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Ostholstein Torben isst nie wieder Äpfel aus Neuseeland
Lokales Ostholstein Torben isst nie wieder Äpfel aus Neuseeland
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20:36 14.01.2015
Eindrücke aus Japan: Menschengewimmel auf einer Kreuzung im Tokioter Stadtviertel Shibuya — und Lucca Schwitalla mittendrin. Quelle: Fotos: hfr

Mit „Work & Travel“ (zu deutsch: arbeiten und reisen) finanzierten die beiden Ostholsteiner Torben Schönle und Lucca Schwitalla eine Reise zum anderen Ende der Welt, bestiegen Vulkane, staunten über märchenhafte Fjorde und saugten Begegnungen mit Menschen, Kulturen und Landschaften in Neuseeland, aber auch in Australien, Thailand, Malaysia, Singapur, Dubai und Japan in sich auf.

Torben Schönle aus Kellenhusen und Lucca Schwitalla aus Kabelhorst wollten nach der Schule nicht gleich ins Studium einsteigen, erleben stattdessen mit „Work & Travel“ Neuseeland und bereisen andere Länder.

Schule, Abi, Studium — aus dieser „gesellschaftlichen Zwangskonvention“ wollten Torben Schönle und Lucca Schwitalla ausbrechen. Auf einer Party kamen die beiden ehemaligen Klassenkameraden und frischgebackenen Abiturienten ins Gespräch. Sie wollten reisen, Zeit haben, um sich Gedanken über den weiteren Lebensweg zu machen, aber auch um Selbstständigkeit zu lernen. Als Reiseziel einigten sich die beiden auf Neuseeland. „Man spricht die Sprache, außerdem ist es für Touristen dort nicht gefährlich“, erläutert Torben Schönle die Wahl. Die „traumhafte, facettenreiche Landschaft“ und auch die vielen Kontraste hätten ebenfalls ihren Ausschlag dafür gegeben, an das „geografisch isolierte Ende der Welt“ zu reisen.

Vor dem Aufbruch in das gemeinsame Abenteuer arbeiten beide in der Gastronomie, verdienen sich damit einen Großteil der Reisekosten. Die Arbeit in den Ländern vor Ort habe eigentlich nur dazu gedient, die Lebenshaltungskosten zu decken, erklärt Torben Schönle.

Erste Station der Reise ist Nelson im Norden der neuseeländischen Südinsel. Hier arbeiten die zwei zunächst anderthalb Monate im Jugendhostel, wollen erstmal ankommen und sich akklimatisieren. Sie putzen das Haus, den Pool und die Toiletten, holen andere Gäste — saisonal bedingt — auch schon mal im Weihnachtskostüm ab. Für die Weiterreise wird dann ein Auto gebraucht. „Zunächst mal haben wir ganz viele Autohändler getroffen, die uns alle übers Ohr hauen wollten“, sagt Torben Schönle mit einem verschmitzten Lächeln. Dann geraten sie an zwei Franzosen, die das Land verlassen wollen, kaufen deren Wagen, bauen eine Bettkonstruktion ein, beladen ihn mit Wasserkanister, Gaskocher, Zelt und anderen Campingutensilien.

Zunächst fahren die beiden an der Westküste der Südinsel gen Süden. Der erste große Ort für einen längeren Aufenthalt ist Queenstown, auch als Hauptstadt der Extremsporten bekannt. Lucca wagt sich dort an einen Bungee-Sprung. Als eine der prägendsten landschaftlichen Erlebnisse wartet auf die beiden im Landesinneren der Milford-Sound-Fjord. „Hunderte von Wasserfällen, faszinierende Straßen, Steilhänge“ hat Torben Schönle diese „regelrecht unwirkliche Natur“ immer noch vor seinem geistigen Auge.

Sagenhafte Sonnenuntergänge erwarten die beiden in Bluff. In Hastings auf der Nordinsel arbeiten sie als Apfelpflücker. „Äpfel werden dort auf jeder Farm im erschütternden Ausmaß mit Pestiziden besprüht, ganz gleich ob teure oder billige Sorten. Pflücker erkranken, weil es an simpelster Schutzausstattung wie Plastikhandschuhen fehlt. Äpfel aus Neuseeland — ich esse sie nicht mehr“, schildert Torben seine Erfahrungen.

Immer wieder treffen die zwei auf Maori, die Urbevölkerung Neuseelands, die heute noch rund 15 Prozent der Bevölkerung ausmacht. „Exotisch, aber sehr gastfreundlich“, erinnert sich Torben. Ein Maori ist es dann auch, der den beiden aus einer vertrackten Lage hilft: „Der Motor unseres Wagens war an, obwohl der Schlüssel abgezogen war“, sagt Torben. Der Maori kann den Wagen reparieren, der das entscheidende Kapital für die Weiterreise der Freunde darstellt.

Im Tongariro-Massiv besteigen Torben und Lucca einen aktiven Vulkan. Zwölf Stunden sind sie unterwegs und verpassen bei abrupt sinkenden Temperaturen beinahe die letzte Mitfahrgelegenheit zurück zum Zelt. Torben: „Das hätte schiefgehen können. Wir waren völlig erschöpft, aber auch stolz und glücklich.“

Auf der Reise leben beide äußerst sparsam: „Jede Toilette war für uns freies Wasser, jede Bibliothek kostenloser Strom für Handyakkus und freies Internet, um mit unseren Familien in Kontakt zu bleiben.“

Doch beiden fehlt der Kulturaustausch, Neuseeland ist ihnen „irgendwie doch zu europäisch“. Auf ihrer Rückreise über Australien, Melbourne, Thailand, Malaysia und Dubai fasziniert sie vor allem Japan. Torben: „Dieses Land ist unglaublich. Die Freundlichkeit und auch Hilfsbereitschaft der Menschen dort hat uns tief beeindruckt. Halb Tokio hat uns geholfen, ein 20 Kilometer entferntes Hostel zu finden.“

Es gibt auch Gefahren: In Thailand geraten sie in politische Unruhen. Nur wenige Häuser von ihrem Domizil entfernt explodiert eine Handgranate. Ausgangssperre. Torben muss seinen 20. Geburtstag im Haus feiern.

Sein Fazit der Reise: „Ich habe einen anderen Bezug zur Natur bekommen. Der Himmel ist in Neuseeland blauer, die Vögel lauter. Wir haben einiges auch über uns selbst auf dieser Reise gelernt.“ Auch wenn Neuseeland der längste Reiseabschnitt war, hätten die Menschen in Japan sie am meisten beeindruckt. „Da geht es irgendwann nochmal hin“, plant Torben bereits die nächste Reise.

Thomas Klatt