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Ostholstein Waisenhaus für Eichhörnchen-Babys
Lokales Ostholstein Waisenhaus für Eichhörnchen-Babys
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22:32 08.07.2015
Schau mir in die Augen, Kleines! Ohne ihre Eltern sind sie völlig hilflos. Deshalb kümmert sich die Tierarzthelferin Anja Jürgens aus Hassendorf (Kreis Ostholstein) um verwaiste Eichhörnchen-Babys. Seit fünf Jahren betreibt sie eine Auffangstation für Eutin und Umgebung. Bisher hat Jürgens von 20 Findelkindern 19 groß bekommen – mit Fencheltee, Traubenzucker und Bauchmassagen.
Schau mir in die Augen, Kleines! Ohne ihre Eltern sind sie völlig hilflos. Deshalb kümmert sich die Tierarzthelferin Anja Jürgens aus Hassendorf (Kreis Ostholstein) um verwaiste Eichhörnchen-Babys. Seit fünf Jahren betreibt sie eine Auffangstation für Eutin und Umgebung. Bisher hat Jürgens von 20 Findelkindern 19 groß bekommen – mit Fencheltee, Traubenzucker und Bauchmassagen. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Eutin

Die wilde „Hilde“ und die leise „Liesel“ hatten Glück. Gartenbesitzer informierten rechtzeitig den Eichhörnchen-Notruf über zwei hilflose Jungtiere. Anja Jürgens aus Hassendorf, tiermedizinische Fachangestellte in einer Eutiner Tierarztpraxis, ist seit fünf Jahren Auffangstation für Eutin und Umgebung. Und nun wird – wo immer sie auch gerade ist – alle zwei Stunden gefüttert und anschließend das Bäuchlein gerieben, bis der Pups kommt. „Hilde“ und „Liesel“ sind im Transportkäfig immer mit von der Partie.

Glücklicherweise hat Anja Jürgens einen verständnisvollen Arbeitgeber und eine geduldige Familie. „Das ist eine zeitintensive Beschäftigung. Aber von 20 Eichhörnchen habe ich bisher nur ein einziges nicht durchbringen können“, berichtet sie von ihrem persönlichen Erfolg. In diesen Wochen herrscht Hochsaison. Denn den milden Winter haben die „Katteker“, so heißen sie auf plattdeutsch, ausgiebig zur Familiengründung genutzt.

Doch manchmal sind die Elterntiere einem Unfall, der Hauskatze oder dem Marder zum Opfer gefallen und hinterlassen hilflose Nesthocker. Andere Jungtiere sind offensichtlich verwaist in Gärten oder Parks zu finden. „Man sollte auf jeden Fall zunächst das Tier ein bis zwei Stunden beobachten. Oft ziehen die Baumbewohner wegen Parasitenbefalls oder Störungen von einem Kobel zum nächsten und transportieren ihren Nachwuchs nacheinander dorthin. Wenn jedoch Gefahr durch streunende Katzen droht oder die Tiere an einer vielbefahrenen Straße gefunden werden, muss gehandelt werden“, rät Anja Jürgens. Sie hat schon gehört, das verlassene Eichhörnchen am Hosenbein eines Spaziergängers hochgekrabbelt sind und sich dort festhielten. Wer einen kleinen Kraxler aufnimmt, sollte ihm auf keinen Fall Milch geben, sondern lauwarmen Fencheltee mit Traubenzucker. „Das erste ist jedoch ein Auskämmen und Befreien von Flöhen und Zecken. Die Nagetiere leiden oft unter Parasitenbefall.“

Ihre jüngsten Findelkinder waren so um die sieben Tage alt. „Nicht größer als Rattenbabys und völlig nackig.“ Manchmal seien auch verletzte Tiere dabei. Eines hatte einen Bauchbiss und eine abgebissene Zehe. Das Tier wurde in der Tierarztpraxis operiert und nach intensiver Pflege erfolgreich ausgewildert. Meist bleiben die Zöglinge je nach Verfassung acht bis neun Wochen bei Jürgens und werden dann nach und nach in die Wildnis entlassen. „Das geschieht in einem Gehege in einem Privatwald in Sörup bei Flensburg. Es wäre praktischer, wenn sich auch hier in der Nähe ein Jäger finden ließe, der die Auswilderung in einem passenden Umfeld übernehmen könnte“, wünscht sich Anja Jürgens. Und für die wilde „Hilde“ und die leise „Liesel“, beide nach ihrem jeweiligen Temperament benannt, ein glückliches Leben in Freiheit, wenn es dann soweit ist.

Der Notruf vermittelt Hilfe

Der Eichhörnchen-Notruf vermittelt Hilfe für verletzte oder verwaiste Findelkinder durch erfahrene Auffangstationen, berät bei Pflege und Aufzucht der Waisen und bei der Wiederauswilderung von Jungtieren. Die Rufnummer ist 0700/20020012.

Anfassen darf man ein Eichhörnchen-Baby, die vielleicht wiederkehrende Mutter lehnt es dann nicht ab. Die Tiere haben keine übertragbaren Krankheiten, insbesondere haben sie keine Tollwut. Darauf weist der Notruf ausdrücklich hin und bittet: „Lassen Sie kein scheinbar verwaistes Jungtier unbeobachtet liegen, der Satz: ,die Natur wird es schon richten’ ist nicht mehr zeitgemäß.“ Gut die Hälfte der gefundenen Tiere sei durch menschliches Handeln in diese lebensbedrohliche Situation gebracht worden und nicht durch die Natur.

Weitere Informationen unter www.eichhoernchen-notruf.com

Von Manuela Boller