Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein „Tornado“ im Hansa-Park: Retter üben den Ernstfall
Lokales Ostholstein „Tornado“ im Hansa-Park: Retter üben den Ernstfall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:10 05.11.2016
Großübung im Freizeit-Spaßpark: Die Feuerwehrkameraden müssen einen Brand in der Westernstadt löschen. Quelle: Fotos: Arne Jappe
Anzeige
Sierksdorf

Schreiende Kinder und Erwachsene, stecken gebliebene Achterbahnen, umgestürzte Bäume und ein Stromausfall im Hansa-Park in Sierksdorf. Was man sonst nur aus einem Katastrophenfilm kennt, wurde am Sonnabend Realität. Zum Glück war alles nur eine groß angelegte Übung für die Einsatzkräfte diverser Organisationen aus dem Kreis Ostholstein. Insgesamt 37 Feuerwehren, der Rettungsdienst, das THW, die Schön Klinik und auch diverse Mitarbeiter des Parks waren an der Übung beteiligt – knapp 500 Einsatzkräfte plus 160 Statisten machten das Übungsszenario realitätsnah. Es war eine der größten Übungen der vergangenen Jahrzehnte.

500 Einsatzkräfte, 160 Statisten – Feuerwehr, THW und weitere Organisationen löschen Brände, befreien Menschen aus Achterbahnen und Hochseilgarten.

Den Einsatzkräften bot sich ein zerstörerisches Bild. Ein Tornado hatte mit voller Wucht das Areal des Hansa-Parks getroffen und insgesamt an neun Punkten diverse Einsatzstellen verursacht. Es galt verletzte Personen zu retten und aus ihrer teilweise misslichen Lage zu befreien. Auch mehrere Brände mussten gelöscht werden. Einige Menschen waren in Achterbahnen eingeschlossen, die durch den Stromausfall in der senkrechten Position stehen geblieben waren. In anderen Teilen des Parks, wie auf dem alten Jahrmarkt oder am Plaza del Mar waren Brände und Verletzte zu beklagen. Notärzte sichteten verletzte Personen und entschieden über die weitere Behandlung.

Anzeige

Ein großer Sammelplatz wurde durch die schnellen Einsatzgruppen des Rettungsdiensts aufgebaut, um die Verletzten zu versorgen. Stärker verletzte Personen mussten per Rettungswagen in die Schön Klink nach Neustadt gebracht werden. Hier warteten Chefarzt Professor Wolfgang Eichler und sein Team auf die Verletzten. „Selbstverständlich haben wir für diese Großschadenslage hausinterne Alarm- und Notfallpläne mit entsprechend eingewiesenen Mitarbeitern, die alle Abläufe regeln. Die heutige Übung bietet Gelegenheit, die vorhanden Strukturen zu testen und gegebenenfalls zu verbessern“ erläuterte Chefarzt Eichler.

Eine ganz besondere Herausforderung für die Einsatzkräfte bot sich im Hochseilgarten. Durch umgestürzte Bäume wurden den Besuchern die Rettungswege abgeschnitten. Sie mussten durch die Feuerwehr gerettet werden. Eine Person war in den See gestürzt und musste von der DLRG gerettet werden. Ein nicht alltäglicher Einsatz für Feuerwehr und Rettungsdienst. Erschwerend kam hinzu, dass manche Einsatzstellen nur sehr schwer zu erreichen waren. Immer wieder suchten sich Einsatzkräfte den optimalen Weg, da große Löschfahrzeuge nicht durch die engen Gassen passten. Einsatzleiter für diese Großschadenslage war Matthias Tamm, Gemeindewehrführer Sierksdorf. Er koordinierte die Einheiten der Hilfsorganisationen. Die Kommunikation unter den verschiedenen Organisationen klappt laut Tamm sehr gut. Durch die Unterstützung der Technischen Einsatzleitung des Kreises Ostholstein habe man relativ schnell eine geordnete Struktur herstellen können. Auch die Verbindung mit den Mitarbeitern des Freizeitparks habe funktioniert.

Auch Christoph Andreas Leicht, Geschäftsführer des Hansa-Parks, war zufrieden mit dem Ablauf der Übung. Man habe den Einsatzkräften gerne das Areal zur Verfügung gestellt, denn nur hier könne man ein kleines Dorf nachstellen. Auslöser war der Tornado in der Region Bützow (Mecklenburg Vorpommern) letztes Jahr im Mai oder auch der Tornado in der Stadt Oldenburg im September 2015, wo es zu großen Schäden gekommen war. Leicht betonte, dass man das Wetter im realen Betrieb stets im Blick habe und bei Unwetterwarnungen die Fahrgeschäfte sperre. Sicherheit geht vor.

Arne Jappe

Termin verschoben

Die Großübung sollte ursprünglich im November 2015 stattfinden. Jedoch waren die Rettungs- und Hilfsorganisationen damals zu stark in die Versorgung der Flüchtlinge eingebunden.

Die Planungen für ein umfangreiches Szenario mit Dutzenden „Verletzten“ liefen seit etwa einem Jahr. Fast alles war vorbereitet. Dann kam die Absage. Damals übernahmen viele Helfer die Unterbringung und Betreuung von Menschen aus anderen Ländern in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Putlos und Lübeck. „Anfang September hat sich abgezeichnet, dass wir das nicht auf die Reihe kriegen. Die Beanspruchung ist gerade ziemlich hoch und die akute Hilfe geht vor“, erklärte Torsten Behrmann, Leiter des Johanniter-Katastrophenschutzes in Eutin, damals den LN.
Ostholsteins Feuerwehrsprecher Hartmut Junge zeigte Verständnis, betonte aber auch, wie bedeutend gemeinsame Übungen sind. „Es ist wahnsinnig wichtig, das Zusammenspiel zu trainieren.“ Insbesondere bei der Versorgung von zahlreiche Verletzten müssten Rettungsdienst, Feuerwehr, Katastrophenschutz, Polizei und etliche andere Organisationen miteinander kooperieren.