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Ostholstein Vatertag: Küstenorte setzen weiter auf Null-Toleranz
Lokales Ostholstein Vatertag: Küstenorte setzen weiter auf Null-Toleranz
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10:39 29.05.2019
Auf diesen Typ Ausflügler sind die Küstenorte am Vatertag nicht gerade erpicht: junge Männer mit Bier und Bollerwagen. Quelle: Peter Steffen/dpa
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Ostholstein

Alkoholexzesse und Randale: Dafür nutzten vorwiegend junge Männer in der Vergangenheit häufig den Vatertag. Auch in Ostholstein wurde viel gefeiert, vorzugsweise an der Küste. Bis die betroffenen Gemeinden beschlossen, sich zur Wehr zu setzen. Sie erstellten mit der Polizei umfangreiche Sicherheitskonzepte, und dabei bleibt es auch in diesem Jahr.

Polizei, Sicherheitsdienst und Strandkontrolleure sind im Einsatz

„Wachsam bleiben und frühzeitig einschreiten“ haben Timmendorfer Strand und Scharbeutz ihre gemeinsame Erklärung überschrieben, die das Konzept für Donnerstag, 30. Mai, umschreibt – der ausdrücklich als „Himmelfahrtstag“ bezeichnet wird. Schließlich soll nach der dominierenden Auslegung des christlichen Glaubens Jesus am 39. Tag nach Ostersonntag zu seinem Vater in den Himmel aufgestiegen sein – von Trinkrunden am Strand, lauter Musik oder Grillfeuer ist keine Rede.

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Diese Formen des Zeitvertreibs sind laut Strandsatzung ohnehin verboten. Am Vatertag werde darauf aber besonders geachtet, heißt es in der Mitteilung der beiden Gemeinden. Kontrollieren werden die Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes – in Timmendorf vom Strandabschnitt „Landhaus Carstens“ bis zur Curschmannklinik, in Scharbeutz und Haffkrug an den Seebrücken, in den Kurparks und nahe der Dünenmeile. Die Polizei ist mit deutlich mehr Einsatzkräften als sonst vor Ort, außerdem gehen die Strandkontrolleure und Mitarbeiter der Ordnungsämter die Strände und die zentrumsnahen Straßen von Niendorf bis Haffkrug ab, um feiernde Wandergruppen im Zweifelsfall der Polizei zu melden.

Timmendorf und Scharbeutz: bewährte Zusammenarbeit

Nachdem die Lage am Vatertag 2010 rund um die Maritim-Seebrücke eskaliert war, hatte die Gemeinde Timmendorfer Strand, damals noch unter Bürgermeister Volker Popp, einen Schlussstrich gezogen und von 2011 an ein umfangreiches Sicherheitskonzept erarbeitet. Seit 2015 kooperieren Timmendorfer und Scharbeutzer Polizei, Ordnungsämter und Sicherheitsdienste in diesem Punkt über die Gemeindegrenzen hinweg. „Diese Zusammenarbeit hat sich absolut bewährt“, betonen die Bürgermeister Robert Wagner (Timmendorfer Strand) und Volker Owerien (Scharbeutz).

Ein Alkoholverbot wird es allerdings nicht geben. 2011 hatte die Gemeinde Timmendorfer Strand dieses für den Vatertag ausgesprochen – um das sogenannte „zugriffsbereite“ Mitbringen und Trinken von Alkohol im Kurpark, an und auf den Seebrücken, auf der Promenade und am Strand zu verhindern. 2012 kippte das Oberverwaltungsgericht Schleswig dieses Verbot jedoch, nachdem ein Ostholsteiner und ein Mann aus Bad Segeberg dagegen geklagt hatten. Das Verbot sei laut Gericht „ein Eingriff in das Grundrecht auf Handlungsfreiheit“.

Wenn Männer im Norden feiern, kann das ganz unterschiedlich aussehen, wie diese Bilder zeigen.

Eutin habe für den Vatertag 2019 „kein spezielles Konzept“, teilt Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt mit, „unsere Ordnungsbehörde ist aber mit der Polizei im Austausch“. In der Kreisstadt gab es vor einigen Jahren wie an der Küste auch massive Probleme mit betrunkenen Jugendlichen – unter anderem bei einem Bluesfest am Vatertag und bei ausschweifenden Partys im Schlosspark, an denen mehrere Hundert Feiernde teilnahmen. In einem Jahr sprach die Polizei im Vorfeld dieses Feiertages Aufenthaltsverbote für acht junge Leute unter anderem für den Markt aus.

„Wir hatten in den vergangenen Jahren kein Problem mit dem Vatertag und durchweg nette Gäste“, heißt es jetzt jedoch aus dem Eutiner Rathaus: „Darauf setzen wir auch in diesem Jahr.“ Die Verantwortlichen bei der Stiftung Schloss Eutin gehen dennoch auf Nummer sicher: Der Schlosspark bleibt auch am Vatertag 2019 geschlossen, ist nur für die Teilnehmer von Führungen geöffnet.

In vielen anderen Orten blieb es ruhig

Gelassenheit herrscht in den meisten anderen Orten und Städten in Ostholstein. Für Grömitz, wo einige Jahre lang ebenfalls die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden waren, erklärt Tourismuschefin Janina Kononov: „Wir haben nur noch einige Sicherheitsleute an der Promenade, die Maßnahmen aber auf ein Minimum heruntergeschraubt, weil die sogenannten Väter-Touren zu uns spürbar weniger geworden sind.“ Auch in Neustadt sehen die Verantwortlichen keinen Anlass für eine besondere Vorsorge, da es dort bislang keine Zwischenfälle gegeben habe. Ähnliches melden Oldenburg und Fehmarn.

Laut Wettervorhersage soll die Witterung am 30. Mai eher durchwachsen sein – das mag zusätzlich das eine oder andere Gemüt kühlen. Getreu dem frommen Wunsch aus Timmendorfer Strand und Scharbeutz, der schon mehrfach in den vergangenen Jahren für den Vatertag ausgesprochen wurde: „Wir wollen ruhige Feierlichkeiten gewährleisten, damit dieser Tag (. . .) in angenehmer Erinnerung bleibt.“

So schön kann Himmelfahrt sein

Der freie Donnerstag, 30. Mai, muss selbstverständlich nicht mit Bollerwagen und Bier verbracht werden. Alternative Veranstaltungen gibt es in Ostholstein zuhauf – hier ein paar Beispiele:

Liebhaber historischer Parks und Gärten können mit der Stiftung Schloss Eutin am Himmelfahrtstag um 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr die neue Führung „Herzogliche Gartenfreuden“ erleben. Treffpunkt ist der Shop im Schloss. Der Eintritt beträgt sechs Euro.

Zum Flohmarkt lädt die Jugendfeuerwehr Haffkrug in den Waldweg 2a, und zwar von 9 bis 16 Uhr.

Das viertägige Frühlingsfestival „Ambienta“ beginnt am 30. Mai um 10 Uhr auf Gut Sierhagen – mit 160 Ausstellern aus den Bereichen Wohnen, Garten, Mode und Accessoires.

70 klassische Yachten machen zur Max-Oertz-Regatta im Neustädter Fischereihafen fest. Am Donnerstag, 30. Mai, beginnt um 18 Uhr das „Come together“ an der Feuerschale vor dem Regattazelt mit Live-Musik. Die Regatta selbst startet am Freitag, 31. Mai, um 12 Uhr.

Eine Himmelfahrt-Party für Klein und Groß wird auf der Strandpromenade in Kellenhusen gefeiert, und zwar von 11 bis 23 Uhr. Um 15 Uhr gibt’s ein Nachmittagskonzert mit Uli Rath und seiner „Baltic Brass Band“, um 20 Uhr tritt das „Projekt Caramba“ mit Country-Pop-Rock-Singer-Songwriter-Reggae-Polka-Punk auf. In Dahme ist an diesem Tag ab 14 Uhr die RSH-Party-Tour am Nordstrand zu Gast.

Eine Kräuterführung „durch die Gärten Starigrads“ bietet das Oldenburger Wallmuseum am 30. Mai von 14 bis 15.30 Uhr.

Sportlich: Auf Fehmarn beginnt am 30. Mai das große Surf-Festival am Südstrand, in Timmendorfer Strand geht die „SUP Soul & Beach Tour“ an der Maritim-Seebrücke an den Start.

Die Kunsthandwerker sind mit ihren Verkaufsständen am Vatertag von 11 bis 18 Uhr auf der Grömitzer Promenade zu Gast.

Sabine Latzel