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Ostholstein Sport der Extreme: Warum diese Familie den Triple-Ultra-Triathlon liebt
Lokales Ostholstein Sport der Extreme: Warum diese Familie den Triple-Ultra-Triathlon liebt
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15:38 26.07.2019
Miriam Rau startet als eine von fünf Frauen. Betreut wird sie von ihrem Freund Lars König, der selbst Finisher ist. Tochter Lucy macht beim Kinder-Triathlon mit.
Miriam Rau startet als eine von fünf Frauen. Betreut wird sie von ihrem Freund Lars König, der selbst Finisher ist. Tochter Lucy macht beim Kinder-Triathlon mit. Quelle: Luisa Jacobsen
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Lensahn

Für die achtjährige Lucy bedeutet der Triple-Ultra-Triathlon „Urlaub und Entspannung“. Für Vater Lars König (49) bedeutet er „Gemeinschaft“, für seine Freundin und Teilnehmerin Miriam Rau (48) bedeutet er „ein großes Familientreffen“. Den Begriff „Anstrengung“ benutzt kein Mitglied der Berliner Familie. Seit Jahren kommen Miriam Rau und Lars König zu der Extremsport-Veranstaltung – mal startet er und sie betreut ihn, mal andersrum. Tochter Lucy ist stets mit von der Partie, unterstützt bei der Versorgung ihrer Eltern und geht beim Kinder-Triathlon am Sonntag sogar selbst an den Start. Die Athleten erklären, wie sie den Wettkampf durchhalten und warum Miriam Rau gar nicht mal so viel dafür trainiert.

Das Ziel: Ankommen und danach noch gehen können

„Man muss es einfach wollen“, sagt Miriam Rau. Als eine von nur fünf Frauen (bei 31 Teilnehmern insgesamt) startet sie am Freitagmorgen um 7 Uhr im Waldschwimmbad Lensahn in einen Wettkampf, bei dem schon die Voraussetzung für die meisten Menschen unerreichbar scheint. Die Teilnehmer müssen eine abgeschlossene Teilnahme an einem Ironman-Triathlon oder einer vergleichbaren Distanz in den vergangenen zwei Jahren vorweisen. Miriam Rau und den anderen Startern stehen 11,4 Kilometer Schwimmen, 540 Kilometer auf dem Rad und ein Lauf über die dreifache Marathon-Distanz (126,6 Kilometer) bevor – wahrscheinlich bei Hitze und in maximal 58 Stunden.

Wie will sie das schaffen? „Bei ihr ist die mentale Einstellung entscheidend“, sagt ihr Freund Lars König. Miriam Rau nickt. „Viel trinken ist wichtig“, sagt sie. Das zu essen, was einem gut tue und zu schlafen, wenn nötig. „Das ist wie beim Autofahren, wenn es nicht mehr geht, muss man anhalten und die Augen schließen.“ Trinken, essen, kurz schlafen – das ist alles? Nicht ganz: „Wir kommen aus der Leichtathletik“, sagt Miriam Rau. Bis zum Triple-Ultra-Triathlon sei es schon ein gewisses „Reinsteigern“, ein immer neues Erweitern der eigenen Grenzen gewesen. Für die beiden stehe aber „der Spaß“ im Vordergrund. „Mein Ziel ist es, anzukommen“, sagt Miriam Rau. „Und danach noch gehen zu können.“ Perfekt wäre ihr Finish, wenn sie vor dem Start ihrer Tochter am Sonntag um 13.30 Uhr durch wäre.

Sperrungen

Der Schützenplatz in Lensahn wird in der Zeit von Mittwoch, 24. Juli, bis einschließlich Montag, 29. Juli, voll gesperrt. Bedarfshaltestellen werden für diesen Zeitraum in der Lübecker Straße in Höhe der Einmündung der Danziger Straße eingerichtet.

Die Kreisstraße 59 zwischen Lensahn und Groß Schlamin wird zudem von Freitag, 26. Juli, 9 Uhr bis Sonnabend, 27. Juli, 18 Uhr voll gesperrt. Dort findet in dieser Zeit die Raddisziplin auf einer Gesamtstrecke von 540 Kilometern statt. Umleitungsstrecken über die BAB 1, die K 46 Richtung Grömitz/Cismar und die B 501 sind ausgeschildert.

König: „Wir sind ganz normale Ultra-Triathlon-Breitensportler“

Lucy ist übrigens das Familienmitglied, deren Trainingsplan daheim in Berlin am regelmäßigsten ist. Miriam Raus letzter Wettkampf war der Double-Ultra-Triathlon in Emsdetten (Nordrhein-Westfalen) Mitte Juni. Seither sei sie „nur mal walken gewesen“. Zwischen Job und Familie bliebe oft nicht viel Zeit. Bei Teilnehmern, die Weltrekorde aufstellen oder eine persönliche Bestzeit erreichen wollen, sehe die Vorbereitung natürlich anders aus – und sicher auch bei anderen Athleten. Die Sportler seien verschieden und bei ihr funktioniere es eben auf diese Weise.

Außerdem macht sie sich keinen Druck. Zwar ist Miriam Rau bisher immer ins Ziel gekommen, aber „es ist okay, wenn man es nicht schafft“, sagt die Athletin. Ihr Freund ergänzt: Für Außenstehende sei das, was Ultra-Triathleten machen, sicher Wahnsinn. „Aber wir sind eigentlich ganz normale Ultra-Triathlon-Breitensportler.“

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300 Helfer und persönliche Betreuer kümmern sich um die Athleten

Damit Miriam Rau und die anderen 30 Athleten von Freitag an optimal versorgt sind, braucht es zahlreiche freiwillige Helfer. Vor, während und nach der Veranstaltung. 300 Freiwillige stemmen in diesem Jahr den Aufbau, die Verpflegung und die medizinische Versorgung. „Ohne die Helfer geht es nicht“, sagt Hauptorganisator und Extremsportler Wolfgang Kulow. Die Athleten werden dazu von ihren persönlichen Betreuern umsorgt. „Wir helfen beim Umziehen, füllen Flaschen auf, richten den Pavillon ein und geben Mama auch mal ein Wassereis, wenn sie möchte“, erzählt Lucy. Die Verpflegung bereiten sie größtenteils im Vorfeld zu. Auf Power-Riegel steht Miriam Rau nicht so sehr. Sie greife meist eher auf Suppen, Brühe oder kalte Kartoffeln mit Salz zurück.

Für Lucy, ihren Vater und die anderen Betreuer – Miriam Rau hat auch noch eine weitere Betreuerin – bedeutet das Wochenende ebenfalls wenig Schlaf und viel Bewegung. Letzteres gilt für Lars König im Besonderen, schließlich möchte er „eine Marathon-Strecke mitlaufen“. „Es hilft, mit jemanden zu reden“, erklärt seine Freundin. Jemanden zu haben, der einen wach und in Bewegung hält.

„Es springen auch mal andere Betreuer ein“, sagt Lars König. Die gegenseitige Unterstützung zwischen Sportlern, Betreuern und Helfern mache diese Sportveranstaltung aus. Die Szene sei wie eine Familie, die einmal im Jahr zusammenkommt und gemeinsam 11,4 Kilometer schwimmt, 540 Kilometer Fahrrad fährt und 126,6 Kilometer läuft.

Starts und Auszüge aus dem Rahmenprogramm

Freitag, 26. Juli: 7 Uhr Startschuss für die Triple-Ultra-Triathlon-Athleten sowie den Staffelwettbewerb im Waldschwimmbad; 9 Uhr Start des 22-Stunden-Spendenlaufs der Jugendfeuerwehr Lensahn; 10 Uhr Beginn des Radfahrens; von 14 Uhr an Kaffee und Kuchen im Zelt der TSV Triple Freunde; von 16 Uhr an Burger-Truck und Eiswagen auf dem Schützenplatz; von 18 Uhr an Wein- und Proseccozelt des TSV Lensahn sowie Cocktailbar im DLRG Pavillon; 19.30 Uhr bis 22 Uhr Musik von Joe Green auf dem Schützenplatz; 20 Uhr Start des 24-Stunden-Laufs.

Sonnabend, 27. Juli: Von 12 Uhr an kulinarische Verpflegung auf dem Schützenplatz; von 14 Uhr an Kinderanimation und Hüpfburg sowie Tombola; etwa 16 Uhr voraussichtlicher Zieleinlauf des ersten Athleten; von 18 Uhr an Wein- und Proseccozelt des TSV Lensahn und Cocktailbar im DLRG Pavillon; 20 Uhr Ende des 24-Stunden-Laufs.

Sonntag, 28. Juli: Von 12 Uhr an kulinarische Verpflegung auf dem Schützenplatz; von 13 Uhr an Kinder-Animation und Hüpfburg; 13 Uhr Anmeldung zum Kinder-Triathlon im Waldschwimmbad für Kinder und Jugendliche bis 13 Jahre (Schwimmen 50 bis 100 Meter, Radfahren drei Kilometer, Laufen 1,5 Kilometer, angemessene Kleidung, Fahrrad und Fahrradhelm sind erforderlich); 13.30 Uhr Start des Kinder-Triathlons im Waldschwimmbad; 15 Uhr TSV Lensahn stellt sich vor (Karate ); 17 Uhr Wettkampf-Ende; 18.30 Uhr Siegerehrung auf dem Schützenplatz.

Luisa Jacobsen