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Ostholstein Warum die Haffkruger Feuerwehr so erfolgreich ist
Lokales Ostholstein Warum die Haffkruger Feuerwehr so erfolgreich ist
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18:00 20.03.2019
Die Kameradinnen und Kameraden der Ortswehr Haffkrug schätzen ihr modernes Equipment – hier das Schlauchboot für Einsätze auf der Ostsee. Quelle: Sabine Latzel
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Haffkrug

„Wir ernten jetzt die Früchte jahrelanger Bemühungen.“ Sven Reimers, Ortswehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Haffkrug, ist sichtlich zufrieden. Gerade haben sie die aktiven Mitglieder Nr. 39 und 40 in den Reihen der Wehr begrüßt. Intensive Nachwuchsarbeit, moderne Ausstattung und ein fröhliches Miteinander: So beschreiben die Haffkruger Kameraden ihr Erfolgsrezept.

Die Sollstärke von 37 ist schon überschritten

Was die Haken angeht, herrscht im Haffkruger Feuerwehrgerätehaus allmählich Platznot. Dicht an dicht hängen dort Helme und Jacken nebeneinander, schweres Schuhwerk steht darunter – die Einsatzbekleidung von 40 Männern und Frauen, die derzeit in der 1800-Einwohner-Dorfschaft regelmäßig aktiven, ehrenamtlichen Dienst leisten. „Manchmal haben wir hier bis zu 30 Leute bei einem Übungsabend, da ist dann schon einiges los“, berichtet Gruppenführer und Oberlöschmeister Jürgen Kraemer.

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Das war nicht immer so. Beim 100. Jubiläum 2010 zählte die Wehr nur 25 Aktive. „Unter 20 wäre für uns kritisch, dann müssten wir auch über Verpflichtungen nachdenken“, erläutert Reimers mit Blick auf Orte wie Grömitz, wo die Einführung einer Pflichtfeuerwehr nötig wurde. Die Haffkruger hingegen liegen über ihrer Sollstärke von 37 Feuerwehrleuten, „damit können wir sehr zufrieden sein“, sagt der Wehrführer.

Die unfreiwillige Feuerwehr

Eine Pflichtfeuerwehr wird eingerichtet, wenn eine Freiwillige Wehr nicht gebildet werden kann und somit der Brandschutz nicht gewährleistet ist. Mit einer Pflichtwehr kann aber auch eine bestehende Freiwillige Wehr verstärkt werden.

Grundlage ist Paragraf 16 des Brandschutzgesetzes. Dort heißt es unter anderem: „Alle Bürgerinnen und Bürger vom vollendeten 18. bis vollendeten 50. Lebensjahr sind verpflichtet, Dienst in der Pflichtfeuerwehr als ehrenamtliche Tätigkeit für die Gemeinde zu übernehmen und auszuüben, sofern sie nicht nachweisen, dass sie den gesundheitlichen Anforderungen des Feuerwehrdienstes nicht gewachsen sind.“ Die Bürger können für zwölf Jahre verpflichtet werden.

Aktuell arbeitet die Gemeinde Grömitz an der Aufstellung einer Pflichtwehr. Es ist die vierte in Schleswig-Holstein nach List auf Sylt (2005), Burg in Dithmarschen (2009) und Friedrichstadt in Nordfriesland (2016).

Gemeinsame Dienste der Aktiven und der Jugendwehr

Vor zehn Jahren habe die Nachwuchsarbeit begonnen, berichtet Reimers, mit der Gründung der Haffkruger Jugendwehr 2009. Die Kinder und Jugendlichen – derzeit sind es 20 – werden teilweise in die Dienste der Erwachsenen eingebunden oder gestalten einen gemeinsamen Dienst. „Wir mussten auch schon mit Eimern auf dem Kopf beim ,Spiel ohne Grenzen’ mitwirken“, sagt Kraemer schmunzelnd. Wichtig ist für ihn, „dass die 16-Jährigen bei uns schon wie aktive Mitglieder behandelt werden, auch wenn sie noch nicht alles machen dürfen“. Das baue die Hemmschwelle ab, als junger Erwachsener zu den Aktiven zu wechseln, „die kennen sich dann ja alle schon“.

Über die Jugendwehr seien zudem andere Erwachsene zu den Aktiven „gelockt“ worden – Geschwister oder Eltern, die den Reiz des Feuerwehrdienstes für sich entdeckt haben. „Ein Pluspunkt ist noch dazu unser Equipment, das spielt eine große Rolle“, erklärt Kraemer. Die Wehren in Scharbeutz seien hervorragend ausgestattet, „wir werden von der Gemeinde super unterstützt“. Das älteste Fahrzeug der Haffkruger, das Tanklöschfahrzeug 16/25, ist von 2002, das HLF 10 (Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug) ist drei Jahre jung. Der neue Anbau am Waldweg für den Fuhrpark soll im Sommer fertig sein, denn die Haffkruger haben außerdem noch zwei Busse und das Schlauchboot für Einsätze auf der Ostsee oder der Pönitzer Seenplatte.

Haffkruger machen kreative Mitgliederwerbung

„Es motiviert gerade junge Menschen, wenn sie mit moderner Technik umgehen können“, sagt Kraemer. Und es ist für die Jugendlichen natürlich spannend, dass sie mit dem Boot aufs Wasser fahren. „Spaß gehört bei uns dazu“, sagen die Haffkruger. Vor einigen Jahren haben sie eine Imagekampagne auf den Weg gebracht, um dem Bild von der Feuerwehr als Verein von trinkfreudigen Stammtisch-Hockern entgegenzuwirken. Die Kampagne läuft nicht mehr, dafür haben die Haffkruger aber neue Ideen.

Die Einsätze und Übungen bei der Freiwilligen Feuerwehr Haffkrug sind abwechslungsreich – schon allein, weil die Haffkruger auch auf dem Wasser helfen und retten müssen.

So sind sie vor zwei Jahren währen der Aalwoche im Umzug als Greise verkleidet mitgelaufen, mit Rollatoren und Rollstühlen, Motto: „Feuerwehr 2030 – Ohne Neue sehen wir alt aus“. Die Mitglieder unternehmen Fahrradausflüge, grillen oder treffen sich beim Skat- und Knobelabend. Aus dem „Füürwehr-Pott“ gibt es Gutscheine, ein Familientag wird auch gefeiert. Schon allein, weil es einige Familien gibt, die in der Haffkruger Wehr quasi komplett vertreten sind.

Die Frauenquote liegt aktuell bei zwölf Prozent, „es dürfen gern einige Damen mehr sein“, sagt Wehrführer Reimers. Sein „Traumziel“ wären 50 aktive Mitglieder insgesamt. Aber auch auf die Zahl 40 sind sie in Haffkrug schon stolz und versprechen: „Bei uns ist jeder und jede willkommen und findet einen Platz.“ Selbst wenn sich die Kleider-Haken dicht an dicht drängen. Wer mehr über die Haffkruger Wehr erfahren möchte, guckt auf www.feuerwehren-gemeinde-scharbeutz.de.

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Sabine Latzel

20.03.2019
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