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Ostholstein Das höchste Lokal im Norden ist insolvent
Lokales Ostholstein Das höchste Lokal im Norden ist insolvent
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15:46 25.01.2019
Die Waldschänke ist geschlossen. Das Insolvenzverfahren wurde eingeleitet.
Die Waldschänke ist geschlossen. Das Insolvenzverfahren wurde eingeleitet. Quelle: Sebastian Rosenkötter
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Schönwalde

Die Internetseite ist nicht erreichbar, das Lokal geschlossen und Insolvenz angemeldet. Die Waldschänke auf dem Bungsberg ist dicht. Ein neuer Betreiber wird gesucht. Nach fast vier Jahren mussten Gabriele und Uwe Reichert aufgeben. Beendet ist die Geschichte damit nicht. Eine juristische Auseinandersetzung steht bevor.

Nach vier Jahren ist Schluss

Rückblick: Der Bungsberg wurde in den vergangenen Jahren komplett umgestaltet. Für etwa 4,4 Millionen Euro entstand dank der Förderung der Sparkassen-Stiftung das Bildungsspaß-Gebäude als Tagungsort und Veranstaltungszentrum. Die in unmittelbarer Nähe stehende alte, verfallene Waldschänke, die zu Zeiten des Großherzogs vom Wächter des – mittlerweile ebenfalls sanierten – Elisabethturmes bewirtschaftet wurde, wich einem Neubau. Im Oktober 2014 wurde nach monatelangen Verhandlungen ein neuer Betreiber präsentiert: das Ehepaar Reichert. Ein entsprechender Vertrag mit dem Zweckverband Bungsberg wurde geschlossen. Anfang 2015 nahmen sie den Betrieb auf und kämpften seitdem um ausreichend Umsatz.

Fast vier Jahre später ist auf der Facebookseite der Waldschänke folgender Satz zu lesen: „Liebe Gäste, die Waldschänke ist geschlossen wegen Geschäftsaufgabe . . .“ Ein Anruf bei Uwe Reichert, dessen Frau offiziell Pächterin ist, schafft Klarheit. „Der Betrieb ist seit Anfang Januar zu. Man hat uns in die Pleite gezwungen. Es hapert immer wieder mit dem Zweckverband“, sagt er und schiebt hinterher, dass die Fronten verhärtet seien und sie keinesfalls weitermachen würden. Weitere juristische Schritte schließt Uwe Reichert nicht aus. „Die haben uns unsere Existenz genommen“, klagt er.

Die Waldschänke ist geschlossen. Das Insolvenzverfahren wurde eingeleitet. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Zweckverband will gütliche Lösung

Benjamin Ridders, Verpächter und Vorsteher des Zweckverbands Bungsberg, will die Vorwürfe nicht öffentlich kommentieren. „Wir vom Zweckverband sind immer noch bemüht, das Ganze gütlich hinzubekommen. Unsere Hauptaufgabe ist es, die Gaststätte zu betreiben. Wir haben die Nachricht vergangene Woche bekommen, dass das Lokal geschlossen ist.“ Hinter den Kulissen werde bereits nach einem Nachfolger gesucht, um den Betrieb möglichst schnell wieder aufzunehmen. „Es gibt einen Interessenten. Spruchreif wird es erst, wenn der Vertrag unterschrieben ist. Noch ist alles offen“, betont Ridders.

Der Betrieb der Waldschänke ist nicht nur aus Sicht von Benjamin Ridders von enormer Bedeutung. Auch Jörg Schumacher, Geschäftsführer der Sparkassen-Stiftung Ostholstein, fordert eine schnelle Lösung. „Wir hatten Donnerstagabend eine Ausstellungseröffnung. Keiner der Besucher konnte noch ein Glas Wein trinken oder eine Kleinigkeit essen. Es wäre gut, wenn die Waldschänke wieder in Gange kommt. Es sind jedes Wochenende Leute auf dem Bungsberg“, sagt Schumacher.

Keine Skilift-Entscheidung

Der erste Schnee ist längst da. Doch der Skilift auf dem Bungsberg wurde bislang nicht aufgebaut. Der Zweckverband Bungsberg hat bislang keine Entscheidung getroffen, wie es mit der Anlage weitergeht. Kostenaufstellung und Konzept sollen erarbeitet werden.

Sebastian Rosenkötter