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Ostholstein Mit Ministerin: Lebensmittelkontrolleure nehmen Karls Erlebnis-Dorf unter die Lupe
Lokales Ostholstein Mit Ministerin: Lebensmittelkontrolleure nehmen Karls Erlebnis-Dorf unter die Lupe
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20:02 26.07.2019
Die Verbraucherschutzministerin Sabine Sütterlin-Waack schaut der Lebensmittelkontrolleurin Angela Sus über die Schulter, als diese die Marmeladenküche überprüft und dabei auch die Temperaturen in den Töpfen misst. Quelle: Dirk Schneider
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Warnsdorf

 Es duftet nach frischem Brot und fruchtiger Marmelade. Bei Karls Erlebnis-Dorf in Warnsdorf werden hinter Glasscheiben Teige gerührt und Früchte gekocht. Doch wie hygienisch ist ein Betrieb, in dem die Besucher nicht nur die fertigen Produkte, sondern auch den Blick in die Backstube und die Marmeladenküche genießen können? Verbraucherschutzministerin Sabine Sütterlin-Waack nutzte die Gelegenheit, der Lebensmittelkontrolleurin Angela Sus und Kreisveterinär Wolf Vogelreuter bei einer Inspektion über die Schulter zu schauen.

Die ersten Pluspunkte sammelt Mitarbeiter Mohammad vor dem eigentlichen Beginn der Lebensmittelkontrolle. Während er die angekündigte Lebensmittelkontrolleurin in ihrem weißen Arbeitskittel mit nettem Gruß passieren lässt, stoppt er die Ministerin mit der Bitte, eine bestimmte Linie nicht zu übertreten. So will es die Vorschrift.

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90 Grad: Die Einkochtemperatur ist in Ordnung

Während Sus im inneren Küchenbereich die Spüle und Arbeitsflächen, Wannen und Kellen in Augenschein nimmt, schaut Sütterlin-Waack vom Rand in die Töpfe, in denen die Erdbeermarmelade blubbert. Wenig später gesellt sich Sus hinzu, um die Einkoch-Temperatur zu messen. „90 Grad Celsius. Alles in Ordnung“, stellt sie zufrieden fest, während Mohammad und Ewilina die heiße Masse in sterile Gläser einfüllen. Binnen Sekunden wird das Ganze mit einem Deckel luftdicht verschraubt und auf den Kopf gestellt, damit sich das Vakuum zur Verbesserung der Haltbarkeit bilden kann. „Besser geht’s nicht“, kommentiert Sus.

Wird die Kühlkette eingehalten? Mit einem geeichten Thermometer misst Lebensmittelkontrolleurin Angela Sus die Temperatur zwischen den Wurstwaren. Quelle: Dirk Schneider

Die nächste Station ist ein offener Kühltresen, in dem eingeschweißte Wurstwaren gelagert werden. Sus erster Blick gilt dem Etikett. Sind Inhaltsstoffe und Mindesthaltbarkeit richtig deklariert? Werden die Lagerungsbedingungen eingehalten? „Maximal sieben Grad Celsius sind zulässig, wir liegen knapp drunter“, stellt sie mit Blick auf das geeichte Messgerät fest. Sollte es länger so heiß bleiben, sollte man über eine Abdeckung nachdenken oder die Waren in kälteleitenden Kühlboxen präsentieren, lautet Sus Empfehlung. Ulrike Dahl, die das Familienunternehmen mit Bruder Robert und dessen Frau Stephanie leitet, nimmt die Anregung sofort auf. Wenig später ist der Kühltresen umgebaut.

Pottkieker-Gesetz soll Klarheit schaffen

Genau dies wäre ein gutes Beispiel für die Problematik wegen der Sütterlin-Waack ihre diesjährige Sommerreise dem Thema Lebensmittelüberwachung widmet. „Wir sind dabei, ein Pottkieker-Gesetz zu entwickeln.“ Hintergrund dieser Initiative sei die Online-Plattform „Topf Secret“, die von dem Verein „Foodwatch“ betrieben werde, so die Ministerin. Diese Verbraucherrechtsorganisation fordere immer häufiger Untersuchungsberichte der Lebensmittelkontrolleure über verschiedene gastronomische Betriebe und lebensmittelverarbeitende Unternehmen an, um diese automatisch auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen. Bislang habe Foodwatch in Schleswig-Holstein 1300 Anfragen gestellt, die man allerdings mit Hinweis auf den Datenschutz nur mit dem Datum der letzten Prüfung beantwortet habe.

„Das Problem ist der Automatismus, mit dem die Daten unkontrolliert ins Netz gestellt werden und dort verbleiben, selbst wenn mögliche Beanstandungen längst beseitigt wurden“, erläutert Sütterlin-Waack. Hier gelte es auch, die Rechte der Gastronomen und Produzenten zu sichern. Prinzipiell habe aber jeder Bürger das Recht, die Berichte anzufordern, aber eben nicht zu veröffentlichen. Zugleich bekomme auch der überprüfte Betrieb eine Mitteilung, wer dieses Zeugnis abgefragt habe, erklärt Sütterlin-Waack die aktuelle Rechtslage.

Ulrike Dahl: „Transparenz ist unser Konzept“

Das geplante Pottkieker-Gesetz sehe einen analogen Ansatz vor. Die Idee: Die Betriebe halten die Prüfberichte in ausgedruckter Form im Restaurant oder Laden vor und müssen diese einem Kunden auf Wunsch zum Lesen zur Verfügung stellen. Diese Vorgehensweise fördere den Dialog und auftauchende Fragen könnten schnell und persönlich beantwortet werden, so Sütterlin-Waack. Es mache schon einen großen Unterschied, ob die Bestnote wegen Mängeln bei der Hygiene und überlagerten Lebensmitteln oder wegen einer falschen Kabeltrommel, die nicht für Feuchtbereiche zugelassen ist, verweigert worden sei, betont Sütterlin-Waack.

Ulrike Dahl unterstützt diesen Vorschlag. „Transparenz ist ohnehin unser Konzept“, stellt sie mit Blick auf die offenen Produktionsbereiche fest.

Auf dem Hof ins Warnsdorf wurde unter anderem die Marmeladenkocherei überprüft

Dirk Schneider