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20:34 10.01.2014
Karl Koesling aus Göhl mit einem Gemälde, das seinen Großvater Max zeigt. Quelle: Peter Mantik
Göhl

Winston Churchill sagte einst: „Besser einander beschimpfen als einander beschießen.“ Karl Koesling weiß, was der ehemalige englische Premierminister damit ausdrücken wollte.

Der 79-jährige Göhler hat als Kind den Zweiten Weltkrieg erlebt und weiß aus seiner Familiengeschichte, wie schnell Weltkrieg I entfacht wurde.

Mit dem Jahreswechsel wurden für den ehemaligen Landwirt Erinnerungen an seinen Großvater Max Koesling wach. „Ich habe Großvater zwar nicht kennen gelernt, weil er an den Folgen des Krieges bereits 1922 erlag, doch habe ich Großmutter Hertha, seine Frau, noch in guter Erinnerung“, sagt Karl Koesling, der von seinem Großvater weiß, dass dieser vor 100 Jahren bei Kriegsausbruch ganz nah dran war am Weltgeschehen. Dies belegen Dokumente und Zeitungsausschnitte, die Koesling zum Jahresbeginn wieder hervorgekramt hat. Unmittelbar nach dem Attentat von Sarajewo (siehe Beistück) wurde Koesling eingezogen und reiste als Hauptmann der Reserve und Bataillonsführer nach Serbien. Der ehemalige Pastor und Schulrat berichtete in Zeitungsartikeln von der Front.

Karl Koesling hält die Originalausgabe des Leibnitzer Tageblatts vom 19. Dezember 1915 in der Hand. Sein Großvater schreibt in einem langen Artikel unter der Überschrift „Kriegsblätter aus Serbien

unter anderem: „. . . Möchten alle Überlebenden doch dafür sorgen, dass aus diesem furchtbaren Ringen und Kämpfen für unsere lebenden und die nachfolgenden Geschlechter außer dem endlichen Siege und einem gesicherten Frieden, den wir erringen müssen, aus dem Kriege das Gute und Bessere entspringt und erhalten bleibt.“

Koesling blickt nach draußen auf die Lindenallee vor seinem Haus. Es regnet. „Wissen Sie“, sagt er, „ich erinnere mich noch genau an den sonnigen Tag, als Oma Hertha 1939 zu uns Geschwistern sagte:

,Kinder, es ist etwas Schreckliches geschehen. Der Zweite Weltkrieg ist ausgebrochen.‘ Das vergisst man nicht.“ Es sei ein Privileg, dass die Bürger Deutschlands seit nunmehr fast 60 Jahren in Frieden leben könnten. Das sei nicht selbstverständlich. Koesling: „Vor allem der Kriegsausbruch 1914 sollte uns Warnung genug sein. Es braucht nicht viel für eine solch verheerende Kettenreaktion wie damals.“

Witwer Karl Koesling besucht das Familiengrab auf dem Friedhof in Oldenburg oft. Hier liegt auch Großmutter Hertha begraben, die einige Jahre nach dem Krieg ebenfalls in Göhl lebte, ehe sie mit 80 Jahren nochmals in die Großstadt Berlin umzog. Sie wurde 83 Jahre alt und im Mai 1953 in Ostholstein beigesetzt. Dieser Tage ist Karl Koesling mit seinen Gedanken häufig bei ihr und auch bei Opa Max.

So begann der 1. Weltkrieg
Auslöser war ein Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien. Am 28. Juni 1914 wurden im serbischen Sarajewo der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Opfer eines Attentates, wohinter Österreich-Ungarn den serbischen Geheimdienst vermutete. Die österreichische Regierung verlangte die sofortige Aufklärung des Mordes, was nicht geschah. Österreich-Ungarn erklärte am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg.


Verbündete: Russland stand auf der Seite Serbiens. Da aber das Deutsche Reich mit Österreich-Ungarn verbündet war, erklärte es am 1. August 1914 Russland den Krieg.


Ende: Am 18. Juli 1918 begann die militärische Offensive der verbündeten Länder gegen das Deutsche Reich. Als die Amerikaner eintrafen, waren die vereinigten Armeen so stark, dass sich nach der Schlacht bei Amiens am 8. August das geschwächte deutsche Heer nur noch zurückziehen konnte. Waffenstillstand war am 11. November 1918.

Peter Mantik

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