor – oder muss man weiterhin mit dem Porsche nach Timmendorfer Strand kommen können?

Der Porsche gehört bei einer Top-Destination dazu, ebenso wie kleine Hunde und tolle Handtaschen. Aber wir sind dennoch das Ostseebad im Grünen, mit einzigartiger Flora und Fauna. Wer hat schon die Ostsee auf der einen Seite und den Hemmelsdorfer See im Binnenland?

„Die Lübecker Bucht wird durch jeden Seebrücken-Neubau bereichert“

Der Masterplan für Timmendorf sieht den Neubau eines Rathauses am Höppnerweg vor. Wie stehen Sie dazu?

In meiner ersten Amtszeit sehe ich keinen Rathaus-Neubau. Ich glaube auch nicht, dass es dazu in den nächsten fünf Jahren kommt, weil wir Projekte wie das ETC und die Maritim-Seebrücke haben, bei denen wir die Zeitschienen für die Umsetzung beachten müssen.

Stichwort Seebrücke: Scharbeutz und Haffkrug haben spektakuläre Entwürfe für Neubauten vorgelegt. Bringt das Timmendorfer Strand nicht in Zugzwang?

Wir veranstalten am 21. August einen Workshop mit dem Büro, das aus unserem Wettbewerb als Sieger hervorgegangen ist, um letzte Details zu klären. Wir werden auf jeden Fall etwas anderes bekommen als Scharbeutz und Haffkrug, mit einem Rundgang. Die Lübecker Bucht wird durch jeden Seebrücken-Neubau bereichert.

Vom Rheinland an die Ostsee

Der parteilose Robert Wagner (41) aus Aachen hat als Verwaltungsbeamter im Bundeswehr-Dienstleistungszentrum gearbeitet. Er kandidierte im Dezember 2014 – erfolglos – für das Bürgermeisteramt auf Sylt. In Timmendorfer Strand bekam er als Kandidat von CDU, WUB, FDP und dem Bürgerbündnis „Neue Perspektive“ im April 2018 im ersten Wahlgang 47,8 Prozent und setzte sich bei der Stichwahl mit 58,6 Prozent gegen die damalige Amtsinhaberin Hatice Kara (SPD) durch.

Der Personalmangel im öffentlichen Dienst spitzt sich zu. Findet die Timmendorfer Verwaltung noch genügend Mitarbeiter?

Wir merken bei allen Ausschreibungen, dass der Fachkräftemangel den öffentlichen Dienst erreicht hat. Außerdem können sie ihr Geld im Binnenland einfacher verdienen als an der Küste: Hier wird es nie langweilig, aber es ist auch sehr arbeitsintensiv. Es gibt Verwaltungen, die ruhiger arbeiten, weil sie weniger Geld haben oder weniger innovative Projekte.

„Ich fühle mich hier menschlich akzeptiert“

Gibt es in Timmendorfer Strand Probleme wegen unbesetzter Stellen? In den vergangenen Monaten sollen einige Mitarbeiter in andere Gemeinden gewechselt sein.

Der Fachbereich 3 (Tourismus, Bauen, Umwelt und Immobilien, d. Red.) ist mein Sorgenkind, dort ist die Leitungsposition leider nicht besetzt. Alle anderen Bereiche sind gut aufgestellt. Im Übrigen sind immer Abgänge zu verzeichnen, wenn eine Leitungsposition neu besetzt wird. Es wird noch dauern, bis ich meine verlässliche Mannschaft zusammen habe.

Sind Sie hier als Rheinländer an der Ostsee angekommen?

Ja, ich fühle mich hier menschlich akzeptiert. Ich bin ins Zentrum gezogen und kann zum ersten Mal in meinem Leben zu Fuß zur Arbeit gehen. Jetzt habe ich auch noch einen Hund, einen fünf Monate alten Boston-Terrier – und über das Tier kommen Sie zusätzlich mit den Menschen ins Gespräch.

Bleibt Ihnen noch Zeit für Hobbys?

Der Hund ist mein Hobby, und ich hoffe, dass ich noch einmal aufs Pferd komme – ich bin ja auch Hobby-Reiter. Aber generell brauche ich wenige Erholungsphasen, weil ich schon aus einem guten Gespräch oder einem anerkennenden Satz viel Kraft ziehe.

Von Sabine Latzel und Gerald Goetsch

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