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Ostholstein Wasserversorgung am Limit
Lokales Ostholstein Wasserversorgung am Limit
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23:10 24.07.2018
Beim Brand in Bujendorf entfalteten Feuerwehrleute der 5. Bereitschaft Wasserbassins aus Kunststoff, um die Versorgung zu sichern.
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Ostholstein

Das, sagt Thorsten Plath, habe er in 28 Jahren noch nicht erlebt. Der Kreisbrandmeister ist Abteilungsleiter Wasserversorgung und Rohrnetzservice Gas/Wasser beim Zweckverband Ostholstein (ZVO) und hat beim Großbrand in Bujendorf am Montag ein waches Auge auf die Trinkwasserversorgung gehabt. Dass die durch einen Feuerwehr-Großeinsatz derart an ihr Limit kommen könnte, dass sich die Wehren andere Quellen suchen sollten, sei eine absolute Ausnahme, sagt Plath.

„Trinkwasser ist ein Lebensmittel, und das ist gerade jetzt wirklich knapp“, erklärt der Ingenieur und oberste ostholsteinische Feuerwehrmann. An der Trinkwasserleitung hingen auch Krankenhäuser, Pflegeheime und Dialysepatienten. „Da es zurzeit eine große Wasserentnahme gibt, haben wir in einigen Bereichen Schwierigkeiten, das Lebensmittel Trinkwasser zu liefern.“ Dabei hakt es nicht an den Grundwasser-Vorräten, sondern an der Kapazität von Wasserwerken und Rohrnetz.

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Der Hochsommer wirkt sich auf Feuerwehreinsätze im Kreis aus. Bei Großbränden wie Montag in Bujendorf kommt die Wasserversorgung an ihre Grenzen. Teils kilometerlange Strecken müssen überbrückt werden, um Seen anzuzapfen.

2300 Liter Trinkwasser pro Minute wurden während des Feuerwehreinsatzes in Bujendorf verbraucht.

Im Großraum Neustadt flossen im Februar durchschnittlich 140 Kubikmeter pro Stunde durch die Wasserleitungen, zurzeit sind es 300 Kubikmeter jede Stunde. In Timmendorfer Strand und Niendorf sind es sogar noch einmal deutlich mehr.

Feuerwehr-Sprecher Hartmut Junge betont, dass die Feuerwehren zumindest im ersten Angriff auf die Trinkwasserversorgung zugreifen müssen. Danach sind Alternativen möglich. „Dafür haben wir im Kreis Ostholstein die Feuerwehrbereitschaften, die größere Strecken überbrücken können“, sagt Junge. In Bujendorf, beim Brand eines Bauernhofes, waren es rund drei Kilometer bis zu einem See. „Drei Kilometer ist eine normale Sache. Mehr Kilometer wären möglich“, betont Junge. Über den Kreis verteilt gebe es viele Fahrzeuge, die mit ihren Pumpen und Schläuchen jeweils 500 Meter überbrücken könnten. Zu Bujendorf sagt er: „Das ist innerhalb von einer halben Stunde geschehen.“ Zuvor hatten sich die Einsatzkräfte mit Bassins beholfen, die von Tankfahrzeugen befüllt wurden.

Wasser sparen

Der Kreisbrandmeister plädiert dafür, immer dann zu versuchen Wasser zu sparen, wenn keine Personen in Gefahr sind, etwa wie in Bujendorf, wo ohnehin kaum etwas zu retten war, oder wenn ein Feld brennt. In Bujendorf habe es den Hinweis gegeben: „Schränkt euch ein bisschen ein und versucht, Trinkwasser mit Maß zu nutzen.“ Etwa um den Kuhstall zu retten, was ja auch gelungen sei.

Auch jenseits der Wasserleitungen und Hydranten sind die Wasservorräte gering. Fast jedes Dorf verfügt über einen Löschteich. „Die werden im Moment relativ schlecht befüllt und schlecht nachversorgt“, erläutert Junge. Deshalb sei eine Nutzung der Trinkwasserleitungen manchmal nicht zu verhindern. Druckabfälle im Netz könnten vorkommen.

"Wasserkapazität sehr erschöpft"

Ähnlich äußert sich Alexander Wengelewski. Der Chef der Neustädter Feuerwehr sagt: „Durch die vielen Urlauber arbeiten die Wasserversorger auf Hochdruck, dementsprechend ist die Wasserkapazität sehr erschöpft. Da die Feuerwehr auf das gleiche Netz zugreift, hat der Einsatz in Bujendorf für Leistungsabfälle im Bereich der Stadt Neustadt gesorgt.“ Jedoch lasse sich dies aus Feuerwehrsicht kompensieren. Baumärkte und die Schön-Klinik würden über große unterirdische Löschwasserbehälter und Löschteiche verfügen. Zudem hätten die Feuerwehren im Kreis Fahrzeuge, in denen sie 500 bis 5000 Liter transportieren könnten. Wobei: Bei einem Einsatz wie in Bujendorf sei der 5000-Liter- Tank in fünf Minuten leer. Bei einem Flächenbrand dauere dies länger. „Da verbrauchen wir 100 Liter pro Minute“, sagt Wengelewski.

Dennoch betont der Neustädter Wehrführer: „Die Wasserversorgung ist sichergestellt.“ Das sagt auch Stephan Perner von der Oldenburger Wehr, die ebenfalls dafür verantwortlich ist, in Notsituationen Wasser aus entfernten Bereichen herbeizuschaffen. „Wir haben überall die Ostsee. Das ist unser Glück. Die Randgebiete wie Dahme, Kellenhusen, Heiligenhafen und Fehmarn können das nutzen. Für das Binnenland wäre es schwierig.“

Susanne Peyronnet und Sebastian Rosenkötter

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