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Ostholstein Junge stürzt in die Tiefe: Wie sicher ist die Steilküste?
Lokales Ostholstein Junge stürzt in die Tiefe: Wie sicher ist die Steilküste?
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18:16 23.04.2019
Am Ostermontag kam es zu einem tragischen Unglück am Wulfener Hals. Ein Junge stürzte die Steilküste herunter und erlitt einen Armbruch. Er wurde mit einem Rettungshubschrauber in die Uni-Klinik nach Lübeck geflogen. Quelle: Arne Jappe
Fehmarn

Die Gefahren, die von Ostholsteins Steilküsten ausgehen, sind nicht zu unterschätzen: Tonnenschwere Überhänge brechen plötzlich ab und können Spaziergänger unter sich begraben. Auch wer oben auf der Kante unterwegs ist, schwebt in Gefahr: Immer wieder sind es Fahrradfahrer, die ins Straucheln geraten, abstürzen und sich schwer verletzen. So wie am Ostermontag, als ein 53-jähriger Mann mit einem neunjährigen Jungen an den Wulfener Hals geradelt ist. Am Campingplatz geschah das Unglück: Der Junge stürzte in die Tiefe.

Am Tag nach dem Unglück herrschte auf dem Campingplatz „Wulfener Hals“ Entsetzen über den Unfall, aber auch über die Leichtsinnigkeit. So wie bei Nadine Sahler aus Solingen. Sie macht auf dem Campingplatz Urlaub und kann sich nicht erklären, warum man mit Fahrrädern den Weg hinter der Absperrung nimmt, statt über den Campingplatz weiterzufahren.

Entsetzen auf dem Campingplatz über die Leichtsinnigkeit

Nach bisherigem Kenntnisstand waren der 53-Jährige aus dem Kreis Stormarn und der neunjährige Junge aus Hamburg von der Sundbrücke kommend in Richtung Wulfener Hals geradelt. Gegen 12 Uhr erreichten beide den Campingplatz. Ein grüner, etwa 1,20 Meter hoher Zaun sichert hier die Spielplatz- und Trampolinflächen zur Steilküste hin.

Der kleine Pfad wurde immer schmaler

„Doch anstatt dort mit den Fahrrädern die Zaunseite zu wechseln, waren die beiden offensichtlich einem Trampelpfad gefolgt“, sagte Einsatzleiter Volker Delfskamp. Je weiter man dem Pfad folge, desto schmaler werde er. Bis zu zehn Meter fällt die Wand hier senkrecht ab, unten sind Geröllsteine und Lehmboden. Dort stürzte der Junge in die Tiefe und zog sich eine Fraktur eines Armes zu.

So gefährlich sind die Steilküsten der Region

Immer wieder kommt es an den Steilküsten der Region zu tragischen Unfällen.

Erst vor Kurzem wurde eine bewusstlose Person am Brodtener Steilufer mit einem Traktor gerettet. Grund dieser ungewöhnlichen Rettungsaktion war, dass der Rettungshubschrauber nicht landen konnte. Die Einsatzkräfte liehen kurzerhand einen Traktor, um die bewusstlose Person vom Ufer zu retten (Hier lesen Sie mehr über die Hintergründe).

Im Boltenhagener Ortsteil Redewisch musste ein 80-jähriger Mann aus der Steilküste gerettet werden. Der Urlauber aus dem nordrhein-westfälischen Ibbenbüren hatte versucht, vom Strand aus den knapp 34 Meter hohen Hang hinaufzuklettern, stockte und kam nicht weiter hoch noch runter (Hier lesen Sie den ganzen Artikel).

An der Steilküste der Insel Rügen ist eine Berlinerin abgestürzt. Retter fanden sie leblos in etwa 30 Metern Höhe und bargen den Leichnam per Hubschrauber. Der Unfall ereignete sich an der Victoria-Sicht bei Sassnitz. Über die Ursache ist bis heute wenig bekannt (Hier berichtete die Ostsee-Zeitung über den tragischen Unfall).

Der Rettungshubschrauber „Christoph 12“ ist nach Travemünde gerufen worden, weil sich eine 73-jährige Spaziergängerin am Brodtener Ufer verletzt hatte. Mit ihrem Partner sei sie beim Abstieg von der Steilküste abgerutscht und verletzte sich schwer (Hier lesen Sie mehr zu dem Vorfall).  

Der Mann soll die Steilküste heruntergerutscht sein, um dem Jungen zu helfen. Zeugen alarmierten die Feuerwehr. Mit 25 bis 30 Mann rückten die Wehren aus Burg und Süderort an. Mit dabei war auch die Drehleiter, um den Jungen zu bergen. Doch das gestaltete sich laut Delfskamp als schwierig: „Der Junge war ansprechbar, aber ein Abtransport über eine Treppe wäre zu riskant gewesen.“ Die Notärztin entschied deshalb, den Rettungshubschrauber anzufordern.

Luftrettung aus Rostock vor Ort

Binnen 20 Minuten war die Luftrettung aus Rostock vor Ort. „Wir hatten den Jungen inzwischen transportfähig gemacht und während der Landung mit Decken vor dem herumfliegenden Sand geschützt“, sagte Delfskamp. Unterdessen hatte die Feuerwehr alle Hände voll zu tun, das Spielplatzareal und den Strand zu räumen. Jede Menge Passanten und Camper wollten zuschauen, wie die Rettungsaktion ablief. Der Neunjährige wurde umgehend in die Uni-Klinik nach Lübeck geflogen. Lebensgefahr bestehe nicht, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag.

Steilküsten: Spektakulären Naturerscheinungen im steten Wandel

Die schroffe Schönheit der Küstenlandschaftzieht sie jedes Jahr unzählige Urlauber an die Steilküsten. Steilküsten in der Region sind unter anderen das Brodtener Ufer zwischen Travemünde und Niendorf, die Steilküste südlich von Grömitz, nordwestlich von Heiligenhafen oder nördlich des Ostseebads Boltenhagen.

Gletschervorstöße aus der Eiszeit haben die Form der heutigen Steilküsten geprägt – doch gleichgeblieben sind sie keinesfalls: Durchschnittlich verlieren Steilufer einen halben bis einen Meter Abbruch pro Jahr. Um diese Prozesse weitmöglichst zu kontrollieren, gibt es verschiedene Formen des Küstenschutzes. Zum Beispiel sollen Buhnen, mehrere Meter ins Wasser ragende Dämme, die Strömung parallel zur Küste unterbrechen. Eine andere Möglichkeit sind Sandwälle am Fuß der Steilküste. Sie sollen das Meer während der Winterstürme oder gar Sturmfluten vom Kliff fernhalten.

Mehr zum Thema: Wie die Mitarbeiter der Stadt Lübeck die Sicherheit am Brodtener Ufer kontrollieren, lesen Sie hier.

Volker Delfskamp erklärte, dass dem Campingplatz kein Vorwurf zu machen sei. „Der Platz ist auf ganzer Länge zur Steilküste hin ordentlich gesichert.“ Dennoch wollte er am Dienstagnachmittag mit der Burger Stadtverwaltung sprechen, um gleich zu Beginn des Campingplatzes Schilder aufstellen zu lassen, die vor der Gefahr warnen.

Für die Feuerwehren war dies nicht der erste Einsatz dieser Art. Erst 2018 hatte sich ein Paraglider beim Start von den Steilküste verfangen und war abgestürzt. Sein Glück: Die Leinen des Schirmes hatten sich im Gebüsch verfangen, der Mann hing auf halber Höhe fest und musste aufwendig gerettet werden.

Louis Gäbler und Arne Jappe

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