Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Von der Schulbank zum Start-up: Schüler entwickeln soziale Unternehmen
Lokales Ostholstein Von der Schulbank zum Start-up: Schüler entwickeln soziale Unternehmen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:30 06.11.2019
Haben sich ein Business überlegt, um weltweit Sanitäranlagen einzuführen: (v. l.) Jan Ole von Malottki (17), Jelle Sahmkow (17) und Jule Ott (17). Quelle: Saskia Bücker
Oldenburg

Ein Unternehmer sein, der Gutes tut: In diese Rolle sind die 150 Schüler des zwölften Jahrgangs der Beruflichen Schule in Oldenburg geschlüpft. Wie bei einem richtigen Start-up präsentierten die Jugendlichen in Kurzvorträgen vor einer Jury ihre Ideen für ein „Social Entrepreneurship“, sprich soziales Unternehmertum. Eine Woche lang hatten die Schüler in einer Projektwoche Zeit ihre Präsentation oder besser „Pitch“ vorzubereiten.

Die Ansätze gingen dabei in ganz unterschiedliche Richtungen. „Wir wollen, dass weniger mobile Menschen beim Einkaufen in ländlichen Regionen mehr Unterstützung bekommen“, erklärte Josephine Struck zum Beispiel bei ihrem „Pitch“. Mit ihren Mitschülerinnen Marie Thomsen, Liza Guttchen und Jacqueline Treschan hat sie eine ältere Zielgruppe ins Visier genommen.

Haben sich überlegt, wie beeinträchtigte Menschen auf dem Land mit Lebensmitteln versorgt werden können: (v. l.) Josephine Struck, Marie Thomsen, Liza Guttchen und Jacqueline Treschan. Quelle: Saskia Bücker

Problem auf dem Land: Fehlender Nahverkehr

Wegen schlechter Busverbindungen könnten Senioren den wöchentlichen Einkauf nur schwer bewältigen. „Unsere Lösung ist ein Van, der mit den Lebensmitteln mehrerer Anwohner eine bestimmte Route durch Oldenburg und die Umgebung fährt“, erklärte die 18-Jährige vor der Jury. Ältere Menschen könnten so zu Hause versorgt werden.

Lesen Sie auch: So stellen sich Eutiner Schüler eine umweltverträgliche Zukunft vor

Wie bekommen mehr Menschen in ärmeren Regionen der Welt einen kostengünstigen Zugang zu Sanitäranlagen? Mit diesem Problem befasste sich Jelle Sahmkow zusammen mit Jan Ole von Malottki (17) und Jule Ott (17). Sie haben durch Recherche herausgefunden, dass mithilfe bestimmter Bakterien aus Exkrementen Bioplastik hergestellt werden kann. „Damit können wir dann mobile Toiletten herstellen“, sagte der 17-Jährige und warb für „World Wide Toilet“. Das simple Design könne mit 3-D-Druckern hergestellt werden. „Aus Scheiße Gold machen“, heißt der Slogan der Jugendlichen.

BWL und Soziales: Kaum Thema im regulären Schulbetrieb

Umgesetzt werden die Schüler-Projekte aber nicht. Vorerst bleibt es nur bei der Idee für ein Start-up. Wie eine Geschäftsidee grundsätzlich mit einem sozialen Aspekt in den Fokus gerückt werden kann, darum geht es den Machern der Projektwoche: der Kieler Initiative „Social Entrepreneurship Education“ (Seed). Seit fünf Jahren kommen Trainer aus der Wirtschaftswelt bereits an Schulen in Schleswig-Holstein.

Einer von ihnen ist Robin Sielken. Der 28-jährige BWL-Student aus Kiel hat die Jugendlichen bei der Themenfindung begleitet. „Es ist toll, zu sehen, wie schnell die Schüler eine Idee zum Pitch entwickelt haben“, sagt er. „Da gab es eine ganz steile Lernkurve.“ Soziales Unternehmertum sei ein Thema, das ihm selbst erst sehr spät im Studium begegnete. „Deshalb finde ich es wichtig, dass junge Leute so früh wie möglich damit in Berührung kommen.“ Gerade vor dem Hintergrund der Fridays-for-Future-Bewegung sei es sinnvoll, soziale und ökologische Themen auch ganz praktisch in der Schule zu behandeln.

Ein guter Pitch: Trainer vermitteln die Regeln

Neben kreativer Ideenfindung lernten die Schüler auch die zehn Regeln für einen gelungenen Pitch. Wer die beachtet, habe gute Chancen, erklärte Jury-Mitglied Jonny Kohlhaas. Zum Beispiel sollten die Schüler im Vortrag darauf eingehen, wie sich das soziale Projekt finanziert, wie die Problemstellung ist, wie es bei der Konkurrenz aussieht und was die Vision für das Produkt ist. Kohlhaas hat selbst schon einmal ein Start-up im Lebensmittelbereich begründet. „Gründer sollten von der reinen Wirtschaftstheorie wegkommen und praktisch in Projekten denken“, empfiehlt er den Jugendlichen.

Wollen Schüler für das Gründen sozialer Unternehmen begeistern: BWL-Student Robin Sielken und Projektorganisatorin Kim Dittmann. Quelle: Saskia Bücker

Wie ein Unternehmen aufgebaut und was ein Business-Plan ist: „Solche Themen sind an Schulen unterrepräsentiert“, berichtet auch Seed-Organisatorin Kim Dittmann (26). Die für die Schulen kostenlose Projektwoche organisiere sie deshalb zur Ergänzung des regulären Lehrplans. „Denn gerade in ländlichen Regionen ist es grundsätzlich schwieriger als in der Stadt, Innovationen anzustoßen.“

Bei den Oldenburger Schülern kam der Rollenwechsel als Unternehmer für eine Woche gut an. „Wir konnten sehr frei arbeiten“, sagt Jule Ott. Jelle Sahmkow sagt erfreut: „Jetzt haben wir uns nicht beschwert, sondern ein Thema endlich mal gelöst.“ Und Mitschülerin Josephine Struck resümiert: „Es ist auf jeden Fall möglich, eine eigene Geschäftsidee zu entwickeln.“ Das zeige, dass jeder auch im Kleinen etwas scheinbar Unmögliches verändern könne.

Lesen Sie auch:

Von Saskia Bücker

Schwerer Unfall auf der Landesstraße zwischen Pohnsdorf und Stockelsdorf: Ein 29-jähriger Porschefahrer verunglückte schwer. Es entstand ein Schaden von 120 000 Euro.

06.11.2019

Diese Nachricht macht die Eltern des kleinen Mädchens aus Ahrensbök überglücklich: Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für das 1,9 Millionen Euro teure Medikament gegen den Muskelschwund.

06.11.2019

Eine Welle der Hilfsbereitschaft rollt durch Ostholstein: Die kleine Hannah aus Ahrensbök braucht ein extrem teures Medikament. Mit zahlreichen Aktionen sammeln die Menschen jetzt Spenden.

06.11.2019