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Ostholstein Wenn die Ostsee den Sand frisst
Lokales Ostholstein Wenn die Ostsee den Sand frisst
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13:39 30.12.2016
An dieser Kante wird sichtbar, mit welcher Kraft die Ostsee am Steinwarder-Badestrand den Sand weggespült hat. FOTOS: PETER MANTIK (2)
Heiligenhafen

Als die Weihnachtsstürme längst über Heiligenhafen ohne Schaden anzurichten hinweggefegt waren, zeigte die Ostsee in der Nacht zu Mittwoch doch noch ihre gefräßige Seite. Bei frischen sechs Windstärken aus West-Nordwest trug sie den Sand Kubikmeter um Kubikmeter vom Hauptbadestrand auf dem Steinwarder ab, exakt dort, wo ein Testbuhnenfeld eben das künftig verhindern soll.

Diskussion um Testbuhnenfeld: Langzeit-Monitoring oder Akut-Notfall?.

„Im Gutachten wurden wichtige Aspekte nicht berücksichtigt."

Niclas Boldt, Heiligenhafen

Im Nachgang wurde jetzt eine konstruktive Diskussion unter Fachleuten ausgelöst. Bauingenieur Thomas Langmaack vom Landesbetrieb für Küstenschutz (LKN), Joachim Gabriel von den Heiligenhafener Verkehrsbetrieben (HVB) im Namen der Stadt sowie der Ortskundige Niclas Boldt tauschen ihre Argumente aus. Es geht dabei um die Frage, ob das neu errichtete Testbuhnenfeld seinen Zweck erfüllen und mehr Sand als in der Vergangenheit am Steinwarder- Strand halten wird. Boldt bemängelt am Testbuhnenfeld, dass aus seiner Sicht zentral wichtige Strömungsverhältnisse in einem externen Gutachten nicht berücksichtigt worden seien. „In der Nacht zu Mittwoch floss die Ostsee wie ein Fluss seitlich am Steinwarder längs und riss mit Kraft den Sand mit.“ Boldt glaubt: „Kommt der nächste Sturm bei Hochwasser aus der gleichen Richtung, bleibt vom Strand wenig übrig.“ Exakt dies wäre der schlimmste anzunehmende Fall.

Das bestätigt auch Joachim Gabriel von den HVB. Er sagt: „Wir sind nicht die Experten. Deshalb haben wir erst nach Hinzunahme von Experten und der Bauerlaubnis durch den Landesbetrieb gehandelt.“ In den Vorentwürfen eines Testbuhnenfeldes seien die besagten Buhnen laut Gabriel größer und auch völlig anders angeordnet gewesen, als sie schließlich umgesetzt wurden. Gabriel dazu:

„Wir haben mit dem LKN mehrfach diskutiert, was genehmigungsfähig ist und was nicht.“ Unter anderem seien Biotope zu berücksichtigen, die tiefer in der Ostsee verankerte Buhnen verhindert hätten. Die HVB richten ihr Augenmerk daher auf das, was umsetzbar sei. Im Frühjahr soll der Rest des aufgespülten Dänemark-Sandes am Buhnenfeld eingesetzt werden – in der Hoffnung auf positive Effekte.

Bauingenieur Thomas Langmaack betont an dieser Stelle: „Wir haben eine Minimallösung genehmigt, um zu schauen, wie sich diese auswirkt.“ Über einen Zeitraum von fünf Jahren sollen mit Hilfe eines Monitorings Messwerte im und außerhalb des Wassers vorgenommen werden. So kann die jährliche Entwicklung mit Daten dargestellt werden. Bei der weiteren Bewertung des Projektes würden auch die schriftlich eingereichten Bedenken von Niclas Boldt einfließen. Langmaack: „Herr Boldt besitzt nicht nur Ortskenntnisse, sondern versteht auch etwas von dieser schwierigen Materie. Seine Einwände werden von uns ernst genommen, wenngleich wir ihm bisher nicht in allen Punkten gefolgt sind.“ Gabriel übt sich derweil nach eigenen Worten in „professioneller Gelassenheit“. Allerdings mit einer Einschränkung: „Sollte der Strand tatsächlich komplett weggespült werden, müssten wir sofort reagieren und das Testbuhnenfeld zurückbauen.“

Boldt hätte für diesen Fall „X“ einen neuen Lösungsansatz, den er gerne Gabriel und Langmaack präsentieren würde: „Die Holländer sind Vorreiter in einer neuen Technologie. Sie konzipieren Unterwasserbauwerke, um Strömungsverhältnisse zu manipulieren.“ Dies könne eventuell auch am Warder zum Erfolg führen. Denn in einem Punkt sind sich Gabriel und Boldt völlig einig: Aufgrund des touristischen Schwerpunktes benötigt die Stadt einen vorzeigbaren Hauptbadestrand mit viel Sand. Daher begrüßt auch Gabriel, dass sich Boldt nun in das Verfahren eingebracht hat.

 Peter Mantik