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Ostholstein Unseriöse Schlüsseldienste: Polizei warnt vor „Abzocke“
Lokales Ostholstein Unseriöse Schlüsseldienste: Polizei warnt vor „Abzocke“
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18:00 07.03.2019
Den Schlüssel von innen stecken zu lassen, kann für Betroffene im Zweifel teuer werden. Quelle: Christin Klose/dpa
Ostholstein

800 Euro für den Schlüsseldienst hat eine Eutinerin bezahlt, nachdem sie sich zu Hause ausgesperrt hat. So hat sie es Metallbaumeister Jörg Ehlers erzählt. Der kann darüber nur den Kopf schütteln: Seriöse Notdienste würden solche Preise niemals verlangen, betont der Fachmann. Auch die Polizei warnt aktuell vor „Abzockern“ aus der Branche, die in der Region ihr Unwesen treiben. Die Lübecker Kripo ermittelt in mehreren Fällen wegen des Verdachts auf Wucher.

Laut Verbraucherzentrale kostet eine Türöffnung von einem seriösen Betrieb in Schleswig-Holstein wochentags im Schnitt knapp 70 Euro; nachts und an Feiertagen wird es etwas teurer. Die mutmaßlichen Betrüger haben in der Regel jedoch die verschiedensten Erklärungen für drastische Preissteigerungen im Gepäck. Mittlerweile würden im Internet sogar vermeintlich lokale Unternehmen werben, deren Handwerker dann plötzlich doch aus weit entfernten Orten anreisten. Im beschriebenen Fall aus Eutin kam der Schlüsseldienst letztendlich aus Bremen – obwohl die Telefonnummer eine Eutiner Vorwahl hatte.

Bis zu 100 Euro für eine Türöffnung hält Jörg Ehlers aus Eutin für angemessen. Quelle: Binder

„Das Misstrauen der Kunden wird größer“

Die Folgen der Machenschaften „schwarzer Schafe“ bekomme er selbst zu spüren, berichtet Ehlers. Immer wieder stelle er fest, dass das Misstrauen gegenüber Schlüsseldiensten wachse. Er habe aber Verständnis dafür, betont der Fachmann. Er empfiehlt, am Telefon gezielt zu fragen, woher der Notdienst kommt und wie hoch die Anreisekosten sind. Die Kosten für die Türöffnung selbst könnten tatsächlich etwas variieren – da komme es beispielsweise darauf an, ob die Tür abgeschlossen oder nur zugezogen sei, und ob Materialkosten entstünden, weil Einzelteile ausgetauscht werden müssten. Er selbst berechnet bei einem Einsatz in Eutin während der regulären Arbeitszeit 65 Euro bei einer Tür, die nur ins Schloss gefallen ist, und 75 Euro bei einer abgeschlossenen Tür. Preise bis zu 100 Euro halte er für angemessen. „Wir leben ja nicht von den Türöffnungen“, betont er, „sondern davon, dass sich die Kunden auch in anderer Sache an uns wenden.“

„Wucherpreise“ keine Seltenheit

Das bestätigt Glasermeister Tim Baumgart von der Michael Baumgart GmbH in Süsel. Er hat erst diese Woche einer Kundin eine Tür geöffnet, die er selbst direkt zuvor eingebaut hatte: Die Frau hatte vergessen, den neuen Schlüssel an ihrem Schlüsselbund zu befestigen. Der Preis, den sie zahlen musste: etwa 13 Euro. „Das war quasi direkt bei uns nebenan“, sagt Baumgart. Fahrtkosten gab es insofern keine. Ansonsten werde während der regulären Arbeitszeit der normale Stundenlohn von knapp 45 Euro berechnet, der auch für andere Arbeiten der Firma gelte. Nachts und am Wochenende werde noch einmal die gleiche Summe draufgeschlagen. Hinzu kommen etwaige Materialkosten.

Tim Baumgart aus Süsel fährt im Notfall los, um Türen zu öffnen.  Quelle: Binder

Auch Baumgart kennt Fälle, in denen Betroffene „Wucherpreise“ zahlen mussten. Er plädiert für eine Art Zusammenschluss, wie ihn der ADAC aktuell bei einem Pilotprojekt in München testet. Wie bei Autopannen werden dort bei verschlossenen Türen Notdienste über eine allgemeine Rufnummer vermittelt. Auf diese Weise seien die Preise von vornherein festgeschrieben und es werde stets der nächstgelegene verfügbare Betrieb alarmiert, sagt Baumgart. Betroffene könnten außerdem sicher sein, dass die jeweiligen Schlüsseldienste von offizieller Stelle geprüft seien.

Feste Preise ein Zeichen von Seriosität

Thomas Maaß aus Heiligenhafen hat Festpreise auf seiner Homepage stehen. 95 Euro berechnet er für eine Türöffnung wochentags zwischen 7 und 17 Uhr. Dabei ist er als Schlüssel-Notdienst nur nebenbei unterwegs – hauptberuflich arbeitet er als Friedhofsgärtner. Durch zahlreiche Anfragen bei der Feuerwehr – die Türen ausschließlich in lebensbedrohlichen Situationen öffnet – habe er mitbekommen, dass in der Region Bedarf bestehe. Im Sommer fahre er zu durchschnittlich zwei Einsätzen pro Woche, häufig zu Touristen, die sich aus ihrer Ferienwohnung ausgesperrt hätten. Doch es sei nicht immer die eigene Dusseligkeit Schuld: Auch ein defektes Schloss könne verhindern, dass jemand in die eigenen vier Wände zurückkehren kann.

Maaß berichtet ebenfalls von vielen Fällen, in denen Betroffene schnell mal 600 Euro losgeworden seien. „Man muss wirklich aufpassen“, mahnt er. Es sei auf jeden Fall ein Zeichen von Seriosität, wenn ein Betrieb einem schon am Telefon einen Preis nennen könne. Gebe es im Vorfeld keine Aussage zu den Kosten, sei Vorsicht geboten.

Polizei rät zu genauen Absprachen im Vorfeld

Vor solchen Anbietern warnt auch die Polizei. Sie rät dazu, im Vorfeld genaue Preisabsprachen zu treffen und das Geld nicht direkt bar zu übergeben, sondern eine Zahlung auf Rechnung zu vereinbaren. Auch sollten örtliche Schlüsseldienste angerufen werden und keine Callcenter-Vermittlungen mit 0800-Nummern. In Lübeck seien die Handwerker zum Teil aggressiv geworden, als Kunden nicht sofort horrende Summen bezahlen wollten – in diesem Fall sollte die Polizei hinzugezogen werden, empfehlen die Beamten.

Jennifer Binder

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