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Ostholstein Wenn „Bello“ planschen will: Ärger um Hunde am Strand
Lokales Ostholstein Wenn „Bello“ planschen will: Ärger um Hunde am Strand
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20:10 20.07.2018
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Ostholstein

Von einer Holzbrücke, die über den Deich führt, geht es zum Freistrand in Kellenhusen. Wenige Meter daneben beginnt schon der Hundestrand. Die Australian-Shepherd-Hündin „Mary“ und ihr Frauchen Tatiana Pein wissen, wie sie sich zu verhalten haben. „Ich nehme sie an die Leine, bis wir in unserem Bereich sind und sie sich etwas beruhigt“, erzählt die Hundehalterin und Wochenendcamperin aus Stormarn. Ihre eineinhalbjährige Hündin liebe das Wasser: „Würde ich sie an der Brücke losmachen, gebe es für sie kein Halten mehr.“

Auch Vierbeiner genießen im Sommer den Strandurlaub mit Frauchen und Herrchen. An ausgewiesen Hundestränden können sie baden, toben und sich sonnen. Ansonsten herrscht an Stränden von April bis Oktober Hundeverbot. Doch nicht jeder Hundebesitzer hält sich daran.

Freistrand

Eine Nutzungsgebühr wird am Freistrand nicht fällig. Badegäste müssen dafür auf einige Annehmlichkeiten wie regelmäßige Strandreinigung oder nahe Toiletten verzichten. Ein Freistrand ist jedoch kein Hundestrand.

Und genau das sei das Problem, sagt Gisela Jost. Seit 66 Jahren kommt sie auf den Campingplatz Kellenhusen und erlebt mittlerweile immer häufiger, wie einige Tierfreunde auch den konzessionsfreien Strand einnehmen. Ihr Vorwurf: „Es macht auf der Brücke ,klick’, die Leine ist ab und schon stürmen die Hunde geradewegs zum Wasser, wo auch viele Kinder spielen.“ Wenn man die Halter darauf anspreche, seien manche einsichtig, manche würden sie einfach ignorieren. „Man kann nur hoffen, dass nicht doch mal was passiert“, sagt Jost. Ihre Enkelin sei schon mal mit einem Schäferhund konfrontiert worden, der plötzlich vor ihr stand, passiert sei aber nichts. Sie habe nichts gegen Hunde, betont die Urlauberin, ihre Tochter habe selbst einen Australian Shepherd – aber zwischen April und Oktober sollten Hunde am Freistrand zumindest an der Leine geführt werden. In Kellenhusen trenne zudem die Buhne im Wasser ideal den Hunde- vom Freistrand, sagt Jost.

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Vierbeiner am Strand? Das ist die Gesetzeslage

Das Hundegesetz in Schleswig-Holstein verbietet Hunde in Badeanstalten sowie an „Badestellen an Oberflächengewässern“, in einer Verwaltungsvorschrift werden Ausnahmen wie Hundestrände geregelt. An diesen dürfen die Vierbeiner meist ohne Leine laufen, es gibt aber auch Ausnahmen. So besteht zum Beispiel auf Fehmarn generell eine Leinenpflicht.

An normale Badestrände dürfen Hundehalter mit ihren Tieren laut Landesnaturschutzgesetz vom 1. November bis Ende März. Eine Lücke im Gesetz erlaubt Gemeinden aber eine „Sondernutzung“, sodass vielerorts Hunde ab dem 1. Oktober an den Strand dürfen.

An der Ostsee in Kellenhusen ist das Ordnungsamt zuständig, wenn es um die Überwachung der Regeln geht. Die Mitarbeiter können Bußgelder aussprechen. Doch regelmäßige Kontrollen seien wie in allen Gemeinden an der Küste wegen des Personalmangels schwer umzusetzen, heißt es aus dem für Kellenhusen zuständigen Amt in Grube. Komme es zu Überprüfungen reiche es manchmal, die Halter auf die Bestimmungen aufmerksam zu machen – aber nicht immer. Wolle jemand seine Personalien nicht herausrücken, müsse extra die Polizei eingeschaltet werden.

Immerhin, in Kellenhusen hängt zur Aufklärung der Hundehalter jetzt seit einigen Tagen ein neues Hinweisschild an der Brücke. „Im Vorjahr wurde das alte drei Mal niedergerissen“, sagt Dauercamperin Gisela Jost. Sie hoffe auf die Vernunft der Menschen, dann gäbe es keine Probleme.

Markus Billhardt