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Ostholstein Wasserversorger: Auch Touristen sollen Wasser sparen
Lokales Ostholstein Wasserversorger: Auch Touristen sollen Wasser sparen
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18:16 25.07.2019
Das wertvollste Lebensmittel, das es gibt: frisches Wasser. Die Wasserversorger in Ostholstein fördern es aus den Tiefenschichten. Die Reinigung des geförderten Grundwassers hin zu Trinkwasser ist aufwendig. Deshalb sollte es nicht zum Rasensprengen oder Autowaschen vergeudet werden.
Das wertvollste Lebensmittel, das es gibt: frisches Wasser. Die Wasserversorger in Ostholstein fördern es aus den Tiefenschichten. Die Reinigung des geförderten Grundwassers hin zu Trinkwasser ist aufwendig. Deshalb sollte es nicht zum Rasensprengen oder Autowaschen vergeudet werden. Quelle: Roland Weihrauch/dpa
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Fehmarn/Grömitz/Eutin

Gluthitze in Ostholstein. Temperaturen von mehr als 30 Grad können derzeit bestenfalls die Urlauber am Strand genießen. Arbeitnehmer müssen bis abends durchhalten. Erst dann können sie sich unter der Dusche erfrischen. Mit den Temperaturen schießt parallel der Wasserverbrauch in die Höhe. Die Zweckverbände in Ostholstein haben bereits zum Wassersparen aufgerufen (die LN berichteten). Noch gibt es keine Alarmmeldungen, noch steht die Ampel nicht auf Rot. „Aber auf Gelb steht sie allemal“, sagt Christiane Wüsthoff, Verwaltungsleiterin des Zweckverbandes Karkbrook in Grömitz.

Für die Karkbrook-Mitarbeiter sind es derzeit buchstäblich heiße Wochen. Denn mit Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen schnellten die Abgabemengen wie im vergangenen Jahr wieder auf Rekordwerte. Das bedeutet richtig viel Arbeit. 7800 Haushalte mit rund 15 500 Einwohnern sind normalerweise zu versorgen. Wenn in diesen Wochen aber die Urlaubsgäste in den Hotels hinzukommen, müssen rund 70 000 Menschen versorgt werden.

„Noch haben wir genügend Wasser“, sagt Christiane Wüsthoff, „aber wir sind am Limit.“ 7200 Kubikmeter werden aus den 13 Brunnen täglich zu frischem Trinkwasser aufbereitet, 7000 Kubikmeter gehen im Tagesverlauf sofort wieder raus. Die Reservebecken, die beispielsweise der Karkbrook vorhält, taugen bestenfalls, um Tagesschwankungen auszugleichen. „Mit unserem Appell versuchen wir die Menschen zu sensibilisieren, unser kostbarstes Lebensmittel nicht für Autowäsche oder Rasenpflege zu verschwenden.“

Dieter Küpker, Direktor des Carat-Hotels in Grömitz, in einem der neugestalteten Badezimmer. Insgesamt 3,5 Millionen Euro hat der Konzern investiert. Im Mittelpunkt stand die Sanierung der Bäder und der Umbau von Badewannen auf modernste Duschkabinen - auch um Wasser zu sparen. Quelle: Gäbler

Auch den Hotels an der Küste sind die Hände gebunden: „Ein Appell zum Wassersparen ginge ja noch. Aber wir können dem Gast nicht vorschreiben, dass er nur einmal am Tag duschen dürfe“, sagt der Direktor des Grömitzer Hotels „Carat“, Dieter Küpker. „So etwas würde der Urlaubsgast nicht akzeptieren. Wir haben deshalb technisch umgerüstet.“ Um den Wasserverbrauch deutlich abzusenken, hat das „Carat“ in den beiden vergangenen Wintern bereits mit einem Kostenaufwand von 3,5 Millionen Euro die Bäder von 118 Zimmern von Badewanne auf Dusche umgebaut. „Die restlichen 40 Zimmer sind im nächsten Winter dran“, sagt Küpker. Diese bauliche Maßnahme hätte „gewaltige Wasser-Einsparungen“ gebracht.

Ein Aufwand, den sich auch das IFA-Ferienzentrum in Burgtiefe auf Fehmarn auf die To-Do-Liste geschrieben hat. Doch der Komplex am Burger Südstrand zählt 420 Appartements, und ein Großteil davon ist noch mit Wannen ausgestattet. „Aber das gehen wir an“, sagt Sven Gerken, stellvertretender Hoteldirektor. Neue und wassersparende Duschköpfe würden bereits nach und nach installiert, ebenso Hinweisschilder auf den sparsamen Umgang mit Badehandtüchern. „Aber den Wasserverbrauch des einzelnen Gastes kann man einfach nicht steuern“, sagt Gerken.

Perlstrahler (auch Perlatoren genannt) und Sparduschköpfe optimieren den Wasserstrahl und senken den Verbrauch ohne Komfortverlust. Quelle: Gäbler

Was kann man also tun, um das kostbare Nass zu schonen und nicht zu verschwenden? Hier einige Tipps der Wasserversorger:

Wasserstrahl optimieren: Spartechnik muss nicht teuer sein. Bestes Beispiel sind Durchlaufbegrenzer, Perlstrahler (auch Perlatoren genannt) und Sparduschköpfe. Sie optimieren den Wasserstrahl und senken den Verbrauch ohne Komfortverlust. Effektive Duschköpfe gibt es schon ab 20 Euro. Wer damit duscht, kann pro Jahr bis zu 36  500 Liter Wasser und 100 Euro sparen.

Dichtungen prüfen: Minifontänen am Brauseschlauch, tropfende Wasserhähne und undichte Spülkästen verschwenden literweise Wasser. Schuld sind meist poröse oder verkalkte Dichtungen. Ersatz gibt es für kleines Geld im Baumarkt oder Fachhandel. Gegen den Kalk hilft Essigreiniger.

Sparsam und kreativ wässern: Beim Zähneputzen, Händewaschen und Einseifen zwischendurch den Wasserhahn abdrehen, einen Zahnputzbecher verwenden, häufiger duschen statt baden, Gemüse und Obst in einer Schüssel oder im Spülbecken reinigen – so lassen sich weitere wertvolle Liter einsparen.

Bei Warmwasser müssen es nicht mehr als 60 Grad sein. Wer Boiler, Durchlauferhitzer oder Heizung entsprechend einstellt, spart Geld und schont die Umwelt. Quelle: Gäbler

60 Grad reichen: Bei Warmwasser müssen es nicht mehr als 60 Grad sein. Wer Boiler, Durchlauferhitzer oder Heizung entsprechend einstellt, spart Geld und schont die Umwelt. Bei neuen Durchlauferhitzern auf eine elektronische Steuerung achten – die sorgt für genau die richtige Temperatur.

Wassersparen im Haushalt: Geschirrspüler und Waschmaschinen sollten optimal beladen sein, üblicherweise also voll. Quelle: Gäbler

Geschirr und Wäsche effizient reinigen: Geschirrspüler und Waschmaschinen sollten optimal beladen sein, üblicherweise also voll. Niedrigere Temperaturen reichen dank moderner Kaltwaschmittel meist aus und senken den Stromverbrauch drastisch.

Armaturen und Spülsystem optimieren: Wer beim Duschen eine Mischbatterie (oder Zwei-Griff-Armatur) nutzt, muss das Wasser ständig laufen lassen oder die Temperatur nach dem Einseifen neu regeln. Eine Alternative ist ein Dusch-Stop, der hinter der Armatur angebracht wird. Bei Waschbecken mit Einhebel-Mischbatterie kann der Warmwasserzufluss zu Sparzwecken komplett zugedreht werden.

Wer sein Auto selbst wäscht, tut sich und der Umwelt keinen Gefallen. Besser sind Waschanlagen, möglichst mit Wasserrecycling. Quelle: Gäbler

Auto wachsen statt waschen: Wer sein Auto selbst wäscht, tut sich und der Umwelt keinen Gefallen. Besser sind Waschanlagen, möglichst mit Wasserrecycling. Die verbrauchen weniger Wasser und sorgen für eine optimale Pflege des Autos. Vier Wäschen mit anschließendem Wachsen (am besten lösemittelfrei auf Wasserbasis) reichen völlig aus.

Die Kehrseite der Medaille

In Deutschland wird immer weniger Wasser verbraucht. Waren es 1990 im Bundesdurchschnitt noch 147 Liter pro Einwohner und Tag, sind es nun nur noch 123 Liter. In den neuen Bundesländern liegt der Verbrauch sogar unter 80 Liter pro Einwohner und Tag. Das ist inzwischen so wenig, dass durchaus schon mal zu wenig Abwasser in die Kanäle gelangt.

Irgendwann ist der Zeitpunkt erreicht, dass das Wasser zu langsam fließt oder sogar zum Stillstand kommt. Das kann zu Verkeimungen und sogar zu Kanalfraß führen, wenn Säuren und Dämpfe den Beton angreifen. Um das zu verhindern, müssen die Wasserbetriebe ihre Abwasserkanäle spülen. Und die Kosten dafür werden auf die Kunden umgelegt.

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