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Ostholstein Trotz Bürgerentscheid: ETC-Abriss vorgeschlagen
Lokales Ostholstein Trotz Bürgerentscheid: ETC-Abriss vorgeschlagen
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14:38 13.07.2017
Das ETC am Timmendorfer Kurpark: Die Sanierung soll nach Schätzung eines Wirtschaftsprüfers 9,4 Millionen Euro kosten. Quelle: 54 Grad
Timmendorfer Strand

Öffentlich präsentiert worden sind bislang aber nur Konzepte für die künftige Nutzung der maroden Sportstätte vor Ort, also an der Wohldstraße. Für den Fortbestand des ETC, dessen Sanierung ein Wirtschaftsprüfer auf 9,4 Millionen Euro veranschlagt hat, hatten die Timmendorfer im Februar bei einem Bürgerentscheid gestimmt: 83 Prozent beantworteten die Frage „Sind Sie für den weiteren Erhalt des ETC in der Gemeinde Timmendorfer Strand?“ mit „Ja“.

„Die Verwaltung hat von den Bürgern einen klaren Auftrag bekommen." Edgar Schmidt Die Grünen

Nach diesem Votum setzten Überlegungen ein, wie Geld fürs ETC – vor allem die begehrten touristischen Fördermittel, die bei bis zu 60 Prozent der Investition liegen können – einzuwerben ist. Im Landeswirtschaftsministerium wollen die Planer aus der Gemeindeverwaltung eine Variante vorstellen, die eine Mischung aus „Activity-Center“ (mit Kletterwänden, künstlichen Wellen sowie Trampolins) und Veranstaltungshalle vorsieht – aber eben auch Abriss und Neubau. Darüber ist offenbar hinter verschlossenen Türen gesprochen worden.

„Das ist ein Denkansatz aus dem ETC-Arbeitskreis“, räumt der SPD-Fraktionschef Jörn Eckert ein, „mehr aber auch nicht. Es gibt kein konkretes Konzept oder Ähnliches.“ Genau genommen sei aber beim Bürgerentscheid nur nach dem Verbleib des ETC im Ort gefragt worden. Eckert gibt zu bedenken, dass ein Neubau mit hohem Förderanteil vorteilhafter als eine Sanierung mit wenigen Fördermitteln sein könnte. Ausschuss-Mitglied Willi Kuhn (SPD) hatte während der Sitzung nachgehakt, ob der Spielbetrieb lediglich während der Gültigkeit des Bürgerentscheids, also für zwei Jahre, aufrechterhalten werden müsse.

„Die Verwaltung hat von den Bürgern einen klaren Auftrag bekommen“, hielt Edgar Schmidt (Grüne) dagegen. Der Ausschuss-Vorsitzende Kai Ingo Menke-zum Felde (CDU) zeigte sich von dem Vorschlag „überrascht“. Tourismuschef Joachim Nitz wollte sich nicht dazu äußern und verwies auf die Verwaltung. Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD) ist im Urlaub, andere Verantwortliche im Rathaus waren gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Für Irritationen sorgte auch ein anderes Thema: Die Vorstellung der Ausschreibung für die gastronomische Nutzung der Trinkkurhalle. Nach dem Entwurf sucht die Gemeinde einen Pächter für die Wandelhalle (210 Quadratmeter) sowie für Terrassen im Innenhof, auf der Promenade und in der Düne (zusammen 530 Quadratmeter). Er soll dort im Ganzjahresbetrieb auch öffentliche Abendveranstaltungen und ein „allgemeines Programm“ anbieten. Die Jahrespacht beträgt 78000 Euro. Ob die beschriebenen Flächen aber tatsächlich komplett nutzbar sind, ist nicht klar, da es noch keinen gültigen B-Plan gibt und Genehmigungen von Denkmalschutz- und Naturschutzbehörde fehlen. Schließlich stimmten die Ausschuss-Mitglieder für den Vorschlag von Udo Halenza (parteilos), nach dem Anfang August zunächst ein Interessenbekundungsverfahren veröffentlich wird. Das ist eine Art Markterhebung, bei der private Investoren ihr Angebot präsentieren.

Auf der Tagesordnung stand zudem das – rechtlich nicht bindende – Abstimmungsergebnis zur neuen Seebrücke. 104 Bürger füllten im Rathaus, wo Entwürfe für eine Nachfolgerin der Maritim-Seebrücke aushingen, Fragebögen aus. Die Mehrheit, nämlich 63 Bürger, entschied sich für den 900 Meter langen „Rundgang“, der allerdings den Kostenrahmen von 3,2 Millionen Euro sprengen könnte. Welche Brücke gebaut wird, will die Kommunalpolitik im Herbst entscheiden.

 latz