Von Ehefrau angestachelt: Stieftochter geschlagen
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Ostholstein Von Ehefrau angestachelt: Stieftochter geschlagen
Lokales Ostholstein Von Ehefrau angestachelt: Stieftochter geschlagen
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21:10 25.07.2018
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Eutin

Das Amtsgericht Eutin verhängte gegen ihn eine Geldstrafe in Höhe von 300 Euro. Torsten F. habe massiv zugeschlagen. Das müsse durch die Summe deutlich werden, hatte der Staatsanwalt gefordert. Er pflichtete Richterin Anja Farreis in der Verhandlung allerdings bei, dass F. „sofort Reue und Entsetzen“ über sein Handeln gezeigt habe. „Ich habe so etwas vorher noch nie gemacht. Ich bin gar nicht der Typ“, sagte Torsten F. gestern leise und beschämt.

Mit seiner Frau führte er schon vor und erst recht nach der Eheschließung „eine Stressbeziehung“, wie Richterin Anja Farries zusammenfasste. Die Hochzeit erfolgte nach der Geburt der gemeinsamen Zwillingstöchter im Dezember 2015. Seine Frau sei „mit dem Gesamtpaket“ überfordert gewesen, erklärte F. auf Nachfragen des Staatsanwalts. Nach seiner Arbeit – der 30-Jährige hat eine Teilzeitstelle als Hausmeister in einem Hotel – habe er den Haushalt gemacht und „alles im Lot gehalten, weil meine Frau nicht aus dem Quark gekommen ist“.

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Ständige Spannungen führten dazu, dass er die gemeinsame Wohnung in Malente verlassen habe und bei seiner Mutter eingezogen sei. Dort habe ihn seine Frau häufig angerufen und sich über die von ihr mit in die Ehe gebrachte Tochter beklagt. So auch am Tattag, Anfang April 2018. Da hatte seine Frau berichtet, dass das Mädchen im Nebenzimmer der Erdgeschosswohnung ein Fenster geöffnet habe, durch das eine der Zwillingstöchter hinausgeklettert sei. Sie selbst habe derweil im Wohnzimmer gesessen. Nachbarn informierten sie, dass das Kind draußen sei.

Auf Drängen seiner Frau sei er zu der Wohnung gefahren, sagte Torsten F., und habe, wie von ihr verlangt, das Kind zur Rechenschaft gezogen. Das sah so aus, dass das Mädchen sich im Schlafzimmer aufs Bett legen musste und er ihr mit der flachen Hand mehrfach auf den Hintern gehauen habe.

„Kinder machen so ’was wie Fenster öffnen oder Dinge umwerfen, das ist normal. Sie haben keine Schuld“, belehrte ihn die Richterin. Sie hielt ihm aber zugute, dass er sich bei dem Mädchen entschuldigt habe. Das Kind lebt inzwischen bei seinem leiblichen Vater. Die Noch-Frau von Torsten F. wohnt mit den Zwillingen jetzt in Kiel.

Aufgrund seines geringen Verdienstes (zwischen 800 und 900 Euro netto) erlegte ihm das Gericht eine Geldstrafe von 300 Euro auf, zahlbar in sechs Monatsraten. Der Betrag wird an den Kinderschutzbund gehen. „Wir stellen das Verfahren vorläufig ein. Sie müssen aber regelmäßig zahlen, dann wird es ganz eingestellt und Sie gelten nicht als vorbestraft“, gab Richterin Farries dem erleichterten Torsten F. mit auf den Weg.

ben

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