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Ostholstein Westtrasse der Beltschiene ist vom Tisch
Lokales Ostholstein Westtrasse der Beltschiene ist vom Tisch
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22:53 13.01.2014
Oldenburg

Diese Nachricht sorgte am Sonntag in Oldenburg für großes Aufsehen. Am Rande des Neujahrsempfanges überraschte Bürgermeister Martin Voigt (parteilos) mit der klaren Absage der Kieler Landesregierung an eine mögliche Westtrasse bei der künftigen Belt-Schienenanbindung. Er stützte sich auf ein vierseitiges Schreiben von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD), das den LN vorliegt.

Die zusätzliche Prüfung einer Westtrasse hatten zuvor Oldenburg sowie die Nachbarkommunen Göhl, Neukirchen, Heringsdorf und Großenbrode vor allem aus Lärmschutzgründen — gegen den Widerstand aus Gremersdorf — gefordert. Doch nach erster Prüfung durch Land und Bahn stelle sie, so Albig, „keine sich aufdrängende Alternativlösung“ dar.

Der Grund: Die Betroffenheit der Anwohner sei bei nahezu allen Schutzgütern, die in einer Grobanalyse untersucht wurden, größer als bei der favorisierten Ostumgehung. Ganz obenan steht der Lärmschutz: Zwar könnte eine Lärmschutzwand die Mehrbelastung der ohnehin vorbelasteten Anwohner nahe der A 1 weitgehend verringern. Doch die Ostumgehung als sehr viele kürzere Strecke belaste weitaus weniger Menschen, während eine Westumfahrung für zusätzliche Betroffenheiten in Lübbersdorf, Putlos, Jahnshof, Giddendorf oder Kremsdorf sorge.

„Hohe Konfliktpotenziale“ sieht das Land zweitens aus Naturschutzgründen — vor allem durch die Querung des Oldenburger Grabens sowie des europäischen Vogelschutzgebietes Östliche Kieler Bucht. Mit Blick auf EU-Vorgaben stuft das Land die Westtrasse als „unzulässig“ ein. Aber auch beim Schutzgut Grundwasser fiele die Westumfahrung durch höheren Flächenverbrauch ungünstiger aus.

Raumverträglicher sei die östliche Umfahrung zudem durch geringere Neuzerschneidung von Freiraum. Lediglich in der Beurteilung touristischer Belange schneide eine Westumfahrung womöglich besser ab.

„Wir werden uns alle Optionen offenhalten“, betonte gestern Oldenburgs stellvertretende Bürgermeisterin Annette Schlichter-Schenk (SPD) auf Albigs Antwort, auf die die Stadt vier Monate warten musste. Bereits kommende Woche tagen die städtischen Gremien. Nur für Hans-Jürgen Löschky (FDP) war die Absage vom Land „keine Überraschung“: Denn die geforderte Tunnellösung sei nicht finanzierbar, und die Westtrasse belaste wesentlich mehr Bürger. „Wir fühlen uns mit unseren Argumenten bestätigt, das ist ein gutes Zeichen vom Land“, sprach dagegen Gremersdorfs Bürgermeister Henning Pries (CDU) erleichtert von einer klaren Absage an die Westtrasse — noch vor dem Planfeststellungsverfahren.

gjs