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Ostholstein Vorwürfe und Beleidigungen: Behörden-Mitarbeiter in Sorge
Lokales Ostholstein Vorwürfe und Beleidigungen: Behörden-Mitarbeiter in Sorge
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22:10 28.01.2017
Schönwalde

„Ihr seid alles Pfeifen.“ „Ihr könnt nichts.“ „Wo habt Ihr eure Ausbildung gemacht?“ Sätze wie diese sind es, die Peter Zink nicht hinnehmen möchte. Der Vorsteher des Amtes Ostholstein-Mitte appellierte bereits beim Neujahrsempfang Mitte Januar an die Bürger aus Sierksdorf, Schönwalde, Altenkrempe, Kasseedorf und Schashagen, Mitarbeitern der Verwaltung sachlich gegenüber zu treten. In einem Gespräch mit den LN legt er nun nach und macht deutlich, dass das Schimpfen für einige Menschen zur Selbstverständlichkeit geworden sei. „Die Grenzen von verbal zu körperlich sind fließend. Wehret den Anfängen“, warnt er.

Der negative Höhepunkt ereignete sich vor wenigen Wochen. Als am 12. Dezember die Schönwalder Gemeindevertretung tagte, kam es zu einer hitzigen Diskussion bezüglich der Nutzung des Skilifts auf dem Bungsberg. „Ein Zuschauer empfahl, die Gemeindevertreter geteert und gefedert durchs Dorf zu treiben“, schildert der Leitende Verwaltungsbeamte Burkhard Busch die Ereignisse. Auch das Stichwort „München“ sei gefallen, eine Anspielung auf den dortigen Amoklauf. Die Drohung blieb nicht ohne Folge. Gegen einen Mann aus der Gemeinde wurde Anzeige erstattet.

Für Zink ist nicht nur die Art der Kommunikation verwerflich, auch versteht er nicht, dass sich kaum jemand über solche Verhaltensweisen empört. „Da steht keiner auf und sagt, mäßigen Sie sich. Im Gegenteil, da wird Beifall geklatscht. Das kann doch nicht sein“, sagt er.

Kompetenzen absprechen, Sachbearbeiter beleidigen und keinerlei Einsicht zeigen: Der Ton vieler Bürger gegenüber Behörden-Mitarbeitern wird rauer. „Die persönlichen Anfeindungen nehmen zu, wenn nicht dem eigenen Anliegen entsprochen wird“, erläutert Zink. Er betont, dass überhaupt nichts dagegen spreche, Kritik zu äußern, Entscheidung von Sachbearbeitern anzuzweifeln, oder ein neues Urteil anzufordern. „Es muss aber sachlich bleiben“, mahnt Peter Zink nachdrücklich.

Insbesondere in Briefen und E-Mails würden Mitarbeiter immer wieder angefeindet. Themen wie Nachbarschaftsstreitigkeiten, Zweitwohnungssteuer und Hundesteuer würden regelmäßig für Diskussionen unterhalb der Gürtellinie sorgen. Ärger gibt es zudem immer wieder, wenn es um das Eintreiben von GEZ-Gebühren geht. Burkhard Busch berichtet von Menschen, die nicht mehr zu erreichen seien. Zugleich betont er, dass es sich nicht selten um Personen aus der elitären Schicht handle, wie einem Richter a. D..

Auffällig ist, dass fast alle der „Pöbler“ das persönliche Gespräch scheuen. Sie schreiben ihre Anfeindungen nieder. Zink betont, dass die Verbal-Attacken abwertend seien und sich negativ auf die Motivation der Mitarbeiter auswirken könnten. „Bislang gab es keine körperlichen Übergriffe und wir brauchen auch noch keinen Personenschutz“, sagt Zink. Jedoch handle es sich längst nicht mehr um Einzelfälle.

Busch erläutert, dass es regelmäßig Gespräche mit Mitarbeitern gebe, wenn wieder einmal ein „harsches Schreiben“ ankomme. „Wir sind Profis und können damit umgehen. Dennoch macht das keinen Spaß und kann gerade für junge Kollegen belastend sein“, macht der Verwaltungsbeamte deutlich. Zink ergänzt, dass Rückendeckung vorhanden sei und sagt zugleich, dass natürlich auch Fehler im Amt Ostholstein-Mitte passieren könnten. „Hier arbeiten auch nur Menschen. Kommt es dazu, versuchen wir das zu klären“, sagt Zink. Er hoffe, dass die, „die noch nachdenken“, zur Einsicht kommen.

 Sebastian Rosenkötter