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Lokales Ostholstein Tiny Houses aus Ostholstein
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12:42 04.03.2019
Zimmermeister Friedhelm Germann aus Bad Schwartau baut seit zweieinhalb Jahren Tiny Houses. Er will die Häuser individuell planen und keine Serie produzieren. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Bad Schwartau/Grube

 Aussteiger-Immobilie, Wohnsitz für Minimalisten – wer den Begriff Tiny Houses hört und kennt, hat schnell ein Bild von möglichen Käufern im Kopf. Doch so klischeehaft ist es nicht. Immer mehr Menschen in Ostholstein – mit unterschiedlichen Hintergründen und Motiven – interessieren sich für die kleinen Häuser, die auf Anhängern stehen.

Zimmermeister Friedhelm Germann aus Bad Schwartau hat vor zweieinhalb Jahren in seiner Werkstatt mit dem Bau seines ersten kleinen Hauses begonnen. „Das erste Mal habe ich vor fünf/sechs Jahren in einer Zeitschrift etwas über Tiny Houses gelesen. Der Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen“, erzählt er rückblickend. Also hat sich Germann einen Anhänger und Baupläne besorgt. Letztere kamen aus den USA. „Die konnte ich nicht umsetzen. Dort gibt es beim Gewicht keine Grenzen. Die Strom- und Wasseranschlüsse sind anders. Gedanklich waren sie aber hilfreich“, betont er.

Unternehmer aus Grube baut Häuser

Den Trend erkannt hat auch Helge Siems aus Grube und das Unternehmen Villa on Wheels gegründet. Zwei Musterhäuser – eines 17, das andere 23 Quadratmeter groß – stehen auf seinem Grundstück. Zusammen mit einer Leipziger Zimmerei und dem Ostholsteiner Handwerker Markus Delz fertigt er die Mini-Häuser. „Die Bauzeit beträgt etwa drei Monate, je nach Aufwand der Innenausstattung. Der Preis beträgt zwischen 30 000 und 70 000 Euro“, sagt Siems.

Helge Siems (l.) ist in das Geschäft mit den Tiny Houses eingestiegen. Zwei seiner Objekte stehen in Grube. Handwerker Markus Delz gehört zum Team. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Nachfrage ist vorhanden

Germann und Siems sind davon überzeugt, dass es einen Markt für die Tiny Houses gibt. Der Schwartauer erzählt von vier Wochenenden, die er mit einem Haus auf dem Lübecker Ikea-Parkplatz verbracht habe. „Die haben uns die Bude eingerannt. Das Interesse war da.“ Helge Siems indes erläutert, dass man in den kleinen Häusern sowohl dauerhaft wohnen könne, als auch nur temporär. „Ich kann sie als Gästezimmer oder Büro nutzen. Die Tiny Houses sind eine Mischung aus Mobilheim und Wohnwagen“, erklärt er. Ersteres könne nur mit Kran und Schwertransporter bewegt werden. Letzterer sei für Urlaubsreisen nach Spanien geeignet.

Damit ein Tiny House bewegt werden darf, müssen bestimmte Regeln eingehalten werden. Friedhelm Germann nennt die Maximalmaße. Mehr als 3,5 Tonnen seien nicht erlaubt, wenn man ein Objekt ohne Sondererlaubnis befördern wolle. Hinzu kämen eine Breite von 2,55 und eine Höhe von vier Metern.

Baurecht sorgt für Verunsicherung

Stellt sich die Frage, wo ein Tiny House stehen darf und welche Art von Nutzung erlaubt ist. Nils Hollerbach, Fachbereichsleiter Planung, Bau und Umwelt vom Kreis Ostholstein, betont, dass geltendes Baurecht selbstverständlich eingehalten werden müsse. „Generell gilt, dass es in allgemeinen Wohngebieten und Mischgebieten zulässig wäre“, sagt Hollerbach. Als problematisch bezeichnet er die Landesbauordnung. Dort seien Standards wie die Energiesituation festgelegt sowie statische Anforderungen, die eingehalten werden müssten. Hollerbach teilt mit, dass es Anfragen von Bürgern gebe, jedoch nur das Aufstellen auf Campingplätzen genehmigt werden könne.

Dirk Hundertmark, Sprecher des Innenministeriums des Landes, bewertet die Lage teilweise anders. Wohngebäude, also auch Tiny Houses müssten die geltenden Regelungen der Landesbauordnung einhalten. „Dies gilt insbesondere für den Brandschutz und die Standsicherheit. Wenn Tiny Houses als dauerhafte Wohnung genutzt werden sollen, sind auch die in der Landesbauordnung festgelegten Anforderungen hinsichtlich der Raumhöhe zu erfüllen. Eine Mindestfläche der Wohnräume ist nicht vorgeschrieben. Wohngebäude zum Dauerwohnen bedürfen darüber hinaus einer Wärmedämmung, die den Vorgaben der Energieeinsparverordnung entspricht“, führt er aus. Mit den heutigen Bau- und Dämmstoffen seien die gesetzlichen Anforderungen problemlos zu erreichen.

Fichtenholz und wenig Gewicht

Friedhelm Germann entgegnet, dass eine 100-prozentige energetische Bauweise schwierig sei. Die Außenwände würden noch dicker werden und sich die Wohnfläche dementsprechend verringern. Hinzu komme das Gewicht. Er nutze bereits Fichtenholz, welches als verhältnismäßig leicht gelte, und hoble die einzelnen Holzelemente entsprechend dünn.

Der Trend greift um sich: Viele Menschen interessieren sich für Tiny Houses. Ein Bad Schwartauer Zimmermeister sowie ein Unternehmen in Grube stellen die Häuschen her.

Der Sprecher des Innenministeriums sieht derzeit keinen Handlungsbedarf: „An städtebaulich geeigneter Stelle kann bereits heute die Aufstellung von Tiny Houses durch einen Bebauungsplan der zuständigen Gemeinde zugelassen werden. Deshalb wird derzeit weder eine Erfordernis für spezifische Änderungen des Bauplanungsrechts noch des Bauordnungsrechts gesehen.“

Trotz der von einigen als hoch empfundenen Hürden, werden Tiny Houses immer präsenter. Dies zeigt nicht nur der geschilderte Besucheransturm auf dem Parkplatz. „Es gibt Fragen nach den baurechtlichen Bedingungen für die Nutzung von Tiny Houses als Wohnmobil, als Wochenend- und Ferienhaus bis hin zu Tiny-House-Dörfern. Genau hier liegt die Herausforderung: Ein Tiny House kann sehr unterschiedlich ausgestaltet und genutzt werden; dementsprechend sind auch unterschiedliche baurechtliche Vorgaben zu beachten“, sagt Dirk Hundertmark.

Tiny Houses: Bauprojekte im Norden

Tiny Houses gewinnen an Bedeutung. In den vergangenen Monaten haben die LN mehrfach berichtet:

Im Kreis Segeberg soll eine Tiny-Houses-Siedlung entstehen.

Im Kreis Herzogtum Lauenburg wurden Pläne bekannt, einen Wohnpark mit Tiny Houses zu errichten.

In Lübeck indes wurde über die schwierige Grundstückssuche berichtet.

Sebastian Rosenkötter

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