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Ostholstein Viele Wehren erreichen die Mindeststärke nicht
Lokales Ostholstein Viele Wehren erreichen die Mindeststärke nicht
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14:02 03.02.2019
Viele Feuerwehren in Ostholstein suchen neue Mitglieder. Im Artikel zeigt eine Karte an, welche Gemeinden betroffen sind. Quelle: RND/kha/ser/Google Maps
Ostholstein

Mindestens 59 Feuerwehren (46,5 Prozent) im Kreis Ostholstein erreichen nicht die vorgeschriebene Mindeststärke. Dies ergab eine Abfrage der Lübecker Nachrichten. Insgesamt gibt es 127 Ortswehren in der Region. Lediglich 53 (41,7 Prozent) kommen nach eigenen Angaben auf die erforderliche Personenzahl. Keine genauen Infos wollten das Amt Oldenburg-Land und die Gemeinde Grömitz herausgeben. Die Situation in einigen Orten ist brisant.

Pflichtfeuerwehr: Folgt nach Grömitz auch Schashagen?

Kurz vor Weihnachten wurde in Grömitz die Einführung einer Pflichtfeuerwehr beschlossen und zwar in allen sechs zur Gemeinde gehörenden Orten. Etwas weiter südlich in der Gemeinde Schashagen sieht es nicht viel besser aus. Burkhard Busch, Leitender Verwaltungsbeamter vom Amt Ostholstein-Mitte, bestätigt, dass es Überlegungen zur Einführung einer Pflichtfeuerwehr gibt. Das Amt sei beauftragt worden, „die hierfür erforderlichen Rechtsgrundlagen zu sichten und zusammenzustellen“.

Das Vorhalten von Freiwilligen Feuerwehren gehört zu den Pflichtaufgaben der Ostholsteiner Kommunen. Die vielen Feuerwehrleute unterstützen dies gerne unterstützen. „Wir sind Teil der Gemeinde. Wenn es uns nicht gebe, müsste die Gemeinde ein anderes System einführen. Somit hat jede Gemeinde die Verantwortung, für ausreichend Mitglieder zu sorgen“, betont Thorsten Plath. Der Kreiswehrführer erläutert, dass die Zahl der Kameraden vorgeschrieben sei. Für ein Fahrzeug mit neun Plätzen werden 27 Mitglieder benötigt.

Die LN haben Städte, Gemeinden und Ämter im Kreis Ostholstein angeschrieben und gefragt, was unternommen wird, um neue Mitglieder für die Ortswehren im Kreis anzuwerben.

Die Tagesverfügbarkeit ist oft problematisch

Einige Orte nennen andere Zahlen. Die Stockelsdorfer Bürgermeisterin Julia Samtleben (SPD) erklärt, dass die Einsatzfähigkeit bei jeder einzelnen der elf Ortswehren gegeben sei. Mindestens neun Feuerwehrleute pro Wehr seien ausreichend. „Da Stockelsdorf so viele Feuerwehren hat, rechnet sich der Schlüssel anders als bei anderen Kommunen mit vergleichbarer Größe und Einwohnerzahl“, sagt sie. Thorsten Plath möchte dies nicht näher kommentieren, sagt lediglich, dass er dem skeptisch gegenüberstehe. Für Fehmarn sowie die Gemeinde Ahrensbök reichen 18 Mitglieder, so die Info aus den jeweiligen Verwaltungen. Dies sei die Sollstärke. Neun weitere Kräfte wären lediglich Bestandteil der Reserveabteilung. Aber: In den anderen Gemeinden sind diese Bestandteil der notwendigen Mindeststärke.

Auf dieser interaktiven Karte zeigen wir, welche Feuerwehren die Mindeststärke nicht erreichen - und welche ausreichend besetzt sind:

Bitte klicken Sie hier, falls die Karte nicht korrekt angezeigt wird

Eine ausschließliche Beurteilung des Zustands der Freiwilligen Feuerwehren mit Verweis auf das Erreichen der Mindeststärke ist zu kurz gedacht. Weitere Faktoren wie die Nachwuchsarbeit und die Tagesverfügbarkeit spielen eine entscheidende Rolle. Laut Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt (parteilos) gibt es derzeit 71 Kameraden, acht mehr als gefordert. Dennoch: „Ausreichend ist dies allerdings aufgrund eingeschränkter Tagesverfügbarkeit nur bedingt. Wir brauchen auch in Oldenburg weitere Freiwillige“, sagt er und kündigt eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit an. In Eutin soll sogar extra ein Film gedreht werden, der die Arbeit in den Wehren darstellt.

Wer hat ausreichend Mitglieder?

Die LN haben alle 127 Ortswehren im Kreis nach ihrer Mindestpersonalstärke sowie dem aktuellen Ist-Zustand gefragt. Fast alle Gemeinden, Städte und Ämter haben Antworten geliefert. Zu beachten ist, dass Stockelsdorf angibt, dass neun Personen pro Ortswehr reichen. In der Gemeinde Ahrensbök (Ausnahme Ortswehr Ahrensbök) sowie auf Fehmarn ist von 18 die Rede. Generell gilt, dass die dreifache Personenstärke pro Fahrzeug vorgehalten werden muss. Wenn eines neun Plätze hat, müssen es also 27 sein. Hier die Details:

Erfüllen die Mindeststärke: Oldenburg, Bosau-Kleinneudorf, Hassendorf, Bad Schwartau-Rensefeld, Groß Parin, Neustadt, Timmendorfer Strand, Niendorf/Ostsee, Groß Timmendorf, Hemmelsdorf, Lensahn, Sipsdorf, Roge, Böbs, Cashagen, Dunkelsdorf, Gießelrade, Gnissau, Tankerade, Burg, Dänschendorf, Westfehmarn, Landkirchen, Bisdorf/Hinrichsdorf, Vadersdorf/Gammendorf, Süderort, Bannesdorf, Meeschendorf, Puttgarden/Todendorf, Hansühn-Testorf, Afrade, Curau, Dissau, Eckhorst, Horsdorf, Klein Parin, Krumbeck, Malkendorf, Mori, Obernwohlde, Stockelsdorf, Benz-Nüchel, Neukirchen-Sieversdorf-Malkwitz-S., Bad Malente Gremsmühlen, Kreuzfeld, Pansdorf, Ratekau, Seeretz, Techau, Heiligenhafen, Bujendorf, Zarnekau, Grube,

Erfüllen die Mindeststärke nicht: Thürk, Majenfelde-Quisdorf, Hutzfeld-Brackrade, Bichel-Wöbs-Löja, Braak-Klenzau, Liensfeld-Kiekbusch, Lensahnerhof, Wahrendorf, Schashagen, Bliesdorf, Logeberg-Krummbek, Marxdorf, Schlamin, Altenkrempe, Sierhagen, Griebel-Vinizier, Kasseedorf, Sagau, Hobstin, Langenhagen, Mönchneversdorf, Schönwalde, Sierksdorf, Gleschendorf, Haffkrug, Pönitz, Sarkwitz, Scharbeutz, Schürsdorf, Wulfsdorf, Ahrensbök, Eutin, Fissau-Sibbersdorf, Neudorf, Döhnsdorf-Weißenhaus, Grammdorf, Wangels, Timmdorf, Luschendorf, Offendorf, Ovendorf, Warnsdorf-Häven, Fassensdorf, Gömnitz, Gothendorf, Groß Meinsdorf, Kesdorf, Röbel, Süsel, Dahme, Kellenhusen, Beschendorf, Damlos, Harmsdorf, Kabelhorst-Schwienkuhl, Manhagen, Riepsdorf, Altratjensdorf, Koselau.

Keine genaue Zahlen genannt: Göhl, Altgalendorf, Giddendorf-Seegalendorf-Gremersdorf, Kembs-Dazendorf, Neuratjensdorf, Großenbrode, Heringsdorf, Fargemiel, Neukirchen, Grömitz, Cismar, Lenste, Guttau, Suxdorf-Nienhagen, Brenkenhagen.

Viele Arbeitsstellen sind zu weit weg

Auf Fehmarn ist die Situation durchaus kurios. Nach Angaben von Ordnungsamtsleiter Jan Stender erreichen zehn von zehn Ortswehren die Mindeststärke auf dem Papier. Tagsüber verändert sich das Bild deutlich. Lediglich die Burger Wehr liegt im Soll. „Um das Schutzziel Menschenrettung sicherzustellen, müssen sich die Einsatzkräfte in einem Radius von drei Kilometern um das Feuerwehrhaus befinden“, sagt Stender. Viele Arbeitsstellen befänden sich deutlich weiter entfernt. Deshalb sei bereits 2017 eine große Mitgliederoffensive gestartet worden, bei der alle infrage kommenden Haushalte angeschrieben worden seien. „Der Mitgliederzuwachs fiel weitestgehend aus“, sagt Stender. Eine Folge sei der Zusammenschluss der Feuerwehren Sulsdorf und Petersdorf Ende 2018 gewesen. Aktuell erarbeite die Gemeindewehrführung der Stadt Fehmarn unter dem Stichwort „Flexibler Personaleinsatz“ ein Modell, welches einzelnen Feuerwehrkameraden die Möglichkeit bieten soll, andere Wehren unweit ihres Arbeitsortes zu unterstützen.

Nachwuchs wechselt zu den Aktiven

Ein Lichtblick ist die Nachwuchsarbeit. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Zahl der Mädchen und Jungen in den Jugendwehren im Vergleich zu 2017 um 50 angestiegen sei. „Zudem hat sich die Zahl der Kinderabteilungen von vier auf zehn erhöht“, sagt Kreiswehrführer Thorsten Plath. Auch gebe es kreisweit gesehen etwa 30 Aktive mehr. „Ich sehe für die Zukunft, dass wir langsam aber sicher wieder Zuwachs bekommen. Es darf nicht passieren, dass Mitglieder wegbrechen.“

Plath stellt klar, dass der Brandschutz im Kreis gesichert sei. Jede Wehr müsse durchgeben, wie viele Kräfte aktuell zur Verfügung stehen. Je nach Lage und Einsatzumfang würden entsprechend viele Ortswehren alarmiert. „So kann es sein, dass auch mal drei Wehren gerufen werden, um eine Löschgruppe zusammenzubekommen.“

Landrat betont Bedeutung des Ehrenamtes

Landrat Reinhard Sager (CDU) bezeichnet das Ostholsteiner Feuerwesen als intakt. „Wenn mit Überzeugungskraft weiter um neue Mitglieder geworben wird und die Aufgaben vermittelt werden, die die Feuerwehren haben, dann wird es auch mit Hilfe der guten Nachwuchsarbeit in der Jugendfeuerwehr gelingen, die Feuerwehren in Ostholstein schlagkräftig zu halten.“ Die Jugendwehr sei die einzige verlässliche Nachwuchsquelle. Sager betont, dass die Sicherheit, der Brandschutz, die Technische Hilfeleistung und der Katastrophenschutz ohne Ehrenamtler nicht gewährleistet werden können. Die Frage, ob eine Zusammenlegung von Wehren helfen könne, die Mindestzahl zu erreichen, beantwortet er wie folgt: „Die Zusammenlegung von Ortswehren ist sicherlich im Einzelfall zu beurteilen und kann nur auf Freiwilligkeit beruhen. Dabei sind Aspekte der Leistungsfähigkeit der Feuerwehren und die Tagesverfügbarkeit zu berücksichtigen, ebenso wie die Einhaltung von Hilfsfristen.“

Sebastian Rosenkötter