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Ostholstein Eutiner Festspiele auf der Kippe: Neubau für marode Tribüne kostet Millionen
Lokales Ostholstein Eutiner Festspiele auf der Kippe: Neubau für marode Tribüne kostet Millionen
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12:33 03.11.2019
Falk Herzog ist seit Herbst 2017 Geschäftsführer der Eutiner Festspiele. Mit einer neuen Tribüne will er die Weichen für die Zukunft stellen. Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

Die Eutiner Festspiele haben in den fast 70 Jahren ihres Bestehens viele Krisen durchgestanden, künstlerische, finanzielle, eine existenzielle mit der Insolvenz 2011. Nun wird es erneut ernst: Die Eutiner Stadtvertretung muss zusichern, dass sich die Stadt mit zehn Prozent am Bau einer Tribüne beteiligen wird. Die Gesamtkosten des dringend erforderlichen Neubaus, der die jetzige marode Tribüne aus dem Jahr 1976 ersetzen soll, liegen bei 6,1 Millionen Euro. „Wir brauchen ein klares Ja, dass die Stadt das Geld gibt“, sagt Festspiele-Geschäftsführer Falk Herzog. Denn an diese Voraussetzung ist ein Zuschuss von 1,6 Millionen Euro aus Berlin geknüpft.

Im April kam die Zusage für Fördermittel vom Bund

Dort hatte die Stadt Ende vergangenen Jahres einen Antrag auf Bundesförderung gestellt. Sie ist Eigentümerin der Tribüne und überlässt sie den Festspielen mietfrei. Diese tragen im Gegenzug die laufenden Investitionen. Im April 2019 war die Zusage für die Millionenspritze aus dem Programm „Sanierung kommunaler Einrichtungen im Bereich Sport, Jugend und Kultur“ gekommen.

Unerwartete Auflagen und enge Terminvorgabe

Die Freude darüber wich bei den Festspielen und der Eutiner Verwaltungsspitze großer Ernüchterung: Nach einem Termin Ende September im Bundesbauministerium kristallisierten sich unerwartete Auflagen heraus: die zehnprozentige Beteiligung der Stadt an den Baukosten sowie ein Zuschuss vom Land in derselben Höhe, in der der Bund fördert. „Die Fördermittelzusagen und die Finanzierung sollten bis zum 5. November in Berlin gemeldet sein“, schildert Falk Herzog.

Vor 43 Jahren wurde das Rund mit den Zuschauerrängen gebaut – für eine so lange Zeit ist die Konstruktion nicht ausgelegt gewesen.

Bund räumt Eutin eine Fristverlängerung ein

Weil die Eutiner Delegation – im Gegensatz zu anderen Bewerbern – ihr Gespräch mit der Fördergeldstelle erst so kurz vor Ablauf dieser Frist hatte, ist diese am Freitag vom Bund verlängert worden. Ursprünglich hätten die Stadtvertreter in einer Sondersitzung am 4. November über die Kostenbeteiligung der Stadt abstimmen sollen. Nun soll die Entscheidung in der regulären Sitzung am 4. Dezember fallen.

Ministerpräsidenten und Schirmherrn um Hilfe gebeten

Geschäftsführer Herzog ist damit etwas Druck genommen. Er führt noch Gespräche mit dem Kreis, erhofft sich auch von dort einen Baukostenzuschuss. Für den unumgänglichen Tribünenneubau hat er sich auch an den Schirmherrn der Festspiele, Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), gewandt und um Co-Finanzierung gebeten. „Weitere Gelder können aus anderen Bundestöpfen gewonnen werden“, hofft Falk Herzog.

Von zehn auf 6,1 Millionen Euro Baukosten abgespeckt

Noch bis vor kurzem waren für einen Neubau der Seebühne rund zehn Millionen Euro im Gespräch. „Dabei haben wir uns auf die Planung eines Architekturbüros von vor 15 Jahren gestützt, die Tribüne, Dach und einen neuen Orchestergraben vorsah, und die Baukostenentwicklung der vergangenen Jahre berücksichtigt“, erklärt Falk Herzog. Das Paket sei dann geschrumpft worden: „Den Orchestergraben haben wir ganz rausgenommen, obwohl er eigentlich zu klein ist und beheizbar sein müsste. Wir gehen jetzt von der reinen Tribüne, der Technik und Toiletten aus.“

Kurzes Baufenster zwischen Spielzeitende und neuer Saison

Für die kommende Saison müssten die Festspiele rund 100 000 Euro für Blitzschutz und Holzausbesserungen aufwenden, um die Tribüne nutzen zu können, sagt Falk Herzog. Auch für die Spielzeit 2021 erwarte er, dass sie noch einmal abgenommen werde. Nach seinen Vorstellungen solle spätestens im Jahr 2022 mit dem Bau der neuen Tribüne – eine Betonkonstruktion mit hohem Vorfertigungsgrad, die in Eutin nur endmontiert wird – begonnen werden. Am 31. Dezember 2023 hat nach Vorgabe des Bundesministeriums die Maßnahme abgeschlossen zu sein. „Unser Baufenster ist schwierig. Wir müssen unmittelbar nach Ende einer Spielzeit anfangen und Ende Mai des darauffolgenden Jahres fertig sein. Der Ausfall einer Spielzeit muss auf jeden Fall vermieden werden“, sagt der Geschäftsführer energisch.

Die Festspiele-Tribüne gehört der Stadt

Er sei sich im Klaren darüber, dass Stadtvertreter es kritisch sähen, „eine Menge Geld“ für die Tribüne zu bewilligen. „Aber es ist zum einen eine städtische Immobilie. Zum anderen: ohne Tribüne keine Festspiele. Und die bringen jedes Jahr weit über 30 000 Besucher in die Stadt“, argumentiert er. „Wir haben 250 000 Euro Marketingbudget, werben in Hamburg und im kommenden Jahr auch in Berlin um Gäste. Von denen profitiert letztlich die ganze Stadt.“

Bund schüttet 200 Millionen an Fördergeldern aus

Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat hat das Programm „Sanierung kommunaler Einrichtungen“ aufgelegt. Es unterstützt Städte und Gemeinden in ganz Deutschland dabei, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen, um Sport-, Jugend- und Kultureinrichtungen vor Ort zu zukunftsfähigen Begegnungsstätten zu machen.

Insgesamt 200 Millionen Euro sind 2018/2019 „für die Förderung investiver Projekte mit besonderer regionaler oder überregionaler Bedeutung und mit sehr hoher Qualität im Hinblick auf ihre Wirkungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und soziale Integration in der Kommune und die Stadt(teil)entwicklungspolitik“ zur Verfügung gestellt worden, so das Ministerium.

In Lübeck hat beispielsweisedas Sportzentrum Falkenwiese in einer früheren Förderrunde von der Unterstützung des Bundes profitiert. Es wurde mit insgesamt rund 4,1 Millionen Euro saniert, neugestaltet und im Mai 2019 eingeweiht. Rund 2,7 Millionen Euro davon stellte der Bund bereit.

Als jährliche Zuschüsse bekommen die Festspiele momentan 25 000 Euro vom Kreis (eine Verdoppelung ist beantragt) und 125 000 Euro vom Land. Bei der Stadt Eutin hat Falk Herzog für 2020, die Festspiele feiern dann 70-jähriges Bestehen, eine Zuwendung von 100 000 Euro plus 45 000 Euro für zweckgebundene Infrastrukturmaßnahmen beantragt.

Grundsatzfrage: Will Eutin sich die Festspiele weiter leisten?

„Was wir bisher angepackt haben, war erfolgreich“, sagt Falk Herzog selbstbewusst. „Die Actori-Studie, die wir in Auftrag gegeben haben, hat ergeben, dass die Festspiele lebensfähig sind - mit erhöhtem Zuschuss und mit einer neuen Tribüne. Eutin muss aber entscheiden, ob es sich die Festspiele weiter leisten will.“

Dass über die Förderung der Festspiele eine Grundsatzdiskussion geführt werden müsse, hatten die Fraktionen bereits vor einem Jahr festgestellt. Während einerseits die Einmaligkeit und die Bedeutung der Festspiele für die Region beteuert wurden, stand dagegen die Frage: Wie weit will die Stadt mit ihrer Unterstützung gehen?

Von Ulrike Benthien

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