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Ostholstein Was wächst am besten auf Ostholsteins Böden?
Lokales Ostholstein Was wächst am besten auf Ostholsteins Böden?
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06:01 05.07.2019
Jürgen Rauert im Weizenfeld. 14 Sorten hat der Versuchsring dort anbauen lassen. Auf Hof Friedrichsthal bei Oldenburg testet der Versuchsring Ostholstein Weizen, Ackerbohnen, Düngemethoden und mehr. Jetzt wurden den Mitgliedern die Ergebnisse vorgestellt. Quelle: Luisa Jacobsen
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Oldenburg

Düngeverordnung, Insektizidverbote, Klimawandel: Die Landwirtschaft steht vor vielfältigen Herausforderungen. Der Versuchsring Ostholstein möchte herausfinden, welche Nutzpflanzen den Herausforderungen der Zukunft gewachsen sind. Eine Erkenntnis aus diesem Jahr: Die Ackerbohne, eine fast vergessene Nutzpflanze, könnte wieder Einzug in die hiesige Landwirtschaft halten.

„Hiverna“ liegt geplättet am Boden, die Sorte „Augusta“ hingegen steht aufrecht. Jürgen Rauert, Vorsitzender des Versuchsrings Ostholstein, blickt auf die Versuchsfläche mit Ackerbohnen auf dem Hof Friedrichsthal bei Oldenburg. Dort, bei der traditionellen Feldführung vor der Ernte, werden den Mitgliedern des Versuchsrings die Ergebnisse der Versuche zu Düngung, Pflanzenschutz und Sortenversuchen in Raps, Weizen und Ackerbohnen gezeigt. Realisiert werden diese Versuche in Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft N.U. Agrar GmbH aus Sachsen-Anhalt.

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Die Ackerbohne: Heimisch, robust und zum Backen geeignet

„Versuche mit der Ackerbohne sind auch für uns Neuland“, sagt Rauert. Die Nutzpflanze sei in der Generation seines Großvaters noch wesentlich häufiger auf den Feldern der Region zu finden gewesen. „Doch mit der Zeit ist sie ein wenig in Vergessenheit geraten.“ Für die Landwirte ist sie zur Auflockerung der Fruchtfolge interessant. Der Hintergrund: Gesundheitsprobleme beim Raps werden zumindest zum Teil auf die Fruchtfolge – Raps, Weizen, Gerste – zurückgeführt. Der Anbau der Ackerbohne würde die Fruchtfolge strecken, was die Krankheiten beim Raps wiederum mindern könnte. Eingesetzt wird die Pflanze eigentlich nur als Viehfutter, aber: „Aus dem Mehl der Ackerbohne kann auch Brot gebacken werden“, sagt Kerstin Fischer, Beraterin bei N.U. Agrar. Im Rheinland hätten Landwirte und Bäcker das erfolgreich ausprobiert. Und auch sonst hat die Ackerbohne Vorzüge: „Sie ist heimisch und frostresistent“, sagt Rauert. Und außerdem eine Art natürlicher Dünger, der der nächsten Nutzpflanze in der Fruchtfolge zugutekommt.

Der Versuchsring Ostholstein realisiert Versuche zu Düngung, Pflanzensorten und Pflanzenschutz.

Auf der Suche nach resistenten Sorten

Düngung ist eine der großen Herausforderungen für die Landwirte. Die Stickstoffmengen müssen nach der Düngeverordnung weiter reduziert werden, trotzdem muss der Ertrag am Ende ausreichen. „Wir sollen und wollen weniger düngen“, sagt Rauert. Doch es müssen Lösungen gefunden werden. Genau wie für Veränderungen durch das Klima. „Es klingt plakativ, aber wir haben den Klimawandel“, sagt Rauert. „Das sehen wir Landwirte daran, dass die Pflanzen generell immer früher reif sind.“ Auch in diesem Jahr: „Die Gerste ist etwa eine Woche früher dran“, sagt er. „Und beim Weizen, prognostiziere ich beim aktuellen Stand, wird das genauso so sein.“ Das sieht Rauert auch an der fortgeschrittenen Färbung des Versuchsweizens. 14 Sorten wachsen auf den Flächen von Hof Friedrichsthal, das Ganze wird noch mal mit Drei multipliziert, weil drei verschiedene Düngemethoden pro Sorte ausprobiert werden. Auch hierbei geht es darum, die Sorten zu finden, die den Ansprüchen der Zukunft gerecht werden. Ein Problem: „Mit der Wärme kommen andere Schädlinge und Krankheiten“, sagt Rauert. Gleichzeitig würden die Möglichkeiten der Krankheitsbekämpfung seitens der EU eingeschränkt. „Deshalb müssen wir resistente Sorten entdecken.“ Eine andere Möglichkeit: „Weniger Ähren pro Quadratmeter, sodass sich Krankheiten nicht so gut verbreiten können.“ Das wiederum schränke den Ertrag ein.

Das ist der Versuchsring

Der Versuchsring Ostholstein ist ein Zusammenschluss von Landwirten. Das Ziel des Vereins ist es, durch praxisnahe Versuche neue Erkenntnisse im Bereich Pflanzenanbau und Pflanzenschutz bereitzustellen.

Rund 200 Mitglieder, größtenteils Landwirte aus dem Kreis Ostholstein aber auch aus angrenzenden Kreisen, zählt der Versuchsring. Regelmäßig werden Seminare angeboten. Die Feldführung findet auf dem Hof Friedrichsthal von Julia Großmann in Friedrichsthal bei Oldenburg statt. Internet: www.versuchsring.de

So sind die Aussichten für die Ernte in diesem Jahr

Zu diesen großen Herausforderungen kommt verlässlich stets eine weitere Unbekannte hinzu: das Wetter. In diesem Jahr sieht es allerdings nicht so schlecht aus für Ostholsteins Landwirte: Für die Gerste sei der Regen zwar zu spät gekommen, sagt Rauert, doch Raps, Weizen und Ackerbohnen profitieren noch von den Schauern in den letzten Wochen. Das bestätigt auch Ludwig Hirschberg aus dem Vorstand des schleswig-holsteinischen Bauernverbands. „Bei diesen Gewitterlagen ist das natürlich sehr unterschiedlich“, sagt Hirschberg. „Während in einem Ort die Keller voll laufen, bekommt das Nachbardorf gar nichts ab.“ Deshalb gebe es sicher auch in Ostholstein Betriebe, die nach dem extrem trockenen Sommer 2018 und auch vergleichsweise trockenen Winter- und Frühlingsmonaten Probleme haben würden, doch generell könne man zufrieden sein. „Die Preise für Weizen und Gerste liegen derzeit zehn Prozent unter dem Preis vom letzten Jahr“, fügt Jürgen Rauert. hinzu. Aber das bekommen die Betreibe mit zehn Prozent mehr Ertrag wieder rein – und das sollte klappen.

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