Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein WM kontra Kommunalpolitik
Lokales Ostholstein WM kontra Kommunalpolitik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:15 04.06.2014
Anzeige
Timmendorfer Strand

Donnerstag, 26. Juni, 18 Uhr: Das letzte Gruppenspiel der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM wird angepfiffen. Überall verfolgen die Fans gebannt den Kick gegen die USA. Nur nicht in Timmendorfer Strand und Süsel — denn dort sind Gemeindevertretersitzungen anberaumt, statt Fußball und Kaltgetränk stehen langwierige Debatten und Beschlussanträge auf dem Programm. . . Dieses Schreckensszenario wäre beinahe Wirklichkeit geworden — aber nur beinahe.

„Wir haben versucht, die Sitzung vom 26. Juni auf einen anderen Tag zu verlegen“, erklärt Timmendorfs Bürgervorsteherin Anja Evers (CDU). Das habe jedoch nicht geklappt. „Deshalb beginnt die Sitzung ausnahmsweise schon um 16.30 statt um 18 Uhr.“ Unter anderem sei auch der Vorschlag gemacht worden, einen Fernseher — „ohne Ton“ — in den Sitzungsraum zu stellen, „aber das geht ja nun auch nicht“. Anja Evers hofft, dass die Tagesordnung am 26. Juni zügig abgearbeitet wird. „Es wird allerdings niemandem das Wort abgeschnitten oder um 17.45 Uhr einfach Schluss gemacht“, betont sie.

Anzeige

Wie konnte überhaupt diese dramatische Terminüberschneidung entstehen? Die Daten für die Gruppenspiele stehen — inklusive Uhrzeit — immerhin seit der Auslosung vom 6. Dezember 2013 fest.

„Die ersten Vorschläge für Sitzungstermine macht die Verwaltung meist im Oktober oder November“, berichtet Anja Evers. „Anfang Dezember war die Planung so gut wie durch.“

Mehr fußballerische Weitsicht bewiesen die Stadt Eutin sowie die Gemeinden Bosau, Scharbeutz, Ratekau und Ahrensbök: Dort gibt es keine Sitzungen an den Gruppenspieltagen der Deutschen. „Darauf haben wir bewusst geachtet“, sagt Ahrensböks Bürgermeister Andreas Zimmermann (parteilos). „So viel Rücksicht auf die Bürger und die Gemeindevertreter muss sein.“ In Malente steht am 26. Juni eine Sitzung des Umweltausschusses an, allerdings bereits um 17 Uhr — vielleicht geht‘s ja schnell.

Als ihm Anfang des Jahres die Sitzungstermine vorgelegt wurden, war Süsels Bürgermeister Holger Reinholdt (FWS) nicht auf Zack: „An die WM habe ich nicht gedacht.“ So war der Finanzausschuss auf den 16. Juni, die Gemeindevertretersitzung auf den 26. Juni datiert, Beginn jeweils 19 Uhr. Dass an den Abenden die Spiele gegen Portugal und die USA anstehen, sei in der Gemeinde erst kürzlich aufgefallen. In größerer Runde habe man sich darauf geeinigt, den Sitzungsbeginn um eine Stunde nach hinten zu verschieben, so der Bürgermeister. „Ich hätte die Sitzungen lieber ganz verlegt, weil ich gern Fußball gucke und auch gern ein Bier dazu trinke. Das entfällt nun eben“, fügt sich Reinholdt. Die Tagesordnungen würden auch ab 20 Uhr sicherlich abgearbeitet werden können, „wir haben kein Mammutprogramm vor uns, und es sind auch keine Knaller zu erwarten“. Eins sei aber sicher: „Wenn in zwei Jahren die Europameisterschaft ansteht, passiert mir so eine Terminüberschneidung nicht nochmal.“

„An eine Verlegung auf 20 Uhr haben wir auch erst gedacht“, erklärt Anja Evers aus Timmendorf. „Aber wenn die Deutschen gewinnen, wollen ja alle feiern. Und wenn sie verlieren, sitzen wir mit bedröppelten Gesichtern herum — das wollten wir auch nicht.“ latz/ben

„An die WM habe ich gar nicht gedacht.“
Holger Reinholdt, Bürgermeister in Süsel

LN