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Ostholstein Unbeliebtes Strandgut: Küstenorte entsorgen tonnenweise Seegras
Lokales Ostholstein Unbeliebtes Strandgut: Küstenorte entsorgen tonnenweise Seegras
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16:33 27.08.2019
Das Seegras wird vom Grömitzer Strand entfernt – wenige Stunden später kommen die ersten Badegäste. Quelle: 54°/Felix Koenig
Grömitz

„Igitt, das stinkt. Wie eklig sich das an den Füßen anfühlt!“ Das sind typische Sätze am Strand. Seegras und Algen zählen nicht zu den beliebtesten Pflanzen. Dabei geben sie Sauerstoff in die Ostsee, speichern Kohlendioxid und sind somit eine Art Klimaretter. Trotzdem sollen sie nicht am Strand liegen und Badegäste vergraulen. Deshalb investieren die Gemeinden zwischen Niendorf und Fehmarn jährlich Hunderttausende Euro, um das angespülte Gras wieder loszuwerden. Insbesondere Scharbeutz will die Masse nachhaltig nutzen und experimentiert.

Kurz nach Sonnenaufgang sind die Männer der Grömitzer Strandkolonne bereits schwer beschäftigt, laden schaufelweise Seegras und Algen auf einen Anhänger. Lars Widder, Betriebsleiter Verwaltung und Finanzen vom Tourismus-Service, sagt, dass insbesondere starke Ostwinde jede Menge Pflanzen in Richtung Ufer befördern. „Normal sind 3000 bis 3500 Kubikmeter pro Jahr. Dieses Jahr werden es mehr“, berichtet Widder.

Video zeigt die Seegrasbeseitigung in Grömitz

 

Am Ende bleibt vor allem Sand übrig

Die sieben Folientunnel am Ortsrand von Lensterstrand sind bereits gut gefüllt. Hier trocknet das Sand-, Algen- und Seegrasgemisch und stinkt dabei vor sich hin. „Das Sickerwasser muss aufgefangen werden. Die Konzentration bestimmter Nährstoffe ist so hoch, dass es wie besondere Abwässer behandelt werden muss“, erläutert Lars Widder. Deshalb werde die Flüssigkeit im Klärwerk entsorgt. Der Rest verrottet und wird kompostiert. Geröll und Äste werden rausgefischt. Übrig bleibt vor allem Sand. Etwa 2500 Kubikmeter Sand würden, wie auch in Neustadt, wieder in die Natur eingebracht. „Pro Jahr fallen in dem Bereich der Strandreinigung rund 1400 Arbeitsstunden an“, sagt der Betriebsleiter. Das Geld sei gut angelegt, da der breite saubere Strand als Aushängeschild der Gemeinde genutzt werde.

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Einige Kilometer weiter südlich in Scharbeutz werden jährlich rund 12 000 Tonnen Seegras vom Strand entfernt. Dies entspricht dem Gewicht von etwa 66 Flugzeugen des Typs Boeing 747-400. Aufgrund der enormen Menge muss laut Bauhofleiterin Bettina Schäfer dringend eine Lösung für die Entsorgung gefunden werden. Nicht bezahlbar sei das Verbrennen. Eine Tonne kostet – mit An- und Abfuhr – 100 bis 120 Euro. „Wir haben erste Versuche gemacht, Seegras und Sand vernünftig zu trennen“, sagt Schäfer. Ziel sei es, aus dem Material dauerhaft einen Wertstoff zu generieren. In Dänemark werde Seegras geerntet und zu Dämmmaterial verarbeitet. „Hier ist das aber nicht zertifiziert“, berichtet Schäfer. Auch könnten aus Algen und Seegras Düngepellets hergestellt werden.

Pferdehalter nehmen angespülte Pflanzen ab

Bis zu einer endgültigen Lösung werde das Treibsel (Material, was an den Strand treibt) zum Großteil auf zwei vom Kreis Ostholstein früher als Siloplatten genutzte Flächen gefahren. „Das Sickerwasser wird auch bei uns aufgefangen und entsprechend entsorgt“, sagt Schäfer. Der Rest werde auf Felder verteilt. Zudem würden Pferdewirte kleinere Mengen zum Einstreuen abnehmen.

Matthias Hoppe-Kossak, Direktor des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, betont, dass Treibsel mit seinen organischen Bestandteilen als nicht gefährlicher Abfall gelte. „Eine Verwertung in der Landwirtschaft ist nach den Vorgaben der Bioabfallverordnung möglich. Bei einer Behandlung in einer Abfallentsorgungsanlage gelten die Bestimmungen der jeweiligen Anlagengenehmigung“, erklärt er.

Während der Saison werden die Strände an Ostholsteins Küste in vielen Orten täglich gereinigt. Dies geschieht in den frühen Morgenstunden, wenn Einheimische und Urlauber ihren ersten Kaffee trinken.

Sierksdorf entsorgt Sondermüll

In Sierksdorf wird der Strand je nach Bedarf gereinigt. Tourismuschefin Andrea Hufnagel teilt mit, dass das Seegras auf extra bereitgestellte Lagerplatten gefahren und dort bis Ende September gesammelt werde. „Danach wird Seegras und Sand von einer Fachfirma gesiebt. Das Seegras wird als Sondermüll von einer Fachfirma fachgerecht entsorgt“, sagt Hufnagel.

Ähnlich ist das Vorgehen auf der Insel Fehmarn, wobei die Mitarbeiter des Bauhofes während der Badesaison täglich im Einsatz sind. Der stellvertretende Tourismusdirektor Volker Aermes weist darauf hin, dass Seegras nicht schädlich ist und in früheren Tagen sogar als Matratzenstopfmittel verwendet worden sei.

Heiligenhafen bringt Sand zurück an den Strand

In Heiligenhafen wird deutlich weniger Seegras angespült als in Scharbeutz und Grömitz. Joachim Gabriel, Geschäftsführer der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe, spricht von 100 bis 300 Kubikmeter pro Jahr. Nachdem Trocknen und Austrommeln (Entfernen von Kunststoff, Metall, etc.) würden lediglich zwischen zehn und 20 Prozent der ursprünglichen Menge übrig bleiben. Eben diese werde wieder am Strand ausgebracht. „Den Sand- und Steinanteil an der Gesamtmasse wieder an den Badestrand zurückzubringen, halten wir im Hinblick auf die besondere Situation auf dem Steinwarder vor Heiligenhafen nicht nur für zwangsläufig, sondern auch für zwingend“, sagt Gabriel. In der Vergangenheit war mehrfach massenweise Sand fortgespült worden, was zu erheblichen Problemen geführt hat.

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