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Ostholstein Kartentricks von Zauberhand
Lokales Ostholstein Kartentricks von Zauberhand
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18:53 07.12.2018
Karten sind das Element von Zaubertalent Tjark Schlößer (16) aus Lensahn. Quelle: Binder
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Lensahn

Eine Kindergartenfreundin hat Tjark Schlößer mal einen Zaubertrick gezeigt. So fing es an. „Ich wollte das auch können“, sagt der heute 16-jährige Lensahner rückblickend. Ein Zauberkasten nach dem anderen wurde verschlissen, später auch im Internet recherchiert. Mittlerweile ist Tjark auf Kartentricks spezialisiert und gehört hier zu den Besten in seiner Altersgruppe. Bei der Deutschen Jugendmeisterschaft hat er in dieser Kategorie vor Kurzem sogar den ersten Platz belegt.

Training, wann immer Zeit ist – sogar im Unterricht

Ein bis zwei Stunden am Tag trainiert der junge Zauberkünstler im Schnitt, vor der Meisterschaft waren es sogar vier. Das Schöne an seinem Hobby sei, dass er nichts vorbereiten müsse und es immer dann ausüben könne, wenn gerade Zeit sei, sagt Tjark. Manchmal sogar im Schulunterricht, wo er zwischendurch gerne mal seine Stifte verschwinden lässt.

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An der Arbeit mit Spielkarten gefalle ihm, dass „man mit einem einfachen Alltagsgegenstand so viele unterschiedliche Dinge zeigen kann“. Wie viele das tatsächlich sind, wird bei einer kurzen Demonstration deutlich: Mit einer einfachen Handbewegung verwandelt der Nachwuchsmagier Joker in Könige oder lässt sie ganz verschwinden, zerreißt Karten und setzt sie anschließend wieder zusammen, und holt sogar ein ganzes Kartenspiel von Zauberhand aus einer eben noch leeren Schachtel.

Technik ist wichtig, aber nicht alles

„Am wichtigsten ist Fingerfertigkeit“, sagt Tjark. Dabei kommt ihm ein weiteres Hobby zugute: das Klavierspiel. Und auch das Karatetraining helfe bei der Zauberei, sagt der 16-Jährige: Dort lerne er Geduld; auch dort würden Techniken immer und immer wiederholt, bis man sie aus dem Effeff anwenden könne. Genauso sei es bei Kartentricks: „Manche Sachen übe ich seit zwei oder drei Jahren und es klappt immer noch nicht“, sagt der Lensahner. Doch wo andere längst verzweifelt wären, kommt Aufgeben für ihn nicht infrage: „Irgendwann schaffe ich es – und das ist dann ein ziemlich cooles Gefühl, das motiviert mich.“

Mit Technik allein ist es bei einem Auftritt – Tjark hat unter anderem schon auf Hochzeiten oder in Seniorenheimen gezaubert – allerdings nicht getan. Es geht vor allem darum, das Publikum zu unterhalten. Der Lensahner setzt dabei auf Humor, kommentiert seine Nummern scherzhaft und nimmt sich dabei auch selbst auf die Schippe. Auch die Zuschauer werden eingebunden, dürfen sich zum Beispiel Karten aussuchen, die dann prompt hervorgezaubert werden.

Tjarks Schwester Jule (9) bekommt neue Nummern stets als erste zusehen. Quelle: BINDER

Bei der Meisterschaft des Magischen Zirkels in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) übernahmen diese Rolle die Juroren – fünf Zauberprofis. Die Situation sei insofern etwas anders gewesen, erzählt Tjark, „ziemlich aufregend“. Zumal im Publikum außerdem noch 50 oder 60 junge Zauberkünstler gesessen hätten, allesamt weitere Wettbewerbsteilnehmer. „Die schauen natürlich ganz genau hin.“

Die kritischsten Zuschauer sind die Verwandten

Das strengste Publikum ist und bleibt aber seine Familie, erzählt Tjark. Schwester Jule (9) weise ihn mit Freuden darauf hin, wenn sie einen seiner Tricks durchschaue, und auch seine Eltern sähen sofort, wenn mal eine Handbewegung zu langsam ausgeführt werde. „Wir sind sehr kritisch“, bestätigt Vater Matthias Schlößer schmunzelnd. Er könne zwar selbst nicht zaubern, sei als Zuschauer aber inzwischen ein echter Experte: „Bei Kartentricks macht mir so schnell keiner mehr was vor.“ Da habe sein Sohn seine Illusionen zerstört, scherzt er. Und genau genommen nicht nur da: Als sie einmal zusammen zu einem Auftritt der „Ehrlich Brothers“ nach Lübeck gefahren seien, habe Tjark ihm während der Show ständig erklärt, wie die Tricks funktionierten, berichtet der Vater.

Alle Nummern habe er aber nicht durchschaut, stellt Tjark klar, „das war schon spektakulär“. Noch beeindruckender als die „großen“ Illusionen finde er allerdings die schlichten Zaubertricks. „Ich mag Sachen mit Alltagsgegenständen, die man dem Publikum direkt zeigen kann, ohne großen Aufbau.“ So wie mit Spielkarten eben.

Mehr zum Magischen Zirkel und zur Meisterschaft unter www.mzvd.de.

Jennifer Binder

07.12.2018
07.12.2018